Im Mena-Talk mit Jasmin Arémi sprechen die geopolitische Analystin Paushali Lass und die israelische Forscherin Lauren Dagan Amoss über die wachsende strategische Partnerschaft von Indien und Israel.
Spätestens seit dem Besuch von Narendra Modi, Anfang 2026 in der Knesset, hat sich zwischen Jerusalem und Neu-Delhi eine Zusammenarbeit entwickelt, die über das übliche Maß von Beziehungen zweier Länder hinausgeht. Der Begriff der »Special Strategic Partnership« bringt dabei auf den Punkt, worum es geht. Beide Staaten profitieren vom Zugang zu Technologie, dem Austausch von Geheimdienstinformationen und der Zusammenarbeit bei der Suche nach Antworten auf Bedrohungen, die grenzüberschreitend auftreten.
Indien sieht sich, ähnlich wie Israel, mit hochkomplexen sicherheitspolitischen Herausforderungen konfrontiert. Es ist ein Staat, der permanent auf neue Bedrohungsszenarien reagieren muss und daraus Lösungen entwickelt. Kein Wunder, dass Israel für Indien hochattraktiv ist.
Vorteilhafte Partnerschaft
Ob Drohnentechnologie, Cyberabwehr oder Überwachungssysteme, was andernorts noch als Zukunft gilt, gehört in Israel zur operativen Realität. Indien greift darauf nicht nur als Abnehmer, sondern als strategischer Mitgestalter zurück. Das lässt sich besonders im militärischen Bereich beobachten. Die indische »Operation Sindoor«, bei der während des kurzen israelisch-iranischen Krieges im Juni 2025 tausende Inder aus den beiden Kriegsländern evakuiert wurden, markiert dabei einen Wechsel von einer primär reaktiven Sicherheitspolitik zu einer auf Prävention ausgerichteten und technologisch gestützten Doktrin. Israelische Systeme und Expertise sind integraler Bestandteil dieser Entwicklung.
Lauren Dagan Amoss ordnet ein:
»Für Israel ergeben sich aus der Partnerschaft mehrere strategische Vorteile, wie Fortschritte in Asien, eine breitere Aufstellung jenseits traditioneller Bündnisse und Zugang zu neuen Technologien, Talenten und diplomatischen Netzwerken. Es geht nicht darum, die USA zu ersetzen, sondern um zusätzliche strategische Resilienz in einer sich wandelnden Weltordnung, in der auch Akteure wie China eine entscheidende Rolle spielen.«
Israel sieht sich an seinen Grenzen permanentem Druck ausgesetzt, etwa durch iranische Stellvertreter und terroristische Organisationen. Aber auch Indien ist im Verhältnis zu China und Pakistan mit mehreren geopolitischen Spannungen konfrontiert.
Daher ist eine pragmatische Kooperation für zukunftsgerichtete und sicherheitspolitische Architektur für beide Staaten sinnvoll – insbesondere, um auf komplexe und vernetzte Risiken reagieren zu können. Vor diesem Hintergrund positioniert sich Indien außenpolitisch zunehmend klarer. Paushali Lass bringt es auf den Punkt: »Die enge Zusammenarbeit mit Israel trägt zur sicherheitspolitischen Positionierung Indiens bei. Dazu gehört eine Null-Toleranz-Politik gegen Terrorismus.« Die Partnerschaft der beiden Länder beschränkt sich nicht mehr nur auf den militärischen Sektor, auch in Wirtschaft, Forschung und Innovation entstehen Kooperationen. Der Austausch wächst, und die Schnittmengen werden umfangreicher.






