Saudi-Arabien gibt Kontrolle über Große Moschee in Brüssel auf

Große Moschee, Brüssel (Quelle (Wikipedia, CC BY-SA 3.0)

„Saudi-Arabien hat sich bereit erklärt, seine Kontrolle über die größte belgische Moschee aufzugeben. Es will damit offenbar seinen Ruf als weltweiter Exporteur einer ultrakonservativen Form des Islam abschütteln. Belgien hatte die Große Moschee 1969 an Riad verpachtet und damit von den Saudis unterstützten Imamen Zugang zu seiner wachsenden Bevölkerung muslimischer Einwanderer gegeben – im Gegenzug für billiges Öl für seine Industrie. Doch nun will es die Beziehungen der Saudis zu der nahe dem Hauptquartier der Europäischen Union gelegenen Moschee angesichts von Befürchtungen, dort würde extremistisches Gedankengut gepredigt, kappen. Die Führer der Moschee bestreiten, dass dort Gewalt befürwortet werde, doch sind die europäischen Regierungen seit den in Brüssel geplanten islamistischen Anschlägen, bei denen 2015 in Paris 130 und 2016 in der belgischen Hauptstadt 32 Menschen getötet wurden, wachsamer geworden. (…)

Dass Riad so prompt auf die Forderungen eingegangen ist, verweist auf eine neue Bereitschaft des Königreichs, eine gemäßigtere Form des Islam zu fördern. Dies war eines der ambitionierteren Versprechen des Kronprinzen Mohammed bin Salman, der Saudi-Arabien reformieren und seine Abhängigkeit vom Öl vermindern will. Die Vereinbarung vom Januar fällt mit einer neuen saudischen Initiative zusammen, die zwar nicht öffentlich bekannt gegeben wurde, westlichen Regierungsvertretern zufolge, die mit Reuters sprachen, aber darauf abzielt, die Unterstützung für Moscheen und Religionsschulen im Ausland einzustellen, die extremistisches Gedankengut verbreiten. (…)

Die Einzelheiten der Übergabe der Moschee werden noch verhandelt und sollen noch diesen Monat bekannt gegeben werden, berichtete der belgische Innenminister Jan Jambon Reuters. (…) Die Bedenken gegen die Moschee nahmen zu, als Extremisten wie der Islamische Staat begannen, die Enkel der ursprünglichen Einwanderer zu rekrutieren. Viele von ihnen fühlen sich der belgischen Gesellschaft Umfragen zufolge noch immer nicht zugehörig. (…) Führende belgische Politiker erklärten, die Moschee solle einen ‚europäischen Islam’ predigen, der ihren Werten eher entspreche. Derartige Forderungen gibt es seit den Anschlägen des Islamischen Staats in den letzten Jahren überall in Europa. Wer nun die riesige Moschee, die von der [in Mekka ansässigen Islamischen Weltliga] MWL jährlich 5 Millionen Euro erhält, übernehmen wird, ist noch unklar. Die MWL hat jahrzehntelang in dutzenden Institutionen weltweit eine fundamentalistische Interpretation des Islam propagiert.“ (Alissa de Carbonnel / Stephen Kalin: „Giving up control of Brussels mosque, Saudi Arabia sends a signal“)

Schreiben Sie einen Kommentar


Schreiben Sie einen Kommentar

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.


Login