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Trotz Reformen: Tunesische Schulbücher weiterhin voll antisemitischer Rhetorik

Kinder in einer Schulklasse in Tunesien
Kinder in einer Schulklasse in Tunesien (© Imago Images / Anadolu Agency)

Während der Lehrplan die Gleichstellung der Geschlechter beschwört, Rassismus verurteilt und Toleranz und friedlichen Dialog fördert, werden diese Werte höchst selektiv angewendet.

Tunesien nationaler Lehrplan ist trotz moderner sozialer Reformen voll antisemitischer Rhetorik und Feindseligkeit gegenüber Israel, so eine vergangenen Woch veröffentlichte Studie. Der Bericht des in London ansässigen Institute for Monitoring Peace and Cultural Tolerance in School Education (IMPACT-Se) kommt zu dem Schluss, dass tunesische Schulbücher zwar generell Frieden, Vielfalt und Toleranz als erstrebenswerte Grundwerte darstellen, aber weiterhin eine feindselige Haltung gegenüber Israel sowie antisemitische Rhetorik zeigen.

Laut der Studie, in der achtzig Lehrbücher verschiedener Schulstufe anhand der UNESCO-Standards für Frieden und Toleranz in der Bildung analysiert wurden, lobt der Lehrplan zwar »die Gleichstellung der Geschlechter, verurteilt Rassismus und fördert Bürgerpflicht, Toleranz und friedlichen Dialog«, doch werden diese Werte streng »selektiv angewendet«. Während die Lehrbücher etwa Toleranz gegenüber den Minderheiten in Tunesien bekunden, enthalten die Materialien antisemitische Stereotypen, die Juden als gierig, verschwörerisch und schädlich darstellen und damit die Botschaften der Toleranz untergraben, so der Bericht.

Ein Arabisch-Lehrbuch für die 11. Klasse beispielsweise porträtiert einen jüdischen Kaufmann als gierig und betrügerisch und behauptet, dies sei symbolisch für alle Juden, »die immer so sind«.

Israel ausgelöscht

Obwohl in den Lehrbüchern der Zweite Weltkrieg und die Nazis behandelt werden, findet der Holocaust so gut wie keine Beachtung, und Adolf Hitler wird als jemand beschrieben, der Deutschland zu einer großen Wirtschafts- und Militärmacht« gemacht habe.

In ähnlicher Weise betont der Lehrplan die Wichtigkeit von Frieden, Koexistenz und interkulturellem Dialog, fördert die gemeinsame menschliche Werte und lehnt Extremismus ab – stellt aber gleichzeitig den Zionismus konsequent als Kolonialprojekt dar und enthält Beispiele, in denen Gewalt gegen Israelis gerechtfertigt oder verherrlicht wird. Die meisten Lehrpläne leugnen nicht nur die Legitimität Israels sondern lassen dessen Existenz gleich ganz verschwinden, indem sie das gesamte Gebiet einschließlich der international anerkannten israelischen Gebiete als »Palästina« bezeichnen, , und damit.

Ein in dem Bericht zitiertes Geschichtslehrbuch für die 13. Klasse beschreibt das Massaker bei den Olympischen Spielen 1972 in München euphemistisch als »Fedajin-Operation« und legitimiert damit den Angriff, anstatt ihn als Terrorismus zu beschreiben.

»Der heutige tunesische Lehrplan vertritt moderne, aufgeklärte Werte«, was ein starkes Signal einer Gesellschaft sei, die sich weiterentwickelt, sagte IMPACT-se-Direktor Marcus Sheff. »Diese Werte können jedoch nicht selektiv angewendet werden. Es ist völlig inakzeptabel, dass antisemitische Bilder und Rhetorik in allen Fächern präsent bleiben und dass Gewalt gegen Israel stellenweise gerechtfertigt und sogar verherrlicht wird. Wenn Tunesien sich als Vorbild für den Fortschritt in der Region versteht, muss gegen diese Diskriminierung vorgegangen werden.«

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