Während Saudi-Arabien offiziell auf Diplomatie setzte, soll Kronprinz Mohammed bin Salman hinter den Kulissen in Washington auf ein militärisches Vorgehen gegen den Iran gedrängt haben.
US-Präsident Donald Trump startete am vergangenen Samstag einen groß angelegten Angriff auf den Iran, nachdem zwei Verbündete der USA im Nahen Osten, über deren wachsende Entfremdung in jüngster Zeit viel spekuliert wurde, wochenlang Lobbyarbeit betrieben hatten, wie vier mit der Angelegenheit vertraute Quellen gegenüber der Washington Post berichteten. So habe nicht nur Israels Premierminister Benjamin Netanjahu seine langjährige Kampagne für US-Angriffe gegen den Iran fortgesetzt; auch der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman habe im vergangenen Monat mehrfach privat mit Trump telefoniert und sich für einen Angriff der USA ausgesprochen, obwohl er öffentlich eine diplomatische Lösung befürwortete.
Die gemeinsamen Bemühungen Jerusalems und Riads trugen dazu bei, dass der amerikanische Präsident eine massive Angriffswelle gegen die iranische Führung und das Militär anordnete, die in der ersten Stunde zum Tod des Obersten Führers Ayatollah Khamenei und mehreren anderen hochrangigen iranischen Beamten geführt hat.
Widersprüchliche Aussagen
Der saudische Druck für einen Angriff erfolgte, als der Sonderbeauftragte des US-Präsidenten, Steve Witkoff, und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner Verhandlungen mit iranischen Funktionären über das Atom- und Raketenprogramm des Landes führten. Während die Gespräche liefen, gab Riad nach einem Telefonat zwischen Mohammed bin Salman und dem iranischen Präsidenten Masoud Peseschkian die Erklärung ab, Saudi-Arabien werde nicht zulassen, dass sein Luftraum oder sein Territorium für einen Angriff auf den Iran genutzt würden.
In seinen Gesprächen mit US-Beamten warnte der saudische Kronprinz den Quellen zufolge jedoch, dass der Iran stärker und gefährlicher werden würde, sollten die Vereinigten Staaten jetzt nicht zuschlagen, nachdem sie die größte militärische Präsenz im Nahen Osten seit der Invasion des Iraks im Jahr 2003 aufgebaut hatten.
Mohammed bin Salmans Position wurde durch seinen Bruder, Verteidigungsminister Khalid bin Salman, bekräftigt, der im Januar in Washington mit Mitgliedern der Regierungsadministration zusammentraf und vor den Nachteilen eines Nichtangriffs warnte, fügten die Quellen hinzu.
Die Differenz zwischen den öffentlichen und den privaten Erklärungen der Saudis spiegelt Einschätzungen zufolge deren Wunsch wider, iranische Vergeltungsmaßnahmen gegen die verwundbare Ölinfrastruktur seines Landes zu vermeiden, während Mohammed bin Salman zugleich die Ansicht vertritt, Teheran sei der größte Feind Riads in der Region. Der von schiitischen Muslimen dominierte Iran und das von Sunniten geführte Saudi-Arabien befinden seit Langem in einer intensiven Rivalität, die zu Stellvertreterkriegen in der Region geführt hat, etwa im Jemen.
Nach dem ersten Angriff der USA am Samstag hat der Iran tatsächlich Vergeltungsmaßnahmen gegen Saudi-Arabien ergriffen. Riad veröffentlichte eine wütende Erklärung, in der es den Angriff verurteilte und die internationale Gemeinschaft aufforderte, »alle notwendigen und entschiedenen Maßnahmen« zu ergreifen, um dem Regime in Teheran entgegenzutreten.
Vor diesem Hintergrund ist es wenig verwunderlich, dass Saudi-Arabien den Bericht der Washington Post am Montag dementierte und betonte, in Sachen Iran den diplomatischen Weg befürwortet zu haben: »Das Königreich Saudi-Arabien hat die diplomatischen Bemühungen um eine glaubwürdige Einigung mit dem Iran konsequent unterstützt. Zu keinem Zeitpunkt unserer Kommunikation mit der Trump-Regierung haben wir den Präsidenten dazu gedrängt, eine andere Politik zu verfolgen«, erklärte der Sprecher der saudischen Botschaft in Washington, Fahad Nazer, in einem Beitrag auf X.






