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Virtuelle Realität: Projekt zeigt fünf Überlebende des Hamas-Massakers vom 7. Oktober

Hamas-Terror-Massaker: Mit diesem Auto rettete der Polizist der im Projekt porträtierte Remo Salman Alhuziyel dutzenden Besuchern des Nova-Festivals das Lebens
Hamas-Terror-Massaker: Mit diesem Auto rettete der Polizist der im Projekt porträtierte Remo Salman Alhuziyel dutzenden Besuchern des Nova-Festivals das Lebens (Quelle: JNS)

Anhand der Geschichten von fünf Überlebenden des Hamas-Überfalls hält ein israelisches Filmteam deren erschütternde Zeugenaussagen für kommende Generationen fest. 

Amelie Botbol

»Alles begann, nachdem ich mich am 7. Oktober dem Kampf gegen die Hamas-Terroristen angeschlossen hatte, die in die israelischen Gemeinden an der Grenze zum Gazastreifen eingedrungen waren«, sagt Nimrod Palmach, Geschäftsführer von Israel-is, das mit dem Produzenten Stephen D. Smith an der Virtual-Reality-Initiative »Be the Witness« arbeitet.

Israel-is ist eine Nichtregierungsorganisation, die sich für die Verbesserung von Israels Image einsetzt. Im Rahmen des Projekts »Survived to Tell« (»Überlebt, um zu erzählen«) zeigt »Be the Witness« (»Sei ein Zeuge«) die Geschichten von fünf Überlebenden des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023. Dabei tragen die Teilnehmer des Projekts eine VR-Brille und erleben die Reise eines der fünf Überlebenden nach, darunter Ofir Engel, der 54 Tage in Hamas-Gefangenschaft verbrachte, und Mazal Tazazo, die von der Hamas auf dem Supernova-Musikfestival am 7. Oktober geschlagen und gefesselt wurde, wahrend die Terrorgruppe zwei ihrer Freunde erschoss.

»Ich war schockiert über die unmenschliche Barbarei der Hamas. Obwohl wir uns im Jahr 2023 befanden, fühlte es sich an wie 1943«, erzählt Palmach. »Während des Infernos fragte ich mich, wer mir das alles glauben würde. Mir wurde klar, dass ich Augenzeuge einer der schlimmsten Gräueltaten geworden war, die an der Menschheit je begangen wurden. Ich fuhr am 7. Oktober in Richtung Jerusalem, als ein Raketenhagel auf Israel niederging. Ich hatte dieses Bauchgefühl, das mir sagte, dass ich nach Süden fahren sollte, und fuhr dorthin, nur mit meiner Pistole bewaffnet«, erinnert sich der der 39-Jähirge.

Gemeinsam mit seinem Freund Kiril Shutko stellte sich Palmach den Terroristen außerhalb des Kibbuz Alumim entgegen. Als ihm die Munition ausging, griff er zur Waffe eines Soldaten, der im Kampf gegen die Invasoren gestorben war. »Das Team, mit dem ich gekämpft habe, hat dreißig Hamas-Terroristen daran gehindert, in den Kibbuz Alumim einzudringen, wo sie versuchen wollten, das Massaker im Kibbutz Be’eri zu wiederholen.«

Die Hamas-Terroristen folterten und ermordeten mehr als hundert Bewohner von Be’eri, darunter auch Kinder und ältere Menschen. Sie setzten Häuser in Brand und schossen auf Bewohner, die sich in sicheren Räumen versteckten oder zu fliehen versuchten.

Einsatz von Künstlicher Intelligenz

Palmach filmte, als die Terroristen auf ihn schossen. »Mir wurde klar, dass dies ein historischer Moment war. Ich dachte mir: Ich werde gleich sterben. Ich kann den Moment genauso gut festhalten und Beweise hinterlassen.« Einige Wochen später wurde ihm klar, dass er diese Geschichten mit der neuesten Technologie dokumentieren musste. Er setzte sich mit Produzent Stephen Smith in Verbindung und konzipierte mit ihm das Projekt »Be the Witness«.

Smith führte Regie und produzierte das gesamte Vitual-Reality-Filmmaterial und programmierte einen Bereich auf der Website »Survived to Tell«, in dem Künstliche Intelligenz eingesetzt wird, um Besuchern die Möglichkeit zu geben, den Überlebenden spezifische Fragen zu stellen und Zugang zu vorher aufgezeichneten Antworten zu erhalten.

»Ich finde, dass die Überlebenden ein Fenster in eine Welt bieten, in die niemand von uns jemals hätte blicken dürfen«, sagt Smith, der seit mehr als dreißig Jahren Überlebende von Völkermorden filmisch festhält und als Direktor der von Steven Spielberg gegründeten USC Shoah Foundation-The Institute for Visual History and Education tätig war. »Meine Forschungen über frühe Zeugenaussagen zum Holocaust haben ergeben, dass Zeugenaussagen umso beweiskräftiger sind, je früher sie aufgenommen werden. Sie tragen dazu bei, Fakten zu etablieren und sie in die Geschichtsschreibung aufzunehmen«, ist Smith überzeugt. »Wie die fünf Zeugen [des Hamas-Massakers] zeigen, sind wir alle nur einen Moment von den verheerenden Folgen von Hass, Rassen- und Religionshass entfernt.«

Smith konvertierte drei Wochen vor dem 7. Oktober zum Judentum. »Ich habe keine Angst davor, Jude zu sein. Die Begegnung mit den Zeugen bestärkt mich nur darin, wie stolz ich bin, jüdsich zu sein. Als Juden müssen wir zu unseren Werten der Menschlichkeit stehen. Deshalb haben wir dreitausend Jahre überlebt. Wir werden auch dies überleben und noch stärker werden«, sagt er.

Die Auftaktveranstaltung für das Projekt fand am 7. Mai in London statt und wurde von der israelischen Botschafterin im Vereinigten Königreich, Tzipi Hotovely, besucht. »›Be The Witness‹ ist ein unglaublich leistungsfähiges Bildungsinstrument, das hilft, die Gräueltaten des 7. Oktobers zu vermitteln«, sagt Hotovely.  »Angesichts des zunehmenden Antisemitismus in Großbritannien und auf der ganzen Welt unterstütze ich voll und ganz die Art und Weise, wie die VR-Initiative es den Menschen ermöglicht, das quälende Trauma zu verstehen, das die Opfer und Überlebenden des Hamas-Terroranschlags durchmachen mussten, in der Hoffnung, dass sie dazu beitragen kann, antijüdische Rhetorik zu reduzieren.«

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Immer im Gedächtnis bleiben

»Auf dem Musikfestival waren Juden, Muslime und Christen, die sich amüsieren wollten, aber die Terroristen interessierten sich nicht für die Religion, sondern nur für das Töten und Entführen«, zeigt sich der beduinische israelische Polizist Remo Salman Alhuziyel erschüttert, der die Terroristen bekämpfte und Dutzenden von Menschen auf dem Supernova-Festival das Leben rettete.»Ihr erstes Opfer in der Gegend des Kibbutz Re’im war eine junge muslimische Beduinenfrau. Sie war mit einem Hidschab bekleidet. Sie erschossen sie, während ihr Mann mit einem kleinen Kind fliehen konnte«, berichtet er. 

Alhuziyel kam am 7. Oktober um 6:22 Uhr, acht Minuten vor dem Angriff, zu einer vermeintlich ruhigen Schicht auf dem Festival an. Eigentlich sollte er gar nicht im Dienst sein, erklärte sich aber bereit, für einen Kollegen einzuspringen. Während des Angriffs kämpften er und seine Kameraden erbittert gegen die Terroristen, obwohl sie zahlenmäßig und waffentechnisch unterlegen waren: »Normalerweise nehme ich nur zwei Patronenmagazine mit. Als ich an diesem Morgen meine Waffe in die Hand nahm, hatte ich ein seltsames Gefühl. Ein Gefühl, das ich noch nie zuvor hatte. Ich beschloss, ein drittes mitzunehmen. Ich wünschte, ich hätte mehr mitgenommen.« Zweiundvierzig Polizisten kämpften bei dem Musikfestival gegen 350 Terroristen – siebzehn Beamte überlebten das Massaker nicht. 

Als die Schlacht begann, kämpften Alhuziyel und ein weiteres Dutzend Polizisten gegen ganze Wagenladungen von Terroristen. Einmal hörte er einen Kameraden um Verstärkung bitten: »Es war eine schwierige Entscheidung. Ich musste entweder versuchen, ihnen zur Hilfe zu kommen und dabei zu sterben, oder mich stattdessen auf die Rettung der Zivilisten in meinem Gebiet konzentrieren. Plötzlich bemerkte ich aus der Ferne ein verlassenes Auto. Ein schwarzer Nissan. Er war offen. Es war, als ob Gott mir sagte, ich solle einsteigen. Die Zündung war an, der Tank war voll. Ich sagte den Überlebenden Bescheid.«

Den Rest des Tages verbrachte er damit, nach Osten zu einem Gewächshaus in Richtung Moshav Patish und wieder zurück zu fahren und Dutzende von Überlebenden zu retten. »Die Welt muss wissen, was an diesem Tag geschah, junge Menschen müssen es wissen. Durch die VR-Brille können sie es mit ihren eigenen Augen sehen. Jeder wird verstehen, dass die Hamas für Terrorismus steht und sie nicht den Islam oder den Koran repräsentiert«, erklärt der Überlebende. »Im Koran steht geschrieben: ›Du sollst nicht töten.‹ Sie haben das Gegenteil davon getan. Als Polizist sehe ich immer wieder Leichen, aber was ich an diesem Tag gesehen habe, wird mir immer im Gedächtnis bleiben.«

(Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)

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