Russland bombardiert Deeskalationszone in Südsyrien

„Russland hat sich am vergangenen Wochenende der Offensive [gegen Daraa] angeschlossen und damit die ‚Deeskalationszone‘ angegriffen, die es im Juli letzten Jahres gemeinsam mit den USA ausgerufen hatte. Trotz des intensiven Bombardements hatte die Bodenoffensive regierungstreuer Streitkräfte in den ersten vier Tage kaum Fortschritte gemacht. Doch gestern berichteten Quellen vor Ort von Luftschlägen in der gesamten Provinz Daraa und einem Vorrücken der regimetreuen Truppen.

Dem Aktivisten Omar al-Hariri zufolge hätten das Regime und seine Verbündeten ‚mehrere Städte und Dörfer eingenommen‘. Dabei ‚bedienen sie sich einer Taktik der verbrannten Erde und zwingen Zehntausende zur Flucht‘. Angesichts der Ausweitung der Angriffe sei die Zahl der in den letzten neun Tagen vertriebenen Menschen auf 150.000 gestiegen und nehme weiter zu, so Hariri weiter. Die UNO geht von bis zu 50.000 Vertriebenen aus. Medizinische Einrichtungen seien getroffen und außer Gefecht gesetzt worden, so am Mittwoch in den Städten Saida, Al-Dschisah und Musayfira. Seit dem Beginn der Offensive am 19. Juni seien 131 Menschen getötet worden. Emad Batin, der Vizepräsident des Provinzrats von Daraa erklärte, den Schätzungen der örtlichen Beamten zufolge hätten sich bis Mittwochnachmittag ‚mehr als 120.000 Bewohner der Provinz auf die Flucht begeben. (…) Jordanien, das bereits mehr als 660.000 registrierte Flüchtlinge aufgenommen hat, hat seine Grenzen für die Vertriebenen geschlossen.

Der UNO-Gesandte Staffan de Mistura, der die vergangenen Wochen in Gesprächen mit Russland, der Türkei und dem Iran über eine politische Lösung des seit 87 Monaten währenden Syrienkonflikts verbrachte, erklärte, dass ‚wir es mit einer umfassenden Bodenoffensive und einem flächendeckenden Bombardement zu tun haben‘. Die Schäden und das Ausmaß der Vertreibung der Bevölkerung würden denen Ende 2016 in Aleppo und im Frühjahr in dem nahe Damaskus gelegenen Ostghouta ähneln. Auch dort hatten russische Luftschläge dem Regime die Rückeroberung ermöglicht. Dies ging dem Botschafter Assads Bashar al-Ja’afari bereits zu weit. Er ging de Mistura an und fragte, ob diese Aussagen denn ‚durch das Mandat des Sondergesandten gedeckt‘ seien. De Mistura habe den Kampf gegen den Terrorismus aus den Augen verloren. Es befänden sich Kämpfer des Islamischen Staats und Dschihadisten der Jabhat al-Nusra in der Gegend, wo sie ‚von den Amerikanern, den Israelis und anderen‘ beschützt würden.

Jabhat al Nusra, die jetzt zur Hay’at Tahrir al-Scham gehört, unterhält in der Provinz Daraa keine nennenswerte Präsenz. Ein örtliche Fraktion mit Verbindungen zum Islamischen Staat namens Khalid ibn al-Walid kontrolliert ein kleines Gebiet im Westen Daraas, weit ab von dem von Aufständischen kontrollierten Gebiet, gegen das sich die Angriffe der regierungstreuen Streitkräfte und Russlands richten.“ (Scott Lucas: „Syria Daily: Pro-Assad Advance in South as Russia Joins ‚Scorched Earth‘ Attacks“)

Schreiben Sie einen Kommentar


Schreiben Sie einen Kommentar

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.


Login