Latest News

Der bekannteste rechte Antisemit der USA: Tucker Carlson

Der bekannteste antisemitische Propagandist der amerikanischen Rechten: Tucker Carlson. (© imago images/ZUMA Press Wire)
Der bekannteste antisemitische Propagandist der amerikanischen Rechten: Tucker Carlson. (© imago images/ZUMA Press Wire)

Der ehemalige Fox-News-Moderator Tucker Carlson ist zu einer antisemitischen Propagandaschleuder geworden.

In den 1930er-Jahren sahen viele englischsprachige Intellektuelle in den totalitären Regimen Europas faszinierende Beispiele für Ordnung und Effizienz. Der Schriftsteller H. G. Wells etwa lobte das nationalsozialistische Deutschland, während George Bernard Shaw die Sowjetunion feierte. Shaw pries Bildungsprogramme und Gleichstellung, ignorierte aber die Säuberungen, Hinrichtungen und Hungersnöte, die das Land prägten.

Nachdem Hitler im Juli 1933 der New-York-Times-Korrespondentin Anne O’Hare McCormick ein exklusives Interview gegeben hatte, schrieb sie: »Hitlers Augen sind kindlich und ehrlich … Seine Stimme ist so ruhig wie seine schwarze Krawatte … Er hat die feinfühligen Hände eines Künstlers.« Der »Diktator von Deutschland« sei ein »recht schüchterner und einfacher Mann, jünger als man vermuten würde, robuster, größer. … Seine Augen haben beinahe die Farbe wie der blaue Rittersporn in einer Vase hinter ihm.«

Der auf der Titelseite der New York Times gedruckte Artikel mit der Überschrift »Hitler strebt nach Jobs für alle Deutschen« bot dem Tyrannen alle Gelegenheit, seine Propaganda auszubreiten: Er wolle Straßen und U-Bahnen bauen, die »Bürokratie reduzieren«, die »Fabriken dezentralisieren« und Autos bauen, die sich auch Menschen »mit geringem Einkommen« leisten könnten. Besonders große Unterstützung erfahre er von Frauen. Gefragt, ob es »nach vier oder zwanzig Jahren der Diktatur« wieder ein Parlament geben werde, machte er »eine Pause«, ehe er antwortete: »Ja, aber ein anderes und besseres Parlament, mit einer Vertretung auf einer technischen Basis.«

Eine Frage nach der Lage der Juden beantwortete er, indem er sagte, diese würden in Deutschland nicht etwa deshalb verfolgt, weil sie Juden seien. »Es stimmt, dass wir diskriminierende Gesetze erlassen haben, doch sie richten sich nicht so sehr gegen die Juden, sondern sind für das deutsche Volk da, um der Mehrheit gleiche wirtschaftliche Möglichkeiten zu geben.« Am Ende beschrieb die amerikanische Reporterin, wie sich Hitler von ihr mit einem »herzlichen Lächeln« und einem »Handkuss in bester deutscher Manier« verabschiedet habe, dann »verließ er mit einem leichten militärischen Schritt den Raum«.

Wenn einer eine Reise tut

Der ehemalige Fernsehmoderator Tucker Carlson ist zu spät geboren, um Hitler noch interviewt haben zu können, er gab stattdessen im Dezember 2025 dem Regierungschef seiner erwählten neuen Heimat Katar, Mohammed bin Abdulrahman Al Thani, eine Bühne und tauschte sich im Oktober mit dem Hitler-Verehrer und Holocaustleugners Nick Fuentes aus. Er lobte Russlands Präsident Wladimir Putin, der die »Geldwechsler aus dem Tempel geworfen habe« — eine offenkundige antisemitische Anspielung —, und hat sein Herz für autoritäre islamische Gesellschaften entdeckt. Vor allem für Katar natürlich, aber auch für Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Reisen bildet, und diese Länder haben sicherlich viele schöne Seiten. Niemand nimmt es Tucker Carlson übel, dass er sich dort wohl fühlt und das Leben genießt, wie viele reiche Touristen aus dem Westen. Doch Carlson sieht sein Leben am Golf nicht als sein Privatvergnügen an, sondern stellt es als eine philosophische Reise dar, die ihm die Augen dafür geöffnet habe, wie wenig der Westen im Vergleich zu bieten habe.

Ähnlich, wie Voltaire einst in seinen Schriften England rühmte, um die absolute Monarchie in seiner Heimat Frankreich zu kritisieren, vergleicht Carlson die islamischen Gesellschaften am Persischen Golf mit dem Westen — ein Vergleich, der aus Carlsons Sicht sehr zum Nachteil des Letzteren ausfällt.

Lob der Scharia

In einem Interview mit Michael Waddell auf dem Outdoor Channel lobte Carlson Gesellschaften, die unter der Scharia stehen und verurteilte den Westen dafür, nach anderen Maßstäben zu leben. »Es gibt keine einzige westliche Stadt, die gedeiht«, sagte Carlson. »Und sie alle verfallen auf genau dieselbe Weise … es sind viele Dinge, aber im Grunde ist es Selbsthass.«

Die Menschen am Golf hingegen seien »selbstbewusst« und deshalb so gastfreundlich, weil sie wüssten, dass ihr Gesellschaftsmodell »richtig« sei: »Ich reise viel im Nahen Osten. Es ist faszinierend. Es sind Muslime. Länder, die nach der Scharia regiert werden. Und wenn man dorthin reist, ist es unglaublich, an einem Ort zu sein, der stolz auf sich selbst ist, der an seine Religion und Kultur glaubt und der denkt: ›Wir sind auf dem richtigen Weg.‹ Diese Art von Selbstvertrauen schafft Stabilität … und Gastfreundschaft.«

Carlson glaubt, dass das Selbstbewusstsein der Menschen dort eine »offene und einladende« Atmosphäre schaffe. Er behauptet, die Menschen seien toleranter gegenüber dem Christentum, selbst in Ländern, in denen die Scharia gilt. Anschließend erklärt er, warum es muslimischen Extremismus gebe. »Man sieht es ja an ISIS oder Al-Qaida, also an den muslimischen Extremisten: Sie alle stammen aus zusammengebrochenen, erbärmlichen Gesellschaften, die von Kolonialmächten beherrscht wurden. Sie wurden erniedrigt, und deshalb sind sie so wütend.«

Der Gedanke stammt aus Frantz Fanons Werk Die Verdammten dieser Erde (1961). Der ehemalige Konservative Carlson hat sich der linksradikalen antiimperialistischen Theorie zugewandt, jener, die seit sechzig Jahren den Terrorismus inspiriert.

Den Westen sieht Carlson als minderwertig: »In jeder europäischen Stadt, in jeder amerikanischen Stadt verlieren die Menschen ihren Lebenswillen, ihren Willen, ihre Kultur weiterzugeben.« Carlsons Fazit: »Die Scharia hat islamische Gesellschaften fortschrittlicher gemacht als den Westen.«

Manche Intellektuelle der 1930er-Jahre sahen in Hitler oder Stalin eine Antwort auf westliche Krisen, Carlson sieht im Modell der Golfstaaten eine Gegenposition zu dem, was er als westlichen Verfall beschreibt. In beiden Fällen zeigt sich, wie Faszination für Ordnung, Effizienz und Selbstbewusstsein die Wahrnehmung auf Kosten einer realistischen moralischen Bewertung prägt.

Was Carlson nicht sieht

Carlson verschweigt, dass die meisten Menschen in den von ihm gepriesenen Staaten keine vollwertigen Bürger sind, keine politische Mitbestimmung haben und nicht konvertieren dürfen. Er freut sich königlich darüber, dass er seinen Gesprächspartnern in Riyadh am Esstisch sagen könne, dass er »pro Jesus« sei. Was aber passieren würde, wenn einer seiner muslimischen Bekannten zum Christentum konvertieren würde, erwähnt er nicht.

Das Gesetz bestraft jeden, der »direkt oder indirekt die Religion oder Gerechtigkeit des Königs oder Kronprinzen infrage stellt«. Es verbietet »die Förderung atheistischer Ideologien in jeglicher Form«, »jeden Versuch, Zweifel an den Grundlagen des Islams zu säen«, Veröffentlichungen, die »den Bestimmungen des islamischen Rechts widersprechen« und andere Handlungen (darunter nicht-islamische öffentliche Gottesdienste, das öffentliche Zeigen nicht-islamischer religiöser Symbole), die Konversion eines Muslims zu einer anderen Religion und die Missionierung durch einen Nicht-Muslim.

Schiiten würden teilweise für Verbrechen mit dem Tod bestraft, die keine Gewalttaten sind, so das amerikanische State Department. Auch Personen, die zum Zeitpunkt eines Verbrechens noch nicht volljährig waren, können hingerichtet werden.

Die Menschen in Saudi-Arabien oder Katar seien »glücklich, sie heißen andere willkommen, sie sind tolerant gegenüber Diversität«, behauptet Carlson. »Davon gibt es hier (im Westen) nichts.« Wenn Carlson mit Enthusiasmus über die freundlichen Menschen spricht, die ihm in Katar oder Saudi-Arabien begegnen, wirkt er überzeugend. Man glaubt ihm gern, dass er sehr höflich und gastfreundlich empfangen wird. Wie bodenlos naiv aber ist es, daraus zu schließen, dass es in jenen Gesellschaften allen gut gehe — oder sie gar zum Modell für die ganze Welt zu erheben.

Es gibt dort, anders als Carlson suggeriert, keine Religionsfreiheit und keine politische Mitbestimmung. Es gibt keine Gleichberechtigung der Geschlechter. Frauen erhalten beim Erbe nur die Hälfte dessen, was ihre Brüder bekommen, und vor Gericht zählen ihre Zeugenaussagen nur halb so viel wie die eines Mannes.

Kenianischen Hausangestellten in Saudi-Arabien werden ihre Pässe weggenommen, Löhne vorenthalten und Lebensmittel verweigert, berichtete die New York Times kürzlich in einer Reportage. »Einige werden von ihren Arbeitgebern für geringfügige Fehler wie etwa die Unfähigkeit, eine Waschmaschine zu bedienen, geschlagen. Andere wurden getötet.«

Islamischer Terror? – Fehlanzeige

Der Islam ist Staatsreligion, Kritik daran ist strafbar. Den erklärten Christen Tucker Carlson stört das nicht. Er glaubt auch nicht an islamistischen Terrorismus. »Mir ist niemand bekannt, der in den letzten 24 Jahren in den USA durch den radikalen Islam getötet wurde«, sagt er.

Er unterschlägt das Fort-Hood-Massaker (2009, 13 Tote, 29 Verletzte), den Boston-Marathon-Anschlag (2013, drei Tote, über 260 Verletzte), den Anschlag von San Bernardino (2015, 14 Tote, 22 Verletzte) und das Orlando-Nightclub-Massaker (2016, 49 Tote, 58 Verletzte). Viele weitere Pläne wurden vereitelt, bevor sie umgesetzt werden konnten.

Er argumentierte anschließend, die Angst weißer Amerikaner vor dem radikalen Islam sei eine »Operation« – und »wir alle wissen, von welcher ausländischen Regierung sie tatsächlich kommt«, womit er Israel meinte. Carlson bezeichnete amerikanische jüdische Zionisten als Israels »informelle Angestellte in den Vereinigten Staaten« und unterstellte christlichen Unterstützern von Juden und Israel, an einem »Gehirnvirus« erkrankt zu sein.

Der Teufel Israel

Carlson sieht das Böse nur aus einer Richtung kommen: aus Israel. Während in Saudi-Arabien und Katar seiner Ansicht nach ja Toleranz und Vielfalt walten, würden Christen in Israel verfolgt. »Ihre Zahl wächst nicht. Sie sinkt, und es gibt eine große Debatte darüber, warum«, warnte Carlson.

Zahlen des israelischen Zentralamts für Statistik, die vor Weihnachten 2025 veröffentlicht wurden, zeigen jedoch einen Anstieg der Zahl christlicher Bürger in Israel. Rund 184.000 Christen leben heute in Israel, was fast zwei Prozent der Bevölkerung entspricht. Ihre Zahl ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Viele leben in Jerusalem, Nazareth und Haifa.

Einem chinesischen Gesprächspartner, der forderte, dass die USA nicht mehr die Nummer eins der Welt sein dürften, sondern sich die Rolle mit Russland und China teilen sollten, stimmte Carlson zu und ergänzte: »Wer das verhindert, ist Israel.«

In einem Gespräch mit dem US‑Botschafter in Israel, Mike Huckabee, sagte Carlson, der israelische Präsident Isaac Herzog habe Jeffrey Epstein auf dessen privater Insel besucht und stellte dies in einen Kontext von angeblichen Geheimdienstverbindungen. Diese Behauptung war unbegründet und falsch. Kurz darauf zog Carlson die Aussage zurück und veröffentlichte eine Entschuldigung.

Am vergangenen 18. Februar waren Tucker Carlson und einige Mitarbeiter mit einem Privatflugzeug zum internationalen Flughafen Ben Gurion geflogen. Sie waren einzig dort, um das Interview mit dem Botschafter aufzuzeichnen – ein Interview, das Carlson unbedingt im Terminal führen wollte. Einen Tag oder auch nur eine Stunde in Israel verbringen, das wollte Carlson nicht.

Als sein Verhalten zu kritischen und spöttischen Bemerkungen führte, erklärte Carlson gegenüber der britischen Daily Mail, er und seine Mitarbeiter seien nach dem Interview »festgenommen« worden. »Männer, die sich als Flughafensicherheitsbeamte ausgaben, nahmen uns die Pässe ab, zerrten unseren Executive Producer in einen Nebenraum und wollten wissen, worüber wir mit Botschafter Huckabee gesprochen hatten«, behauptete er. Die Flughafenbehörden und die amerikanische Botschaft widersprachen. Wie das Video einer Sicherheitskamera zeigt, war das Schlimmste, was ihm passiert war, der Umstand, dass ein Sicherheitsmann ein Foto mit ihm machen wollte.

Der übliche Verdächtige

Anfang März behauptete Carlson ohne Belege, der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad verübe Anschläge in Katar. Was in Wahrheit geschehen war, brachte Katar dem UN-Sicherheitsrat zu Gehör: Zehn Verdächtige wurden festgenommen, von denen sieben Spionage über kritische und militärische Infrastruktur in Katar betreiben und drei, die im Steuern von Drohnen geschult waren, Sabotageakte ausführen sollten. Bei ihnen wurden Aufzeichnungen über Standorte sensibler Einrichtungen, Kommunikationsgeräte und technisches Equipment gefunden. Sie gaben zu, mit der iranischen Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) verbunden zu sein und entsprechende Einsätze ausgeführt zu haben.

Und selbstverständlich ist für Tucker Carlson auch klar, wer hinter dem Krieg gegen das iranische Regime stecke: Im Internet bewirbt er die »Bibi Files«, einen Film, der »so enthüllend« sei, dass er »in Israel verboten« worden sei. Netanjahus »Entscheidungen«, so Carlson, »haben wieder einmal unser Land in einen weiteren Krieg geführt, einen großen«. Am Ende des Videos sieht man Netanjahu mit einer Zigarre vor riesigen Flammen und schwarzem Rauch stehen.

Bleiben Sie informiert!
Mit unserem wöchentlichen Newsletter erhalten Sie alle aktuellen Analysen und Kommentare unserer Experten und Autoren.

Zeigen Sie bitte Ihre Wertschätzung. Spenden Sie jetzt mit Bank oder Kreditkarte oder direkt über Ihren PayPal Account. 

Mehr zu den Themen

Das könnte Sie auch interessieren

Wir reden Tachles!

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie alle aktuellen Analysen und Kommentare unserer Experten und Autoren!

Nur einmal wöchentlich. Versprochen!