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Putin scheint Erdogan mal wieder ausmanövriert zu haben

Siegesfeier in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku
Siegesfeier in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku (© Imago Images / Depo Photos)

Russische – und nicht türkische – Truppen sollen den aserbaidschanisch-armenischen Waffenstillstand überwachen, was bedeutet, dass Ankara seine Erfolge auf dem Schlachtfeld nicht in Erfolge am Verhandlungstisch ummünzen konnte.

Metin Gurcan, Al-Monitor

Aserbaidschan und Armenien haben sich bereit erklärt, die Feindseligkeiten in der umstrittenen Region Berg-Karabach im Rahmen eines von Russland geförderten Abkommens zu beenden Dabei werden nicht nur die Vereinigten Staaten und Europa an den Rand gedrängt, sondern auch die Türkei erhält trotz ihrer militärischen Unterstützung für Aserbaidschan wenig diplomatisches Mitspracherecht.

Das Abkommen, das in den frühen Morgenstunden des 10. November angekündigt wurde, erlaubt es nicht nur Aserbaidschan, jene Gebiete von Berg-Karabach zu behalten, die es in den Kämpfen seit dem 27. September zurückerobert hatte, sondern verlangt von Armenien auch, in den nächsten Wochen mehrere angrenzende Gebiete zu übergeben. (…)

Ein kurioser Aspekt des Abkommens ist es, dass die Gewinner auf dem Schlachtfeld nicht zugleich auch die Gewinner am Verhandlungstisch sind. Aserbaidschan und die Türkei waren die Gewinner vor Ort, aber Russland und Aserbaidschan sind am Verhandlungstisch als Gewinner hervorgegangen und die diplomatischen Gewinne der Türkei scheinen zweifelhaft. Der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew erwähnte zwar eine Rolle für die Türkei bei der Überwachung des Waffenstillstands, aber Moskau erklärte schnell, dass nur russische Friedenstruppen eingesetzt würden.

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Moskau realisiert mit dem Abkommen seinen Vorschlag von 2018, russische Friedenstruppen in Berg-Karabach zu stationieren, den beide Seiten seinerzeit noch abgelehnt hatten. Der jetzige Deal läuft auf die russische Kontrolle der bevölkerungsreichsten und wirtschaftlich am weitesten entwickelten Region Berg-Karabachs hinaus und beendet den Status der Enklave als ein von Armeniern geführtes Gebiet. (…)

Und was ist mit der Türkei? Die militärische Unterstützung durch die Türkei und die israelische Rüstungshilfe trugen maßgeblich dazu bei, dass sich Aserbaidschan auf dem Schlachtfeld durchsetzen konnte. Doch am Verhandlungstisch scheint die türkische Diplomatie wenig zu sagen zu haben. Indem Ankara Aserbaidschan half, drängte es Eriwan wieder fest in die Arme Russlands. Mit anderen Worten: die Türkei hat den pro-westlichen armenischen Premierminister Paschinyan geschwächt, der Moskau seit seiner Machtübernahme nach einer „samtenen Revolution“ im Jahr 2018 misstrauisch gegenübersteht.

Darüber hinaus wird auch der geplante Korridor von der Region Nachitschewan – dem einzigen Teil Aserbaidschans, der eine kurze Grenze mit der Türkei teilt – in das aserbaidschanische Kernland unter russischer Kontrolle stehen. Das dämpft die Hoffnungen Ankaras, diese Route als Tor zur Stärkung seines Einflusses in Aserbaidschan und Zentralasien zu nutzen.

(Aus dem Artikel „Russia leaves little room for Turkey in Azeri-Armenian truce, der bei Al-Monitor erschienen ist. Übersetzung von Alexander Gruber.)

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