Profitierte Erdogan vom Bruch der Iran-Sanktionen?

Erdogans Sohn Bilal und sein Schwiegersohn Berat Albayrak

„Der Angeklagte heißt Reza Zarrab. Der türkisch-iranische Geschäftsmann und Goldhändler soll nach Ermittlungen der US-Justiz während der Amtszeit des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad über die Türkei mehrere hundert Millionen Dollar Gold und Devisen nach Iran geschafft und damit die Sanktionen gegen das Land unterlaufen haben. Das Pikante an dem Vorwurf: Höchste türkische Regierungsmitglieder sollen nicht nur davon gewusst, sondern den Geldwäschedeal auch aktiv unterstützt haben. Zarrab soll dafür millionenschwere Schmiergelder gezahlt haben. Ahmadinedschads Regime lieferte Gas und Öl in die Türkei, Zarrab bezahlte mit Gold und Devisen. Die verbotenen Geschäfte wurden als Lebensmittellieferungen ausgewiesen, und die Zahlungen über Konten der staatlichen türkischen Halkbank abgewickelt. Das, so glauben die US-Ermittler nachweisen zu können, sei nur mit Hilfe von ganz oben möglich gewesen. Regierungschef war zum Zeitpunkt der Vorkommnisse der jetzige Staatspräsident, Recep Tayyip Erdogan. (…) Die regierungsnahe türkische Presse trommelt seit Wochen gegen die US-Justiz. Das Verfahren sei eine Farce, eine Verschwörung gegen Erdogan und die Türkei (…)

[S]eit einigen Wochen ist der Hauptangeklagte Zarrab nicht mehr im Gerichtssaal erschienen. Die Gefängnisverwaltung bestätigte, dass er aus der Untersuchungshaft entlassen wurde. Sein Aufenthaltsort wird geheim gehalten. Auch sein Anwalt äußerte sich nicht, obwohl die türkische Regierung wiederholt Auskunft über seinen Verbleib einforderte. Der Grund ist einfach, so schätzen Beobachter: Zarrab hat vermutlich mit der Staatsanwaltschaft in New York eine Vereinbarung über Zeugenschutz getroffen – er legt ein Geständnis mit allen Details der Geldwäsche und der beteiligten Personen und Institutionen ab und erhält im Gegenzug Strafminderung. Jetzt geht die Angst um in den Regierungsbüros in Ankara. Denn Zarrab, so mutmaßen Kenner der dunklen Geschäfte, soll enge Kontakte zu Erdogans Sohn, seinem Schwiegersohn, dem jetzigen Energieminister Albayrak, und zu Erdogan selbst unterhalten haben. Neben dem politischen Schaden könnte das Verfahren auch wirtschaftliche Schockwellen auslösen.“ (Luc Walpot: „US-Prozess gegen türkischen Goldhändler“)

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