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Gefängnis für Dutzende Hamas-Mitglieder in Saudi-Arabien

Die Hamas-Führung (im Bild Mahmud az-Zahar, Yahya Sinwar und Ismail Haniyeh) sind alles andere als erfreut über das Vorgehen der saudi-arabischen Justiz. (© imago images/ZUMA Press)
Die Hamas-Führung (im Bild Mahmud az-Zahar, Yahya Sinwar und Ismail Haniyeh) sind alles andere als erfreut über das Vorgehen der saudi-arabischen Justiz. (© imago images/ZUMA Press)

Die Hamas schäumt vor Wut, weil ein Gericht in Saudi-Arabien 69 ihrer Mitglieder zu teils langjährigen Haftstrafen verurteilt hat.

Yoni Ben Menachem, Jewish News Syndicate

Die Hamas ist zutiefst schockiert über die Entscheidung eines saudischen Gerichts, Dutzende ihrer Aktivisten zu Gefängnisstrafen zu verurteilen. Sie wurden vor mehr als zwei Jahren wegen des Verdachts der Geldwäsche und des Schmuggels von Geldern an die Terrororganisation im Gazastreifen verhaftet, worin sie von Geldwechselfirmen in der Türkei unterstützt wurden.

Am 8. August veröffentlichte das saudische Gericht die Urteile gegen 69 Hamas-Aktivisten, die in Saudi-Arabien und Jordanien leben. Sie wurden zu Haftstrafen zwischen sechs Monaten und 22 Jahren verurteilt; fünf von ihnen wurden für unschuldig befunden und freigelassen. Der ranghohe Hamas-Aktivist Mohammed al-Khoudary, 81, der Leiter des saudischen Hamas-Zweigs, wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt. (…)

Einer kursierenden Behauptung zufolge steckten die Trump-Administration und Israel hinter den saudischen Aktivitäten gegen die Hamas; es sei ihnen gelungen, einen tiefen Keil zwischen die beiden zu treiben. Die Hamas wirft dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman vor, die amerikanisch-israelische Politik gegen die Bewegung übernommen zu haben. Am 12. September 2019 erklärte der ranghohe Hamas-Vertreter Marwan Abu Ras gegenüber der Website Al-Khaleej Online, dass Saudi-Arabien sich Israel annähere und durch die Verhaftung ranghoher Hamas-Vertreter im Königreich die Tore für eine Normalisierung mit Israel öffne.

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Die Verhaftung und Verurteilung von Hamas-Aktivisten markieren das Ende des „Goldenen Zeitalters“ in den Beziehungen zwischen dem saudischen Königshaus und der Hamas-Führung.

Das Hamas-Büro in Saudi-Arabien wurde 1988 während der Herrschaft von König Fahd bin Abdulaziz eröffnet. Al-Khoudary wurde zum offiziellen Vertreter der Bewegung ernannt.

Im Jahr 1998 empfing König Fahd den Gründer der Hamas, Scheich Ahmed Jassin, und erlaubte ihm, im Königreich Spenden für den Gazastreifen zu sammeln. „Ihr seid in unseren Herzen und wir stehen an eurer Seite bis zur Befreiung Jerusalems“, wurde König Fahd bei dem Empfang für Jassin zitiert.

Der erste Riss in den saudischen Beziehungen zur Hamas entstand 2007, nachdem die Terrorgruppe den Gazastreifen gewaltsam übernommen und die Palästinensische Autonomiebehörde vertrieben hatte. Hamas-Führer Khaled Mashal und der Vorsitzende der Palästinensischen Autonomiebehörde Mahmud Abbas trafen sich einige Monate später in Mekka und unterzeichneten in der Nähe des Kaaba-Schreins ein Versöhnungsabkommen. Nach Ansicht der Saudis hat die Hamas gegen diese Vereinbarung verstoßen.

Seitdem haben sich die Beziehungen weiter verschlechtert. 2015 verhafteten saudische Sicherheitsbeamte Maher Salah, einen ehemaligen Hamas-Führer im Ausland, und beschuldigten ihn der Geldwäsche. Er verbrachte ein Jahr in einem saudischen Gefängnis und wurde in die Türkei abgeschoben.

Im Oktober 2016 verhafteten die saudischen Sicherheitskräfte den hochrangigen Hamas-Führer Nizar Awadallah.

Nachdem Präsident Trump die Hamas zur Terrororganisation erklärt hatte und bin Salman zum Kronprinzen ernannt worden war, verschärfte sich der raue Umgang Saudi-Arabiens mit der Hamas-Bewegung. Im Jahr 2017 schlossen sich die Saudis Trumps Position an, und im Februar 2018 erklärte der saudische Außenminister die Hamas zu einer terroristischen Organisation.

Die Verhaftungswelle von Hamas-Aktivisten, die im April 2019 begann, bedeutete einen deutlichen Wandel in der Haltung des saudischen Königshauses gegenüber der Hamas-Bewegung. (…)

Die Hamas hat die Inhaftierung von über 60 ihrer Aktivisten in Saudi-Arabien fünf Monate lang streng geheim gehalten. Die Nachricht wurde zunächst in der katarischen Presse veröffentlicht, aber die Hamas weigerte sich, eine Bestätigung zu geben, und versuchte, durch diplomatische Bemühungen hinter den Kulissen über mehrere Golfstaaten die Freilassung der Inhaftierten zu erreichen. (…)

Die Tatsache, dass Saudi-Arabien die Forderungen der Hamas nach Freilassung ihrer Agenten völlig ignorierte, zeugt von seiner Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten und Israel in der Frage der Terrorismusbekämpfung. Saudi-Arabien ist auf die Hilfe beider Länder angewiesen, um sich vor den Gefahren des Iran zu schützen, und will der mit Teheran verbündeten Hamas nicht helfen. (…)

Die Hamas versucht nun, den Rest der arabischen und islamischen Welt dazu zu bewegen, Druck auf den saudischen Königshof auszuüben, damit dieser die inhaftierten Hamas-Aktivisten begnadigt.

(Aus dem Artikel „Saudi Arabia acts against Hamas terrorism“, der vom Jewish News Syndicate veröffentlicht wurde. Übersetzung von Florian Markl.)

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