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Russisch-iranischer Waffentausch aufgedeckt

Irans Außenminister Amir-Aabdollahian bei einem Treffen mit dem russischen Vizeaußenminister Vershinin in Teheran
Irans Außenminister Amir-Aabdollahian bei einem Treffen mit Russlands Vizeaußenminister Vershinin in Teheran (© Imago Images /UPI Photo)

Nach Angaben einer hochrangigen Quelle aus Sicherheitskreisen liefert Russland erbeutete westliche Waffensysteme im Tausch gegen Drohen an den Iran.

Nicht nur wurden in jüngster Zeit Spekulationen laut, Russland könnte sich für die iranischen Drohnenlieferungen mit der Lieferung von Material revanchieren, das der Iran für den Ausbau seines Atomprogramms benötigt. Wie nun eine anonym bleibende Quelle aus Sicherheitskreisen berichtete, hat Russland neben 140 Millionen Euro Bargeld auch eine Auswahl erbeuteter britischer und amerikanischer Waffen in den Iran geflogen, um im Gegenzug Drohnen für seinen Krieg in der Ukraine zu erhalten.

So soll ein russisches Militärflugzeug in den frühen Morgenstunden des 20. August das Geld und drei westliche Waffenmodelle – eine britische NLAW-Panzerabwehrrakete, eine US-Panzerabwehrrakete Javelin und eine Stinger-Flugabwehrrakete – heimlich zu einem Flughafen in Teheran transportiert haben.

Die Waffen seien Teil einer Lieferung von britischer und amerikanischer Militärausrüstung gewesen, die für das ukrainische Militär bestimmt war und »in russische Hände fiel«, so die Quelle, derzufolge die von Russland gelieferten Systeme den iranischen Revolutionsgarden (IRGC) die Möglichkeit geben, westliche Technologie zu studieren und möglicherweise zu kopieren: »Sie werden wahrscheinlich rekonstruiert und in künftigen Kriegen eingesetzt.«

Die Quelle bezog sich dabei auf das sogenannte Reverse-Engineering, dem Analysieren und Nachbauen der untersuchten Technologie, in der Teheran in den vergangenen Jahren gewisse Fähigkeiten erlangt habe. So geht man davon aus, dass das Wissen, das die Iraner beim Reverse-Engineering einer 2011 erbeuteten US-Spionagedrohne gewonnen hätten, bei der Entwicklung der Shahed-Drohnen geholfen habe. Damals gelang es dem Iran, eine für Aufklärungszwecke eingesetzte amerikanische RQ-17 Sentinel-Überwachungsdrohne zu kapern. Ein iranischer Kommandeur behauptete im darauffolgenden Jahr, sein Land habe das Luftfahrzeug rekonstruiert und baue nun eine Kopie.

Nachbau westlicher Technologie

»Die Iraner haben bewiesen, dass sie über ein effizientes Reverse-Engineering-System verfügen, wie wir an den Drohnen sehen können, die sie nach der 2011 erbeuteten US-Drohne gebaut haben«, so die Quelle, die zu dem Schluss kommt: »Es scheint, dass der Iran auch vom Krieg [in der Ukraine] profitieren will, indem er von den Russen westliche Technologie erhält, die ihm in der Zukunft nützlich sein werde, wie es in der Vergangenheit schon geschehen ist.«

Der Iran habe seinerseits mehr als 160 unbemannte Luftfahrzeuge (UAV) an Russland geliefert, darunter hundert Shahed-136-Drohnen, die unter der Bezeichnung Kamikazedrohnen bekannt sind, weil sie beim Aufprall explodieren. Die Quelle behauptete auch, dass in den vergangenen Tagen ein weiteres Drohnengeschäft im Wert von 200 Mio. Euro zwischen Teheran und Moskau vereinbart worden sei, was bedeutet, »dass es bald eine weitere große Lieferung von UAV aus dem Iran geben wird«.

Der russischen Nachrichtenagentur TASS zufolge ist Nikolai Patruschew, ein enger Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin, zu Beratungen über Sicherheitsfragen in den Iran gereist, der als Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates immensen Einfluss hat. Patruschew werde in Teheran geplante Konsultationen abhalten, an denen Experten des Sicherheitsrates und der Ministerien beider Länder teilnehmen, heißt es, was Spekulationen nährt, dass es um Vereinbarungen weiterer Waffengeschäfte gehen könnte.

Der an der in London ansässigen Denkfabrik Royal United Services Institute tätige Justin Bronk erklärte unterdessen, die iranischen Drohnen seien zu einem wichtigen Bestandteil der russischen Kriegsanstrengungen geworden. »Hätte der Iran die Shaheds nicht geliefert, wäre die russische Angriffskampagne gegen die ukrainische Strom- und Wasserversorgung deutlich weniger effektiv gewesen«, wie er gegenüber SkyNews erklärte.

Als potenziell noch schwerwiegendere Bedrohung hat sich die iranische Regierung Berichten zufolge auch bereit erklärt, größere und technisch ausgefeiltere ballistische Raketen an Russland zu liefern. Der ukrainische Botschafter in Großbritannien, Vadym Prystaiko, meinte, sollten sich die Berichte bestätigten, »wird dies eine echte, echte Bedrohung darstellen. Wenn sie [iranische ballistische Raketen] in großer Zahl kommen, werden wir echte Probleme haben.«

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