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Pop-Kultur: BDS-Sympathisanten canceln sich selbst

Wie schon in den Jahren 2017 bis 2019 rufen Aktivisten der antisemitischen BDS-Bewegung dazu auf, das Festival Pop-Kultur in Berlin zu boykottieren, weil die israelische Botschaft eine Band aus Israel finanziell unterstützt. Vier Acts haben bislang abgesagt, ihre Begründung ist im üblichen BDS-Jargon gehalten. Der Vorteil an diesem Rückzug: Beim Festival treten nun keine Israelhasser auf.

Beim derzeit stattfindenden dreitägigen Musikfestival Pop-Kultur in Berlin ist gerade etwas geschehen, das im Grunde genommen auch der Kunstschau documenta zu wünschen gewesen wäre: Die Israelhasser haben sich zurückgezogen und sich damit gewissermaßen selbst gecancelt.

Nachdem die israelische Botschaft in Deutschland für den Auftritt der dreiköpfigen israelischen Rave-Band BĘÃTFÓØT und der queeren Tanzgruppe Kunty Klub auf dem Festival einen Projektzuschuss in Höhe von fünftausend Euro gewährt hatte und deshalb von der Pop-Kultur als Unterstützerin aufgeführt wurde, sagten bislang vier Acts ab: die Pariser Musikerin Lafawndah, der Londoner Künstler Trustfall (dessen Produzentin Lafawndah ist), die britische Rapperin Alewya sowie der Sänger und Produzent Franky Gogo.

Lafawndah und Trustfall haben ihren Rückzug auf ihren Instagram-Seiten bekannt gegeben, dort führen sie die üblichen Anwürfe auf, die man aus der BDS-Szene kennt: Israel sei ein »Apartheidstaat«, der Kinder töte und systematisch die Palästinenser unterdrücke. Die Pop-Kultur betreibe durch ihre Partnerschaft mit Israel eine »Reinwaschung dieser Verbrechen« und unterstütze »Rassismus, koloniale Brutalität und Mord«.

Das Festival sei genauso zu verurteilen wie jeder andere, der sich auf Geschäfte mit dem »israelischen Regime« einlasse. Namentlich angegriffen wird der linke Berliner Kultursenator Klaus Lederer, der nicht nur die Pop-Kultur mit einem »Aparteidstaat« ideologisch verbinde, sondern sich auch für »die fortgesetzte Unterdrückung der palästinensischen Bevölkerung« engagiere.

Boykotteurin beruft sich auf »Initiative GG 5.3 Weltoffenheit«

Derlei ideologisch motivierte Invektiven zur Dämonisierung und Delegitimierung des jüdischen Staates haben im israelbezogenen Antisemitismus ein festes Zuhause, und dieser ist wiederum auch in der Kulturszene weit verbreitet. Explizit beruft sich Lafawndah auf die deutsche »Initiative GG 5.3 Weltoffenheit«, als sie in ihrer Erklärung von einer »Atmosphäre der Gesinnungsprüfung, der Zensur und der Repression in Deutschland« schreibt und die Bundestagsresolution vom Mai 2019 gegen die BDS-Bewegung ablehnt.

Einmal mehr wird klar, wie sehr dieser Zusammenschluss großer, staatlich alimentierter deutscher Kulturinstitutionen zum Stichwortgeber für die antisemitische BDS-Bewegung und deren Sympathisanten geworden ist. Dabei behauptet die Sängerin fälschlich, der Bundestagsbeschluss richte sich gegen »Aufrufe der palästinensischen Gesellschaft, Israel nach internationalem Recht zur Rechenschaft zu ziehen«. In Wahrheit wird in der Resolution eine Bewegung als antisemitisch verurteilt, deren Ziel das Ende des jüdischen Staates ist.

Die aggressive Boykottkampagne gegen die Pop-Kultur unterhält eine eigene Website und hat sogar Plakate produziert, die im selben Design gehalten sind wie die Werbung für das Festival. Die Pop-Kultur war bereits in den Jahren 2017, 2018 und 2019 im Visier der BDS-Bewegung, nachdem die israelische Botschaft in Berlin jeweils kleine Geldbeiträge zur Unterstützung von Künstlergruppen gegeben hatte.

Es kam auch in jenen Jahren zu Absagen, 2018 störten BDS-Aktivisten zudem massiv eine Podiumsveranstaltung im Rahmen des Festivals mit der israelischen Schriftstellerin Lizzie Doron und Kultursenator Lederer durch hasserfüllte Beleidigungen und antisemitische Parolen.

Antisemitischer Unfug

Es ist nicht schwierig, Statements wie die von Lafawndah und Trustfall als den groben Unfug zu identifizieren, den sie darstellen. Israel will durch den Zuschuss für eine israelische Band von »Apartheid« und »Kindermord« ablenken? Das Festival will bei diesem Manöver behilflich sein, um den jüdischen Staat von dessen Verbrechen reinzuwaschen? Und der linke Kultursenator engagiert sich für die Unterdrückung der Palästinenser und will die Pop-Kultur in Einklang mit den Bedürfnissen eines »Apartheidstaates« bringen?

Das antisemitische Weltbild bringt manch hanebüchene ideologische Verrenkung hervor, diese ist eine davon, über die man ob ihrer Absurdität lachen könnte, wäre sie nicht so ernst.

Lafawndah und Trustfall zeigten mit ihren Stellungnahmen, »wie tief der Hass auf Israel sitzt: Nicht nur den jüdischen Staat wollen sie boykottieren, sondern jede Veranstaltung, die auch nur einen Schekel aus Jerusalem bekommt«, schreibt Nicholas Potter auf Belltower News in einem lesenswerten Kommentar. Es gehe ihnen »nicht um eine leider bitter nötige Kritik verschiedener israelischer Regierungen, sondern um die Delegitimierung des israelischen Staates als rassistisches Unterfangen«. Und das sei antisemitisch.

In Wirklichkeit wird das Festival nicht von Israel finanziert, sondern durch die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa, aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung sowie aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert. Die Verantwortlichen der Pop-Kultur erklären auf der Website des Festivals zudem: »Einzelne Künstler*innen können vom nationalen Kulturinstitut oder der Botschaft ihres Landes Unterstützung bei der Reise oder auch für die Umsetzung ihrer Projekte erhalten – eine gängige Praxis im internationalen Kulturaustausch.« Partner und Geldgeber hätten »keinerlei Einfluss auf die programmatische Ausgestaltung« der Pop-Kultur, heißt es dort weiter.

Berliner Kultursenator mit klarem Statement gegen BDS

BDS-Aktivisten und andere Israelhasser interessiert das natürlich nicht, ihnen geht es nur darum, »die Kulturszene zu spalten und das Thema des Israelboykotts hoch auf die Agenda zu platzieren«, wie Nicholas Potter zu Recht urteilt. Tatsächlich werden die Absagen auf dem Festival ein Gesprächsthema sein, andererseits bleiben dem Publikum der Pop-Kultur in Berlin, anders als bei der documenta in Kassel, BDS-Sympathisanten und -Aktivisten unter den Künstlern erspart. Wer nicht gemeinsam mit Israelis auftreten will, die von der Kulturabteilung der diplomatischen Vertretung ihres Landes finanzielle Hilfe bekommen, stellt auch keinen Verlust dar.

Kultursenator Klaus Lederer hat unterdessen deutlich Position bezogen. »Leider gibt es auch in diesem Jahr wieder BDS-Boykottaufrufe gegen das @popkulturberlin. Diese Aufrufe, begleitet von massivem Druck gegenüber Künstlerinnen und Künstlern, sind widerlich«, schreibt er auf Twitter. Umso mehr freue es ihn, dass die israelische Botschaft »auch in diesem Jahr Künstlerinnen und Künstler aus Israel unterstützt und ihnen die Chance gibt, bei dem Festival dabei zu sein«.

Unter dem Deckmantel der Kritik an der Politik des Staates Israel würden durch BDS »massiv antisemitische Denk- und Deutungsmuster bedient«, so Lederer weiter. »BDS operiert mit Boykottaufrufen und starker Beeinflussung von Künstlerinnen und Künstlern, verbreitet Unwahrheiten und schlicht Hass. Wer dies tut, muss sich Antisemit nennen lassen – und mit unserem entschlossenen Widerstand rechnen.«

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