Russlands „Wahrheit“ entpuppt sich einmal mehr als Propaganda

„In der russischen Kampagne zur Leugnung der Chemiewaffenangriffe im nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus gelegenen Douma spielt ein Interview mit einem 11jährigen Jungen namens Hassan Diab eine wichtige Rolle. Sollte es den Tatsachen entsprechen, würde es sich für die Bestrebungen Russlands, seinen Verbündeten Bashar al-Assad zu entlasten, um einen bedeutsamen Coup handeln. Diab war in Videoaufnahmen der Opfer des Angriffs vom 7. April, die im Krankenhaus behandelt wurden, zu sehen. In den Aufnahmen weinte er. Also haben die russischen Staatsmedien und die mit ihnen verbündeten Blogger das Interview als die ‚Wahrheit’ betitelt, die der Westen nicht anerkennen wolle. Der russische UNO-Botschafter erklärte, er werde es dem Sicherheitsrat vorführen. Der Journalist Evgeny Poddubnyy von Russia-24 behauptete, er habe den Jungen ausfindig gemacht und in Erfahrung gebracht, er sei von den Weißhelmen gezwungen worden, sich zu verstellen. Die Weißhelme sind eine Freiwilligenorganisation von Rettungsarbeitern, die von Russland denunziert wird, um ihre Angaben über Angriffe zu diskreditieren und Bombenangriffe auf sie zu rechtfertigen. (…)

Doch wie so oft bei dieser russischen Kampagne, ist es auch diesmal mit der ‚Wahrheit’ so eine Sache. Diab und sein Vater wurden heimlich in einer militärischen Einrichtung des Assad-Regimes in Damaskus gefilmt. Erste Verdachtsmomente ergaben sich, als Journalisten wie Patrick Hilsman im Hintergrund einer vom russischen Fernsehen ausgestrahlten Aufnahme von Diab und seinem Vater militärisches Personal bemerkten. Eindeutig verraten wurde der Drehort aber durch das in anderen Aufnahmen zu sehende Fußbodenmosaik. Es ist Teil der Dekoration des neben dem Dama Rose-Hotel in Damaskus gelegenen Offiziersklubs der syrischen Armee. Durch einen öffentlichen Suchaufruf konnte das Bild mit einem Foto des Klubs abgeglichen werden, auf dem auch ein unverwechselbarer steinerner Türstock zu sehen ist, der ebenfalls in den russischen Aufnahmen zu erkennen war. Dass die Aufnahmen in Damaskus und noch dazu in einer militärischen Einrichtung gemacht wurden, ist insofern bemerkenswert, als es Berichte gibt, denen zufolge Bewohner Doumas gezwungen worden seien, die Chemiewaffenangriffe zu leugnen. Insbesondere wurden Ärzte und medizinisches Personal von russischen Streitkräften abgeführt und verhört, möglicherweise in dem Klub. Ihnen wurde mit Haft und Repressalien gegen ihre Familien gedroht, sollten sie die geforderten Interviews nicht geben. (Scott Lucas: „Russia’s Interview with Syria’s ‚No Chemical Attack‘ Boy Was Secretly Filmed at Assad Regime Military Facility“)

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