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Rojava zwischen Krieg und Hoffnung

Paushali Lass im Mena-Talk über Rojava zwischen Krieg und Hoffnung

Im Mena-Talk spricht die freiberufliche Israelstrategin, Kultur- und Diplomatieberaterin Paushali Lass mit Jasmin Arémi über die Lage im nordostsyrischen Rojava, wo die kurdische Selbstverwaltung unter massivem Druck steht. Türkische Angriffe zerstören Infrastruktur, Frauenrechte und jahrzehntelang aufgebaute Stabilität. Lass kritisiert die Regionalpolitik Ankaras und fordert konkrete humanitäre Korridore sowie politische Rückendeckung durch EU, USA und Israel.

»Mitgefühl ist keine Frage der Herkunft«, sagt Lass. »Ich fühle mit den Kurden in erster Linie als Mensch.« Für sie ist die Gewalt gegen Kurden kein rein lokales Problem. Sie werden verfolgt und getötet wegen ihrer Identität, nicht wegen ihrer Taten – eine Parallele zur jüdischen Geschichte. »Gewalt, die auf Ideologie basiert, hört nicht bei einer Gruppe auf«, warnt sie. Wer heute die Kurden angreift, bedroht morgen andere, wie die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) gezeigt habe. Außenstehende müssten daher Druck auf Regierungen und Weltmächte ausüben.

Ihr Engagement ist auch persönlich motiviert, ihre Begegnungen mit Kurden haben sie geprägt: »Bereits Abrahams Geschichte aus dem Tanach zeigt Werte wie Respekt und Zusammenleben, die ich bei Kurden wiederfinde.« Nach dem Erdbeben 2023 in der Türkei erlebte sie, wie viele Kurden gerade aufgrund eigener Diskriminierungserfahrungen eine ausgeprägte Hilfsbereitschaft entwickelten.

Besonders nach dem 7. Oktober 2023 beeindruckte sie deren Solidarität mit Israel. Im November 2024 vermittelte Lass eine kurdische Delegation an die israelische Knesset. Als Deutsche mit indischen Wurzeln fühlt sie sich besonders verantwortlich: »In einer Demokratie aufzuwachsen, ist ein Privileg. Und diese Rechte nehme ich nicht als selbstverständlich wahr.« Indien kenne Kolonialismus und willkürliche Grenzziehungen – ähnlich wie die Kurden heute einer Fremdmacht unterworfen seien. Wer Privilegien habe, müsse für andere eintreten.

Die aktuelle Lage in Rojava beschreibt sie als »wirklich dramatisch«. Täglich erreichen sie Hunderte Hilferufe: Berichte von entführten Zivilisten, vergewaltigten Frauen, erfrierenden Kindern und abgeschnittener Infrastruktur. Türkische Angriffe zerstören die jahrzehntelang aufgebaute Selbstverwaltung und die Frauenrechte.

Ideologisch motiviert

Ankara unterstütze islamistische Gruppen wie Hayat Tahrir al-Shams (HTS), Hamas-Aktivisten fänden dort Zuflucht. »Die türkische Politik ist ideologisch motiviert und nicht defensiv«, betont die Diplomatieberaterin. Staatliche Medien stellten Kurden pauschal als Terroristen dar und verbreiteten radikale Narrative auch in Europa. Auch medial werde die Lage übersehen: »Wenn Trump etwas macht, ist das sofort in den Medien. Rojava und der Iran werden hinter anderen Themen verdrängt, obwohl IS-Freilassungen Europa direkt bedrohen.«

Historisch war für die Kurden nach dem Vertrag von Sèvres (1920) ein eigener Staat vorgesehen. Lausanne (1923) machte dies zunichte. Die Westmächte priorisierten eigene Interessen und verteilten die Kurden auf vier Staaten. Heute hängt ihre Zukunft erneut von den USA und der EU ab – ohne Mitsprache und trotz ihrer Erfolge im Kampf gegen den Islamischen Staat. Ankara setze auf Destabilisierung. Die Propaganda legitimiere Angriffe, die Kooperation mit HTS ermögliche Expansion. Israels Solidarität mit den Kurden sei für die Türkei der »größte Albtraum«. Auch Indien werde diffamiert, ähnlich wie Israel, etwa über Kaschmir.

Für Paushali Lass erklären sich die engen Bande zwischen Kurden und Israel aus einer gemeinsamen Geschichte: »Beide Völker wissen, was es heißt, für Sicherheit und Selbstbestimmung zu kämpfen.« Beide verteidigen ihre Identität gegen Auslöschung, setzen auf Selbstverteidigung statt Expansion und teilen Werte wie Heimatverbundenheit, Frauenrechte und Koexistenz. Indien könne als Partner Israels gemeinsam mit den Vereinigten Arabischen Emiraten zur Stabilität in der Region beitragen.

Paushali Lass fordert klare Maßnahmen: »Deutschland muss seine Bürger schützen. Keine EU-Fonds an HTS ohne sichere Korridore.« Langfristig brauche Rojava konkrete Schritte, mit sicheren humanitären Korridoren, Sanktionen gegen Aggressoren, Anerkennung der Autonomie und Allianzen mit Israel, der EU und Indien gegen Extremismus. »Die Kurden fordern keine Sonderrechte. Sie fordern das grundlegende Recht, ohne Angst leben zu können.«

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