Raubökonomie: Schiitische Milizen sichern sich wirtschaftlichen Einfluss

„Einige der [schiitischen Milizen der] Volksmobilisierungseinheiten (PMU), wie Harakat Hezbollah al-Nujaba und Asaib Ahl al-Haq, weiten ihren Einfluss auf die irakische Politik und Wirtschaft weiter aus, zusätzlich zu ihrem Einfluss auf den Militär- und Sicherheitssektor – von dem gelegentlich Drohungen ausgehen, die US-Truppen im Irak anzugreifen. Die Regierung von Donald Trump hat den Irak unter Druck gesetzt und das Land dazu aufgefordert, die Aktivitäten und den Einfluss der vom Iran unterstützten PMU-Fraktionen zu kontrollieren. Die Vereinigten Staaten verhängten im vergangenen März Sanktionen gegen Harakat Hezbollah al-Nujaba, die sich jedoch höchstwahrscheinlich nicht auf ihre wirtschaftlichen Aktivitäten im Irak auswirken. Der frühere irakische Premierminister Haider al-Abadi warf den Führern der PMU am 24. Mai vor, viel mehr Eigentum zu besitzen als in der Vergangenheit und stellte die Quelle dieses Reichtums in Frage. (…)

Nach dem dreijährigen Krieg gegen den IS, nutzten die PMU ihre militärischen Errungenschaften, um politische Legitimität und Nachhaltigkeit zu erlangen. Ihr wachsender politischer Einfluss ist ein Indikator, ebenso wie ihre wachsenden ökonomischen Netzwerke. Während ihre Rolle bei der Bezwingung des IS für die Regierung wichtig war, um Territorien zurückzuerobern und zu halten, wird ihr Verhalten seitdem zunehmend kritisiert. Berichte über Plünderungen, die Zerstörung von Eigentum und Menschenrechtsverletzungen durch die Badr-Organisation, Asaib Ahl al-Haq und Kata’ib Hisbollah, tauchten nach der Niederlage des IS Ende 2017 auf. Ihre heimlichen wirtschaftlichen Unternehmungen wurden etwa in der befreiten Stadt Tuz Khormato dokumentiert, wo die Badr-Organisation, die Kata’ib-Hisbollah und die 13. und 52. Brigade große Gewinne aus der Zementindustrie erzielen konnten, indem sie Kontrollpunkte kontrollierten; in Baiji, wo Asaib Ahl al-Haq und Kata’ib Hezbollah Ausrüstungen aus der Erdölraffinerie demontierten und verkauften; und in Kirkuk, wo ihnen Ölschmuggel vorgeworfen wurde. (…)

Eine verbreitete Technik besteht darin, in Projekte von Nichtregierungsorganisationen (NRO) einzugreifen, wie ein anonymer UN-Beamter berichtete. PMU-Mitglieder fordern häufig, dass sie entweder als Sicherheitskräfte oder im Rahmen von Cash-for-Work-Programmen von NGOs eingestellt werden. Während sich die Vereinten Nationen weigern, mit bewaffneten Akteuren in Kontakt zu treten, sind ihre Auftragnehmer gezwungen, gute Beziehungen zur PMU zu unterhalten, um in Mosul operieren zu können. Der unter der Bedingung der Anonymität sprechende Sicherheitsmanager einer NGO sagte, dass er sich häufig mit den Anforderungen der PMU befassen muss, um an Projekten arbeiten zu können. Dies ist ein Hindernis, dem sich auch vier andere in Mosul tätige internationale NGOs ebenfalls stellen mussten.“ (Isadora Gotts: „PMU economic offices undermine fragile stability in Mosul“)

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