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Militärpräsenz: Russisch-sudanesisches Abkommen vor baldigem Abschluss

Russlands Außenminister Sergej Lawrow bei einem Treffen mit dem sudanischen Armeechef Abdel Fattah al-Burhan
Russlands Außenminister Sergej Lawrow bei einem Treffen mit dem sudanischen Armeechef Abdel Fattah al-Burhan (© Imago Images / ITAR-TASS)

Russland steht kurz davor, seine Position am Roten Meer zu sichern, indem es bilaterale Abkommen mit der sudanesischen Armee schließt, die sich in einem Bürgerkrieg mit den Milizen der Schnellen Eingreiftruppen befindet.

Der ranghöchste Befehlshaber der sudanesischen Armee Yasser Al-Atta erklärte am vergangenen Samstag, dass Russland um die Einrichtung einer Tankstation am Roten Meer im Austausch für die Lieferung von Waffen und Munition gebeten habe und diesbezügliche Vereinbarungen bald offiziell gemacht würden. Der stellvertretende Oberbefehlshaber der Streitkräfte sagte, der sudanesische Armeechef Abdel Fattah Al-Burhan werde das Abkommen mit Moskau demnächst unterzeichnen.

Armee braucht Unterstützung

In der Ära des ehemaligen Präsidenten Omar al-Bashir hatten die beiden Länder ein Abkommen über die Errichtung eines Marinestützpunkts unterzeichnet, das für 2020 vorgesehen war. Die Armeeführung erklärte jedoch später, dieser Plan werde überprüft, letztlich aber nicht umgesetzt. Bei seinem Besuch im Sudan vor mehr als einem Jahr sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow jedoch, sein Land warte noch immer auf die Zustimmung der parlamentarischen Institutionen im Sudan.

Der sudanesische Militärexperte Muhammad Khalil Al-Saim kommentierte dazu, eine Einigung mit Moskau sei »angesichts des Wettbewerbs zwischen dem Osten und dem Westen um die Vorherrschaft und Präsenz am Roten Meer« doch noch möglich und werde in sudanesischen Militärkreisen begrüßt. Der Sudan habe nichts mehr zu verlieren, »und wenn er sich an Moskau wendet, sind die Möglichkeiten des Westens, die Regierung zu sanktionieren, schwach und unwirksam«.

Der sudanesische Politologe Al-Tayeb Ibrahim erklärte diesbezüglich, die Armee benötige dringend russische Waffen- und Munitionslieferungen. »Die erwartete Zusammenarbeit zwischen Khartum und Moskau könnte auch militärische Ausbildung und technische Experten umfassen, um das Gleichgewicht im Krieg zugunsten der sudanesischen Armee zu beeinflussen.« Zugleich gab er zu bedenken, dass solch eine Schritt zu diplomatischen Problemen und Krisen mit einflussreichen Ländern führen könnte.

Günstiger Zeitpunkt

Vor Wochen erklärte das amerikanische Gatestone Institute, Moskau »hofft, der sudanesische Armeekommandant werde sich an das 2020 geschlossene Abkommen halten, das Russland die Einrichtung eines Marinestützpunkts in Port Sudan erlaubt, ein Schritt, der es der russischen Marine ermöglichen würde, westliche Handelsrouten zu bedrohen, die direkt durch das Rote Meer führen.« Das Institut kam zu dem Schluss, dass die Stationierung iranischer Drohnen im Sudan in Verbindung mit der zunehmenden Einmischung Russlands in den dortigen Konflikt »angesichts der geografischen Bedeutung des Landes am Roten Meer Anlass zur Sorge für westliche Entscheidungsträger sein sollte«.

Die sudanesische Autorin Shamail Al-Nur erklärte, für Russland sei nun der beste Zeitpunkt, um die sudanesische Armee im Gegenzug für die Verabschiedung des Abkommens über den russischen Stützpunkt militärisch zu unterstützen. »Die sudanesische Armee befindet sich definitiv in einem Dilemma, denn ein volles Engagement in der militärischen Zusammenarbeit mit Russland würde massive Konsequenzen für die sudanesischen Außenbeziehungen mit sich ziehen und ein völlig neues Kapitel im aktuellen Bürgerkrieg einläuten.«

Die Zustimmung der Armee zu einem Militärabkommen würde es Moskau ermöglichen, sein größtes Standbein in Afrika seit dem Untergang der Sowjetunion errichten zu können. Damit werde »der Sudan zweifellos in eine völlig neue Phase eintreten, denn es wird befürchtet, dass das Land damit zu einem Schauplatz ständiger Konflikte zwischen den internationalen Mächten wird«.

Seit mehr als einem Jahr herrscht im Sudan ein Bürgerkrieg zwischen der von Armeechef Al-Burhan geführten Armee und den von Muhammad Hamdan Dagalo befehligten Schnellen Eingreiftruppen. Seit Kriegsausbruch sind Zehntausende Menschen getötet worden, darunter nach Angaben der Vereinten Nationen bis zu 15.000 in Darfur im Westen des Landes.

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