Iranische Wissenschaftler tätigten geheime Russlandreisen, um Lasertechnologie zu erwerben, was angesichts der nuklearen Spannungen im heurigen Jahr zu einer Wiedereinführung von Sanktionen führte.
Laut der britischen Financial Times fand im vergangenen Jahr ein zweiter geheimer Besuch iranischer Atomwissenschaftler in Russland statt, um sich Technologien mit potenziellen Waffenanwendungen zu sichern. An der Reise waren die Organisation für defensive Innovation und Forschung (SPND), eine iranische Militäreinheit, welche die Forschung im Bereich Atomwaffen leitet, sowie russische Militärs beteiligt.
Die von der Financial Times erhaltenen Dokumente liefern den ersten Beweis dafür, dass Moskau mit Teheran im Bereich der Atomwissenschaft zusammenarbeitet. Der ehemalige CIA-Analyst Jim Lamson erklärte gegenüber der Zeitung, dass die Experten aus Teheran »sich um Lasertechnologie und Fachwissen bemühten, mit denen sie ein Atomwaffendesign validieren könnten, ohne einen Atomwaffentest durchführen zu müssen.«
Der Iran beharrt darauf, dass sein Atomprogramm friedlich ist, während Russland eine atomar bewaffnete Islamische Republik offiziell ablehnt. Bevor die Vereinigten Staaten und Israel im Juni iranische Einrichtungen bombardierten, ging Washington davon aus, dass die iranische Waffenproduktion weiterhin stillgelegt war, stellte jedoch fest, dass sich der Zeitplan für den möglichen Bau einer Bombe verkürzt hatte.
Hohe staatliche Ebene
Die SPND-Scheinfirma DamavandTec organisierte im vergangenen November die Reise iranischer Laserspezialisten nach St. Petersburg, wie aus den von der Financial Times geprüften Dokumenten hervorgeht. Dabei trafen sie sich mit Vertretern von Laser Systems, einem von den USA sanktionierten russischen Unternehmen, das an Dual-Use-Technologie arbeitet, die sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke verwendet werden kann.
Der iranische Kernphysiker Ali Kalvand, CEO von DamavandTec, hatte laut einer Untersuchung der Financial Times vom August bereits zuvor Treffen organisiert, wobei er einen Diplomatenpass benutzte. Das US-Außenministerium sanktionierte Kalvand und sein Unternehmen im Oktober wegen des Versuchs, »Güter von ausländischen Lieferanten zu beschaffen, die für die Entwicklung von nuklearen Sprengkörpern geeignet sind«, und stellte fest, dass sie »die Reise iranischer Nuklearexperten nach Russland erleichtert« hätten.
Kalvand organisierte die aktuelle Reise auf Einladung des Direktors von Laser Systems, Dmitry Vasilyev, zum Zweck der »technologischen Zusammenarbeit«, wie es hieß. Während die Einladung an Mitarbeiter von DamavandTec gerichtet war, identifizieren die von der Financial Times geprüften Unterlagen die Teilnehmer als Physiker von iranischen Universitäten mit Verbindungen zum Verteidigungsbereich.
Andrey Savin von Laser Systems besuchte seinerseits Teheran im vergangenen Februar, um sich mit SPND-Mitarbeitern zu treffen. Laser Systems verfügt über Genehmigungen des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB für die Arbeit mit Staatsgeheimnissen. DamavandTec ist laut US-Außenministerium als Beschaffungsmakler für mit Beschränkungen belegte Komponenten tätig. Die Financial Times berichtete bereits zuvor über Versuche von DamavandTec, Tritium zur Steigerung der Sprengkraft von Sprengköpfen zu erwerben.
Nicole Grajewski vom in Washington ansässigen Thinktank Carnegie Endowment erklärte, die Treffen seien »ein starker Beweis dafür, dass Russland den Iran bei seiner Forschung im Bereich Atomwaffen unterstützt, wobei staatlich verbundene russische Institutionen Dual-Use-Technologie und Wissenstransfer bereitstellen. Diese Aktivitäten scheinen sowohl auf russischer als auch auf iranischer Seite auf hoher staatlicher Ebene freigegeben worden zu sein.«






