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Rede von Yair Lapid bei der Pressekonferenz mit Joe Biden

Joe Biden und Yair Lapid
Pressekonferenz im Waldorf Astoria Hotel in Jerusalem (© Imago Images / UPI Photo)

Im Zuge des Staatsbesuchs von Joe Biden in Israel gaben der israelische Ministerpräsident und der US-Präsident eine gemeinsame Pressekonferenz. Wir veröffentlichen Lapids Eröffnungsrede.

Herr Präsident, im März 1965, auf Dr. Martin Luther Kings berühmtem Marsch von Selma nach Montgomery, lief neben ihm in der ersten Reihe ein jüdischer Rabbiner – Rabbi Abraham Joshua Heschel. Als er an diesem Tag nach Hause zurückkehrte, schrieb Rabbi Heschel in sein Tagebuch: »Heute hatte ich das Gefühl, meine Beine würden beten.«

Im Staate Israel, Herr Präsident, beten unsere Beine jeden einzelnen Tag. Nichts in unserem Leben ist selbstverständlich. Mein Vater war ein jüdisches Kind im Budapester Ghetto, das sich vor denen versteckte, die es töten wollten.

Die Tatsache, dass ich heute hier stehe, ist nicht einfach so von selbst geschehen. Wir haben die Lektion gelernt, Herr Präsident: Israel muss zu jeder Zeit stark, frei und sicher sein, mit einer mächtigen Armee, die unsere Bürger verteidigen kann.

Ob Josef den Jordan überquerte oder Dr. King den Alabama River, das Prinzip ist dasselbe: Wenn ihr eure Unabhängigkeit wollt, müssen eure Hände euch verteidigen und eure Beine für euch beten. Du musst furchtlos in Richtung Fluss marschieren. 

In diesem Jahr, mit dem ungerechtfertigten Einmarsch Russlands in der Ukraine, der zunehmenden nuklearen Bedrohung durch den Iran und der weltweiten Bedrohung durch den Terrorismus, wurden wir alle an etwas erinnert: Um die Freiheit zu schützen, muss manchmal Gewalt angewendet werden. Niemand will das, aber wir können auch nicht davor zurückschrecken, angesichts von Terroristen und Menschen, die nicht zögern, jede Schwäche auszunutzen, Menschen, die sich nicht an die Spielregeln halten.

Diejenigen von uns, die das Glück hatten, als freie Menschen geboren zu werden, verstehen manchmal nicht die Intensität des Hasses, der hinter dem Angriff auf die Demokratie steht.

Was haben wir ihnen getan? Was bringt sie dazu, Flugzeuge in Wolkenkratzer in New York zu stürzen und Raketen auf Kindergärten in Sderot abzufeuern? Die Antwort lautet: Angst.

Was ihnen am meisten Angst macht, ist, dass ihre Bürger, ihre Leute, uns sehen können, unsere Lebensqualität sehen können – die Dynamik und Kreativität unserer Wirtschaft, die Rechte von Frauen und der LGBTQ-Community, die Religionsfreiheit, die Redefreiheit. 

Unsere Lebensweise ist es, die sie bedroht. Das ist es, was das iranische Regime dazu bringt, sein Atomprogramm weiterzuentwickeln. Die Hisbollah zielt mit ihren Raketen auf uns, und terroristische Organisationen in aller Welt schicken Selbstmordattentäter los. Sie wollen den einzigen jüdischen Staat der Welt zerstören. Das werden wir niemals zulassen. 

Worte werden sie nicht aufhalten, Herr Präsident. Diplomatie wird sie nicht aufhalten. Das Einzige, was den Iran aufhalten wird, ist die Gewissheit, dass die freie Welt Gewalt anwenden wird, wenn er sein Atomprogramm weiter ausbaut. Die einzige Möglichkeit, ihn zu stoppen, besteht darin, eine glaubwürdige militärische Drohung auf den Tisch zu legen.

Sie haben schon oft gesagt, Herr Präsident, dass große Länder nicht bluffen. Dem stimme ich vollkommen zu. Es sollte kein Bluff sein, sondern schlichtweg wahr. Das iranische Regime muss wissen, dass es, wenn es die Welt weiterhin täuscht, einen hohen Preis zahlen wird. 

Hier im Nahen Osten haben wir jetzt eine Alternative. Sie wächst und sie gewinnt an Macht. Wir sind dabei, ein Bündnis gemäßigter Länder zu schmieden, die an Frieden glauben, die glauben, dass unsere Kinder die Chance auf ein besseres Leben verdienen.

Von hier aus, von Jerusalem – der ewigen Hauptstadt des Staates Israel ­– werden Sie nach Saudi-Arabien reisen. Ihr Besuch in Saudi-Arabien ist wichtig für Israel und für die gesamte Region, für unsere Sicherheit und für die Zukunft und den Wohlstand des Nahen Ostens.

Wir senden mit Ihnen eine Botschaft des Friedens an alle Nationen der Region – die Palästinenser natürlich eingeschlossen. 

Israel will Frieden und glaubt an Frieden. Wir werden niemals auch nur einen Zentimeter unserer Sicherheit preisgeben. Es ist unsere Pflicht, bei jedem Schritt vorsichtig zu sein. Aber zu jedem Land, zu jeder Nation, die Frieden und Normalisierung mit uns will, sagen wir: »Ahlan wa sahlan. Shalom. Willkommen.«

Herr Präsident, Sie werden sich mit den Führern von Saudi-Arabien, Katar, Kuwait, Oman und Irak treffen. Ich möchte Sie bitten, ihnen allen eine Botschaft von uns zu übermitteln:

Unsere Hand ist ausgestreckt für den Frieden. Wir sind bereit, unsere Technologie und Erfahrung zu teilen, wir sind bereit dafür, dass sich unsere Völker treffen und voneinander lernen, dass unsere Wissenschaftler zusammenarbeiten und unsere Unternehmen kooperieren.

Das Buch der Psalmen sagt all dies in einer einzigen Strophe. In Kapitel 29 heißt es: »(spricht hebräisch) Der Herr wird seinem Volk Kraft geben. Der Herr wird sein Volk mit Frieden segnen.«

Wenn wir stark sind, wenn wir entschlossen sind, wenn die Welt begreift, dass wir nicht zögern werden, uns und unsere Werte zu verteidigen, dann kann es Frieden geben.

Herr Präsident, unsere Beziehung ist tief. Sie geht über Parteigrenzen hinweg. Sie verbindet nicht nur unsere Regierungen, sondern auch unsere Völker.

Diese Freundschaft ist einer der Eckpfeiler der nationalen Sicherheit Israels. Sie ist bewegend, und sie wird sicherlich nicht als selbstverständlich angesehen.

In all den Jahren Ihrer Tätigkeit im öffentlichen Dienst waren Sie einer der wichtigsten Architekten dieser Beziehung. Dafür gebührt Ihnen die ewige Dankbarkeit des Volkes von Zion.

Danke, Herr Präsident. 

(Übersetzt von Thomas M. Eppinger. Eine wörtliche Mitschrift in Englisch finden Sie hier.)

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