Putin: Türkei soll bei Idlib-Offensive kooperieren oder sich zurückziehen

„Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wird am 7. September in Teheran erwartet, um an einem dreitägigen Gipfeltreffen mit seinen iranischen und russischen Amtskollegen teilzunehmen. Der türkische Sender NTV berichtete, der Gipfel werde voraussichtlich in der Stadt Tabriz in der nordwestiranischen Provinz Ost-Aserbaidschan stattfinden. Die drei Präsidenten waren zuletzt im April in Ankara zusammengekommen, um über Syrien zu diskutieren, wo eine Offensive des Regimes gegen die von Aufständischen kontrollierte Provinz Idlib unmittelbar bevorstehen dürfte. Die Vereinten Nationen haben vor einem zivilen Blutbad gewarnt, sollte das Regime mit der gleichen tödlichen Kombination von schweren Angriffen aus der Luft und am Boden vorgehen sollte, die ihm die Rückeroberung von Gebieten wie Ghouta und Dara’a ermöglichte. Dort hatte der Aufstand vor sieben Jahren begonnen. Die Aufständischen aus jenen Gegenden und deren Familien hatten in Idlib Zuflucht gefunden. Die Bevölkerung der Provinz ist inzwischen auf rund drei Millionen angewachsen.

Im Falle eines Angriffs durch das Regime würden viele von ihnen vermutlich in Richtung der türkischen Grenze flüchten. Für die Türkei, die sich angesichts der Wirtschaftskrise bereits mit der Erhaltung der mehr als 3,5 Millionen syrischen Flüchtlinge schwertut, die sich bereits in der Türkei befinden, stellt das ein Albtraumszenario dar. Die Türkei hat eindringlich um Zeit nachgesucht, um ein Abkommen zu erreichen, dass die ‚gemäßigten Kräfte‘ von den ‚Terroristen‘ in der mit al-Qaeda affiliierten Hayat Tahrir al-Scham-Miliz trennen würde. Die Miliz ist die dominante Kraft in Idlib. Bei seinen Gesprächen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und seinem iranischen Amtskollegen Hassan Rohani wird Erdogan wahrscheinlich erneut um mehr Zeit bitten. (…)

Der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif überhäufte die Türkei am Sonntag mit Lob. ‚Unter den Ländern, zu denen wir gute Beziehungen unterhalten, spielt die Türkei eine führende Rolle‘, erklärte er. Bedenkt man, dass die Türkei und der Iran historisch meist Rivalen gewesen sind, die sich in der Regel nur im Kampf gegen gemeinsame Feinde (in der Regel gegen die Kurden) zusammenraufen konnten, ist das eine steile Behauptung. Der Iran und Russland hoffen beide, dass die infolge der anhaltenden Inhaftierung eines amerikanischen Pastors verschärften Auseinandersetzungen zwischen der Türkei und den Vereinigten Staaten sich zu ihren Gunsten auswirken werden. Berichten zufolge hat Russland der Türkei eine Frist bis September gesetzt, um entweder bei der Offensive mitzuarbeiten oder sich aus Idlib zurückzuziehen. Türkische Truppen unterhalten in der Provinz zwölf Beobachtungsposten (…)

Sollte die Türkei aus Idlib verdrängt werden, so fürchtet man in Ankara, könnte es nur eine Frage der Zeit sein, bis Moskau dem Regime freie Hand gibt, um Afrin und das im Rahmen der Offensive ‚Schutzschild Euphrat‘ gesicherte Gebiet um Jarablus, al-Bab und Azaz zurückzuerobern. Nach einer Einnahme Idlibs wollen weder der Iran noch Russland weiterhin türkische Streitkräfte in Syrien sehen. Es könnte durchaus sein, dass die syrischen Kurden mit dem Regime zusammenarbeiten werden, um die Türkei zu verdrängen, insbesondere, falls Russland den Luftraum über Afrin schließen sollte.“ (Amberin Zaman: „Erdogan set to meet Putin, Rouhani in Iran to weigh options on Syria“)

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