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Präsident Macron: »Antisemitismus und Antizionismus sind die Feinde der Republik«

Frankreichs Präsident Macron und sein israelischer Amstkollege Herzog bei der Gedenkfeier
Frankreichs Präsident Macron und sein israelischer Amstkollege Herzog bei der Gedenkfeier (© Kobi Gideon / Government Press Office)

Anlässlich des zehnten Jahrestages gedachte Emmanuel Macron gemeinsam mit Israels Präsidenten Isaac Herzog der Terroranschläge von Toulouse und Montauban.

»Der Antisemitismus und der Antizionismus sind die Feinde unserer Republik«, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Sonntag bei einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung mit dem israelischen Präsidenten Isaac Herzog, die in der südwestfranzösischen Stadt Toulouse aus Anlass des zehnten Jahrestages der Morde von Toulouse und Montauban stattfand.

Zwischen dem 11. und 19. März 2012 hatte der radikalislamische Terrorist Mohamed Merah – der nach Aussage seines Bruders Abdelghani von seinen Eltern dazu erzogen wurde, Juden zu hassen – sieben Menschen ermordet: drei Soldaten, einen jüdischen Lehrer und drei jüdische Kinder.

An der Gedenkveranstaltung nahmen außer Isaac Herzog und seiner Ehefrau Michal Herzog auch Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten, Vertreter jüdischer Organisationen und die beiden früheren französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy und François Hollande teil.

Macron erinnerte in seiner Rede an jedes einzelne der Opfer. Über Imad Ibn Ziaten, Soldat mit dem Dienstgrad des Maréchal des logis-chef (stellvertretender Zugführer), sagte Macron:

»An jenem Sonntag [dem 11. März 2012] traf er am späten Nachmittag ein paar hundert Meter von hier in einfacher Zivilkleidung denjenigen, von dem er glaubte, er sei daran interessiert, sein Motorrad zu kaufen. In Wirklichkeit war es ein Terrorist, der ihn nur tot sehen wollte.

Imad bedeutet auf Arabisch Säule‹. Dieser Unteroffizier des 1. Regiments des Francazal-Fallschirmzuges unterstützte sein Land mit aller Kraft, bereit, sein Blut zu vergießen, sein Leben zu geben, um andere zu schützen und unsere Nation zu verteidigen.

Der Terrorist forderte ihn vergeblich auf, sich auf den Boden zu legen, Imad entschied sich dafür, im Stehen zu sterben. Genau in diesem Moment, auf dem Höhepunkt seines 30. Lebensjahres, erinnerte uns Imad Ibn Ziaten daran, dass Frankreich sich vor niemandem hinlegt, nicht einmal im Angesicht des Terrors, nicht einmal im Angesicht des Todes.«

Macron schilderte dann, wie der Mörder vier Tage später auf die Unteroffiziere Abel Chennouf, Loïc Liber und Mohamed Legouad vom 17. Fallschirmjägerregiment traf. Er tötete Legouad und Chennouf, Liber wurde schwer verletzt.

»Mohammed [Legouad] war 23 Jahre alt. Er liebte Fußball, Videospiele und das Abhängen mit Freunden. Er liebte Mut und Freiheit, er diente ihnen jeden Tag, weil er das Militärleben angenommen hatte.

Er war auch ein Gläubiger und lebte seinen Glauben voll und ganz, denn die Republik erlaubt jedem, zu glauben oder nicht zu glauben, seine Religion frei auszuüben. Indem er ihn ermordete, tötete der Terrorist genau das Modell dessen, was er hätte werden können.«

Dann sprach Macron über Abel Chennouf, damals 25 Jahre alt. Der gelernte Elektriker sei »aus Abenteuerlust und Liebe zu Frankreich« zu den Fallschirmjägern nach Montauban gekommen. Anderthalb Monate nach dem Tag, an dem ihn drei Kugeln in den Rücken trafen, so Macron, hätte Abdel Chennouf Vater werden sollen. Sein Sohn Eden sei jetzt zehn Jahre alt.

Danach kam Macron auf Loïc Liber zu sprechen. Er habe überlebt, werde aber nie wieder laufen können. An der Tür seines Zimmers hänge der Text der Marseillaise, so Macron.

»Vier Männer wurden ins Visier genommen, weil sie nicht einfach Männer waren, sondern weil hinter ihnen Frankreich Gestalt annahm, weil sie ihr Schicksal an das seine [d. h. Frankreichs] gebunden hatten, weil sie an seine Werte glaubten, seine Farben trugen, seine Ehre verkörperten.«

Anschließend sprach Macron über die drei jüdischen Kinder und den Lehrer und Rabbi, die am 19. März 2012 Merah zum Opfer fielen.

»Vor der jüdischen Ozar-Hatorah-Schule traf Jonathan Rabbi Sandler der Tod. ›Rabbi‹, ein Wort des Respekts gegenüber denen, die nichts so sehr lieben wie die Weitergabe ihrer Religion, ihres Wissens, ihrer Liebe. Dieser Sohn, dieser Ehemann, dieser Vater, Lehrer und Rabbi, wurde kaltblütig getötet, als er seine beiden bloßen Hände hob.

Diese beiden Hände, die, Tag für Tag, segneten, mit Kreide schrieben, erklärten, seine Schüler beruhigten.

Seine beiden Hände, die er immer allen entgegenstreckte, waren das letzte und vergebliche Bollwerk gegen die Hasslawine, die auf ihn und seine beiden kleinen Söhne niederging, auf Gabriel Sandler, drei Jahre alt, der noch seinen Schnuller in der Hand hatte, und Arié Sandler, fünf Jahre alt, die sorglos und fröhlich auf den Bus zum Kindergarten gewartet hatten.«

Dann, so Macron, tötete Merah

»die kleine Myriam Monsonego, ein achtjähriges Kind mit lachenden Augen, ein achtjähriges Kind voller Freude und Zärtlichkeit, das still darauf wartete, zur Grundschule gebracht zu werden, ein paar Blocks entfernt.

Und zehn Jahre später stehen wir alle drei [die Präsidenten Sarkozy, Hollande und Macron] Seite an Seite mit Ihnen, Herr Präsident Herzog, vereint in der Prüfung und vereint in der Erinnerung.

Wir sind für Imad, für Abel, für Mohamed da, wir sind für Gabriel, Arié, Jonathan, Myriam da, um ihr Andenken zu bewahren. Wir sind für Sie da, die verletzt, in Trauer gestürzt, traumatisiert wurden, um Sie zu unterstützen und bei Ihnen zu sein.«

Macron bedankte sich bei dem israelischen Präsidenten – den er auch »lieber Isaac« nannte – dafür, seiner Einladung gefolgt zu sein.

»Wir sind zusammen hier, um denen, die von der Barbarei heimgesucht wurden, zu sagen, dass wir Sie unterstützen.

Aber wir sind auch hier, um gemeinsam daran zu erinnern, dass Frankreich und Israel, Israel und Frankreich gemeinsam entschlossen sind, den Terrorismus in all seinen Formen und an allen Fronten zu besiegen, und dass wir gemeinsam entschlossen sind, den Antisemitismus zu vernichten, einschließlich desjenigen, der sich unter der Maske des Antizionismus verbirgt.«

Aus diesem Grund habe das französische Parlament Ende 2019 die Antisemitismus-Definition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) angenommen. Aus demselben Grund habe seine Regierung am 9. März zwei militante Anti-Israel-Organisationen verboten, »zwei antisemitische Kollektive, darunter das Toulouser Collectif Palestine Vaincra«.

Frankreich, versprach Macron, stelle den Kampf gegen Antisemitismus in den Mittelpunkt seiner EU-Ratspräsidentschaft, »den Kampf gegen Antisemitismus in all seinen heimtückischsten, bösartigsten und hemmungslosesten Formen«.

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