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Russland zieht Streitkräfte aus Syrien ab

Russland zieht nciht nur soldaten, sondern auch das S-300-Luftabwehrsystem aus Syrien ab
Russland zieht nciht nur soldaten, sondern auch das S-300-Luftabwehrsystem aus Syrien ab (© Imago Images / ITAR-TASS)

Die Konzentration der russischen Streitmächte in der Ukraine schwächt Russlands Einfluss in Syrien, was zu einer Kräfteverschiebung im Nahen Osten führen könnte.

Wie drei hochrangige Beamte aus dem Nahen Osten berichten, hat Russland kürzlich militärische Ausrüstung und Truppen aus Syrien abgezogen, wodurch sich erneut bestätigt, wie sehr die ins Stocken geratene Invasion in der Ukraine den Einfluss Moskaus in anderen Ländern verringert hat. So ist Russland, das seit 2015 eine dominante militärische Kraft in Syrien ist und dazu beiträgt, das syrische Regime an der Macht zu halten, in Syrien zwar immer noch stark präsent, doch die neuen Entwicklungen könnten eine größere Verschiebung des Kräfteverhältnisses in einer der kompliziertesten Konfliktzonen der Welt einläuten.

Nach Angaben von zwei hochrangigen westlichen Diplomaten und einem anonym bleibenden israelischen Verteidigungsbeamten könnte der Abzug russischer Truppen und Luftabwehrsysteme aus Syrien eine der wichtigsten Beschränkungen für Israels Militäraktionen in Syrien beseitigen und Israel damit die Möglichkeit geben, seinen Ansatz sowohl gegenüber Syrien als auch gegenüber der Ukraine zu überdenken, wie Ronen Bergman und Patrick Kingsley in der New York Times schreiben.

Während sicher ist, dass die Zahl russischer Kampftruppen reduziert wurde, gehen die Schätzungen auseinander, wie viele russische Soldaten aus Syrien abgezogen und in die Ukraine verlegt wurden, doch sollen es mindestens zwei Bataillone mit je 600 bis 800 Mann sein, darunter auch mehrere Kommandeure.

Israel greift regelmäßig iranische Ziele in Syrien an, um zu verhindern, dass Teheran an der nordöstlichen Grenze Israels Fuß fassen kann. Im Jahr 2018 verlegte Russland das hochentwickelte S-300-Luftabwehrsystem nach Syrien, wodurch sich das Risiko für israelische Piloten erhöhte. Obwohl die Kontrolle über die S-300-Systeme nie an die syrische Regierung übertragen wurde, war die Gefahr, dass sie gegen israelische Flugzeuge eingesetzt werden könnten, ein wichtiger Grund dafür, dass Israel seit Beginn der russischen Invasion im Februar ukrainische Anfragen nach militärischer Ausrüstung abgelehnt hat.

Den Berichten zufolge hat Russland seine S-300-Systeme nun aus Syrien abgezogen, um seine ins Stocken geratene Invasion in der Ukraine zu unterstützen, was den russischen Einfluss in Syrien verringert und die israelischen Überlegungen in Bezug auf die Ukraine verändern könnte. So gibt es Anzeichen dafür, dass Israel der Ukraine mittlerweile mehr Hilfe leistet als in den ersten Monaten des Krieges, als sich die Unterstützung hauptsächlich auf humanitäre Hilfe wie die Errichtung eines Feldlazaretts beschränkte.

Israel versorgt die Ukraine nun mit grundlegenden Informationen über iranische Drohnen, die von Russland eingesetzt werden, und hat außerdem angeboten, die Überreste von Drohnen zu untersuchen, die in der Ukraine abgestürzt sind, wie hochrangige ukrainische und israelische Beamte berichten. Am Mittwoch betonte die israelische Führung, sie könne Kiew zwar Frühwarnsysteme zur Verfügung stellen, um die ukrainische Zivilbevölkerung vor Angriffen zu warnen, aber keine Waffen schicken werde.

In einer Erklärung sagte der israelische Verteidigungsminister Benny Gantz: »Israel unterstützt die Ukraine und steht an der Seite des Landes, der NATO und des Westens. Das haben wir in der Vergangenheit gesagt und wiederholen es heute. Dennoch möchte ich betonen, dass Israel aufgrund diverser operativer Überlegungen keine Waffensysteme an die Ukraine liefern wird.«

Zu diesen Erwägungen gehört Russlands trotz seiner Truppenverlegungen anhaltende militärische Präsenz in Syrien. So besitzt Moskau weiterhin große Luft- und Marinestützpunkte in Westsyrien, die mit eigenen S-400-Luftabwehrsystems gesichert sind. Auch möchte Israel jede Störung des Kommunikationsprozesses verhindern, der es israelischen und russischen Befehlshabern ermöglicht, Konflikte zwischen ihren Streitkräften in Syrien zu vermeiden. Im Jahr 2017 wurde eine verschlüsselte Telefonleitung installiert, die einen russischen Luftwaffenstützpunkt in Westsyrien mit einer Kommandozentrale der israelischen Luftwaffe in Tel Aviv verbindet.

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