Angesichts der permanenten Aufstachelung zu Antisemitismus und Israelhass charakterisierte Mena Watch die Reaktionen palästinensischer Offizieller auf den Terroranschlag von Tel Aviv letzte Woche als Heuchelei. Florian Markl begründete diese Einschätzung unter anderem damit, dass „die PA [sich heute] noch eine Verurteilung von Angriffen auf Zivilisten abgerungen haben [mag], doch wenn die Attentäter von Tel Aviv erst einmal in israelischen Gefängnissen sitzen, werden sie für das von ihnen angerichtete Blutbad von der palästinensischen Führung ein ansehnliches monatliches Gehalt bekommen.“
Tatsächlich ist das Anrecht auf solch eine finanzielle Unterstützung für in israelischen Gefängnissen einsitzende Attentäter und deren Familien in Artikel 22.2 der Verfassung der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) festgeschrieben. Dafür Sorge zu tragen, dass die Zuwendungen ihre Empfänger auch erreichen, ist unter anderem die Aufgabe der „Gesellschaft für Gefangene“, die auch Lobbyarbeit für die Freilassung verurteilter Terroristen wie Marwan Barghouti betreibt.
Deren Vorsitzender Qadura Fares – ein ranghohes Parteimitglied von Mahmud Abbas‘ Fatah und vormaliger Minister der PA-Regierung – bezeichnet denn auch jene Attentäter, die im Zuge ihrer Anschläge Israelis töten, als „Helden“. Als ihm in einem Interview kürzlich die Frage gestellt wurde, ob er bei seiner Charakterisierung zwischen jenen Tätern unterscheide, die Zivilisten angegriffen und jenen, die israelische Soldaten ins Visier genommen haben, verneinte Fares dies. Für die Palästinenser, so führte er aus, mache es keinen Unterschied, wen die Anschläge träfen:
„Denken Sie, dass es in der palästinensischen Gesellschaft eine Diskussion darüber gibt, wer Zivilisten und wer Soldaten tötet? Wir teilen die Solidarität mit allen Gefangenen. (…) Für mich sind all diejenigen, die Widerstand gegen die Besatzung leisten und für ihr Volk Frieden, Unabhängigkeit und Freiheit erreichen wollen – all diejenigen sind Helden.“

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Dass Fares mit seiner Einschätzung kein Einzelfall, sondern durchaus repräsentativ für die palästinensische Gesellschaft ist, wird aus einer unlängst veröffentlichten Studie des „Palestinian Center for Policy and Survey Research“ (PSR) ersichtlich. Laut der am 7. Juni – also einen Tag vor dem Anschlag von Tel Aviv – veröffentlichten Presseaussendung des Meinungsforschungsinstituts unterstützen 65% der Palästinenser Angriffe auf israelische Zivilisten wie den im April 2016 verübten Selbstmordanschlag auf einen Bus in Jerusalem.