Russland will sich Erdöl-Förderrechte in Irakisch-Kurdistan sichern

„Auf der Höhe der politischen Krise in Irakisch Kurdistan traf vergangenen Oktober ein Brief der Chefs des staatlichen russischen Ölgiganten Rosneft (ROSN.MM) Igo Sechin im irakischen Ölministerium in Bagdad ein. Der Regierung in Bagdad mangele es an einer konstruktiven Position und Interesse dem Rosneft-Angebot gegenüber, die südirakischen Ölfelder zu entwickeln, so Sechin in dem Brief, von dem Reuters eine Kopie einsehen konnte. Das im Nordirak gelegene, von ungefähr sechs Millionen Menschen bevölkerte Irakisch Kurdistan hatte gerade versucht, sich vom Rest des Landes zu trennen. Bagdad hatte das Ergebnis des Unabhängigkeitsreferendums vom 25. September für ungültig erklärt und Truppen entsandt, um die Kontrolle über entscheidende Ölfelder zu sichern, die die Haupteinnahmequelle Irakisch-Kurdistans waren. Angesichts der Vorbehalte Bagdads einer Zusammenarbeit mit Rosneft gegenüber, so Sechin, der einer der engsten Verbündeten von Präsident Waldimir Putin ist, werde seine Firma stattdessen mit der Kurdischen Regionalregierung (KRG) zusammenarbeiten. Diese habe ein ‚größeres Interesse an einer intensiveren strategischen Zusammenarbeit’ gezeigt.

Mit der Zeit versicherten die Vereinigten Staaten, die Europäische Union und andere Mächte, die zunächst ihre Sympathie mit dem kurdischen Unabhängigkeitsstreben zum Ausdruck gebracht hatten, Bagdad, sie würden dessen Souveränität im ganzen Irak, einschließlich Irakisch-Kurdistans, anerkennen. Doch auf eine derartige Annäherung deutete in Sechins Brief nichts hin. Zu Bagdads Verdruss hatte Rosneft sich verpflichtet, Milliarden Dollar in Irakisch-Kurdistan zu investieren. Statt sich nun zurückzuziehen, setzte das Unternehmen noch nach. Mehreren mit der Angelegenheit vertrauten Quellen zufolge hatte Sechin dabei mehr Trümpfe in der Hand, als viele irakische Beamte damals wussten. Nur Tage zuvor hatte Rosneft die Ölexportleitungen der Binnenregion Irakisch Kurdistans von der KRG für 1,8 Milliarden Dollar erworben.

Quellen bei Rosneft, in der Ölindustrie und in der kurdischen und irakischen Regierung zufolge verfolgte Rosneft dabei nicht nur kommerzielle Interessen. Es sei dem Unternehmen auch darum gegangen, den politischen Einfluss Russlands im Irak und im Nahen Osten insgesamt zu zementieren. Dank der Kontrolle über die Ölleitungen spiele Rosneft eine entscheidende Rolle bei den Verhandlungen zwischen der KRG und Bagdad über die volle Wiederaufnahme der durch das Referendum und die irakische Übernahme der Ölfelder teilweise unterbrochenen Ölexporte. Irakisch-Kurdistan verfügt über erhebliche Ölreserven, möglicherweise ein Drittel der irakischen Gesamtreserven. Daher sind seine Exporte für die regionale und die nationale Wirtschaft gleichermaßen entscheidend. (…) Das Vorgehen Rosnefts in Irakisch-Kurdistan, einer Region, die lange mit den Vereinigten Staaten verbündet war, biete einen Einblick in die Weise, auf die der Kreml Rosneft und dessen verwegenen Geschäftsführer weltweit, von Erbil bis nach Caracas und Neu Delhi, als Werkzeug der russischen Außenpolitik einsetze. Viele Länder, darunter Italien und Frankreich, haben ihre Ölkonzerne als außenpolitische Werkzeuge eingesetzt. Unter Putins Herrschaft ist Moskaus Einsatz von Rosneft in den vergangenen zwei Jahrzehnten aber weit darüber hinausgegangen.“ (Dmitry Zhdannikov: „The great Russian oil game in Iraqi Kurdistan“)

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