Zum Jahresende wollen wir mit einem Best of Arik-Brauer-Publizistikpreises 2025 zurückblicken auf eine Veranstaltung, die ein gesellschaftspolitisches Statement für faire Pressearbeit setzte.
Der Abend der Verleihung des Arik-Brauer-Publizistikpreises 2025 im Stadttheater in der Wiener Innenstadt war heuer ein politisches Statement für faktenbasierte Publizistik, für Israel und gegen die Verrohung des öffentlichen Diskurses. Drinnen wurde ausgezeichnet, diskutiert und erinnert, draußen hingegen protestiert. Der Kontrast hätte kaum deutlicher sein können.
Vertreter der jüdischen Community, Journalisten, politisch interessierte Bürger sowie Mitarbeitende von Mena-Watch waren gekommen, um drei Persönlichkeiten zu ehren, die sich in sehr unterschiedlichen Kontexten, aber mit ähnlicher Konsequenz gegen Antisemitismus und Israelfeindlichkeit positionieren.
Durch den Abend führte die Journalistin und Buchautorin Danielle Spera, die in ihrem Eingangsstatement den Preis, seinen Namensgeber Arik Brauer und die Rolle von Mena-Watch als Plattform für faktenbasierte Berichterstattung über Israel und den Nahen Osten einordnete. Den politischen Rahmen setzte Erwin Javor, Gründer und Herausgeber von Mena-Watch. In seiner Rede sprach er über das gesellschaftliche Klima gegenüber Jüdinnen und Juden, über den Zustand des öffentlichen Diskurses seit dem 7. Oktober 2023 und über die Verantwortung journalistischer Arbeit in einer Zeit, in der Fakten zunehmend ideologisch verzerrt werden.
Der Arik-Brauer-Publizistikpreis steht genau für diesen Anspruch. Ein Rückblick auf frühere Preisträger, darunter Herta Müller, Michael Wolffsohn, Mirna Funk, Ahmad Mansour, Arye Shalicar sowie Wolf Biermann für sein Lebenswerk machte deutlich, in welcher Tradition sich auch die diesjährigen Auszeichnungen bewegten.
Im Geiste Arik Brauers
Der erste Preisverleihung war dem ORF-Korrespondenten in Israel Nikolaus Wildner gewidmet. Die Laudatio hielt der Außenpolitik-Ressortleiter der Tageszeitung Die Presse Christian Ultsch, der die Berichterstattung Wildners als Beispiel für journalistische Sorgfalt und analytische Tiefe in einer Region, die häufig auf Schlagworte und moralische Verkürzungen reduziert wird, hervorhob. Wildner selbst betonte in seiner Dankesrede die Verantwortung von Korrespondenten in Kriegszeiten und die Notwendigkeit, komplexe Realitäten nicht zugunsten einfacher Narrative aufzulösen.
Es folgte die Auszeichnung des Schriftstellers Karl-Markus Gauß für sein Buch Schuldhafte Unwissenheit. Essays wider Zeitgeist und Judenhass. Laudator Peter Huemer beschrieb Gauß als Intellektuellen, der sich konsequent gegen den moralischen Mainstream stellt und Antisemitismus als strukturelles Problem europäischer Gesellschaften analysiert. In seiner Rede sprach Gauß über Zeitgeistkritik, das Hinwegsehen von israelbezogenem Antisemitismus und über die Notwendigkeit, Israels Existenzrecht auch dort zu verteidigen, wo dies gesellschaftlich unter Druck gerät.
Der Sonderpreis der Jury ging an die deutsche Politikerin und Aktivistin Karoline Preisler. Journalist und Autor Hasnain Kazim würdigte Preisler für ihren konsequenten Einsatz gegen Rechtsextremismus, Islamismus und israelfeindliche Kundgebungen, insbesondere seit dem 7. Oktober 2023. Preisler sprach in ihrer Rede offen über die Bedrohungen, Anfeindungen und tätlichen Angriffe, denen sie ausgesetzt ist, und über den Preis klarer politischer Positionen. Ihre Botschaft war unmissverständlich: »Rape is not resistance.«
Immer wieder wurde im Laufe des Abends auch der Blick nach draußen gelenkt. Zeitgleich zur Preisverleihung fanden vor dem Stadttheater antiisraelische Proteste statt. Sie wurden von Rednern und Laudatoren als Sinnbild einer angegriffenen Debattenkultur beschrieben. Drinnen ein Abend für faktenbasierte Auseinandersetzung, draußen lautstarker Protest gegen genau diese. Ein Spannungsbogen, der den gesamten Abend begleitete.
Ein eingespieltes Video über Arik Brauer und die Entstehung des Publizistikpreises schlug schließlich den kulturellen und historischen Bogen. Brauer, der Künstler, Jude und Intellektuelle, stand für eine Haltung, die Kunst, Politik und Verantwortung nie voneinander getrennt hat – ein Anspruch, der auch diesen Abend prägte.
Gesellschaftspolitisches Statement
Nach dem offiziellen Programm ging die Veranstaltung in eine Signierstunde im Foyer über. Besucher nutzten die Gelegenheit, mit den Preisträgern ins Gespräch zu kommen und Bücher von Karoline Preisler, Karl-Markus Gauß, Arye Shalicar sowie dem wissenschaftlichen Leiter von Mena-Watch, Florian Markl, signieren zu lassen.
Der Abend blieb nicht nur als Preisverleihung in Erinnerung, sondern auch als gesellschaftspolitisches Statement für eine verantwortungsvolle Presse, für eine wehrhafte Zivilgesellschaft und den Mut, sich den Zumutungen der Gegenwart klar entgegenzustellen.






