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Proteste gegen das iranische Regime: Ein Bild und sein Kontext

Protest gegen das iranische Regime in Hamburg
Demonstration gegen das iranische Regime in Hamburg (Quelle: privat)

Während sich im Zuge der Proteste ganz neue Konstellationen ergeben, können sich die üblichen Verdächtigen hierzulande keine Alternative zur antisemitischen Ordnung in Teheran vorstellen.

Andreas Benl

Bemerkenswert, aber nicht unbedingt überraschend sind die sich verstetigenden politischen Konstellationen rund um die Umsturzbewegung im Iran, die in oben stehendem Bild zum Ausdruck kommen. Es war auch schon vor zehn Jahren wesentlich ungefährlicher, auf einer Demonstration mit Exiliranern eine Israelfahne zu tragen als etwa unter deutschen oder intersektionellen Linken. Und dass sich nun aus der Ukraine Geflüchtete auf Demonstrationen der iranischen Opposition begeben, auf denen Deutsche nach wie vor weitgehend absent sind, ist nur logisch – spätestens seitdem Kiew und andere Städte mit Kamikazedrohnen aus iranischer Produktion terrorisiert werden.

Auch die kurdische und iranische Flagge nebeneinander spiegeln eine hoffentlich langfristige Tendenz zur Relativierung spektakulärer Trennungen, die das Regime und seine Lobby meisterhaft beherrschen und pflegen. Daraus folgt keine konfliktfreie Harmonie, aber im besten Fall auch unter den verschiedenen politischen Fraktionen von Iranern Diskussion und Streit, die sich auf das gemeinsame Ziel des Endes der Islamischen Republik fokussieren.

Dieser noch prekären neuen internationalen Konstellation steht ein narzisstisches deutsches Spektakel von Antizionismus und Postkolonialismus gegenüber: der Aufklärungsverrat, der sich nicht zuletzt in den nicht enden wollenden antisemitischen Skandale auf der documenta ausdrückt oder in der in deutschen Medien vorgetragenen Hetze gegen vom Regimeterror bedrohte Kritikerinnen des Kopftuchzwangs wie Masih Alinejad. Texte wie der im August erschienene taz-Artikel »Das bisschen Wind im Haar« lesen sich heute angesichts der dramatischen Ereignisse im Iran, als kämen sie direkt aus Khameneis Schreibstube. Vorgetragen werden sie jedoch von selbsternannten deutschen Stimmen des ›Globalen Südens‹.

Wer sich die Nichtigkeit solcher zum Teil staatlich approbierter und finanzierter Nahost- und Iran-›Expertise‹ vor Augen führen will, kann sich zum Beispiel die gähnende Leere beim ins Gerede gekommenen ›Experten‹ Adnan Tabatabei ansehen: der hat seinen Twitter-Account in den letzten Tagen nach lauter werdender Kritik gelöscht.

Bei vielen hiesigen Interpreten der Islamischen Republik, denen es noch nicht die Tweets und die Sprache verschlagen hat, macht sich Weltuntergangsstimmung breit. Eine Gefühlslage, die sich in fast identischen Sätzen ausdrückt: bei der bürgerlichen FAZ als ordnungsliebende Mahnung: »Anders als 1979 gibt es weder im Ausland und noch weniger im Inland eine organisierte Opposition, die das Vakuum füllen könnte«; in der linken taz als spätantiimperialistischer Reflex gegen »Planspiele der CIA«: »Weder im Inland noch im Ausland ist eine demokratische Kraft erkennbar, die in Teheran Verantwortung übernehmen könnte, wenn das jetzige System implodiert.«

Eine Alternative zur antisemitischen Ordnung in Teheran kann und mag man sich nicht vorstellen – die Malaise ist strömungsübergreifend.

Der Artikel erschien zuerst bei Jungleblog.

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