Die jüngsten Vermittlungsbemühungen erlauben es Pakistan, zwischen Saudi-Arabien, dem Iran und den USA eine Balance zu suchen und seine Rolle in der Region zu stärken.
Pakistans Bedeutung als Vermittler zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten erfuhr in letzter Zeit eine deutliche Steigerung. So spielte Islamabad bei der Aushandlung der sehr im Ungefähren bleibenden Absichtserklärung zwischen Washington und Teheran eine deutlich bedeutsamere Rolle als der zweifelhafte US-Verbündete Katar oder Ägypten, die in der Vergangenheit oft die Funktion des zentralen Vermittlers innehatten.
Pakistan befindet ist selbst seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1948 in einem Konflikt mit seinem Nachbarn Indien verstrickt, der übrigens – anders als der gleichzeitig stattfindende israelische Unabhängigkeitskrieg – mit einer wechselseitigen Integration der Flüchtlinge endete. Im Kalten Krieg erhielt Indien Beihilfe von der Sowjetunion, Pakistan wiederum wurde von den USA und China unterstützt.
Seit dem 17. September 2025 besteht nun ein Strategic Mutual Defence Agreement (SMDA) zwischen Saudi-Arabien und Pakistan. Damit setzten die Saudis ein Zeichen gegenüber den USA, indem sie offen signalisierten, sicherheitspolitisch nicht ausschließlich von Washington abhängig sein zu wollen. Das Abkommen sieht vor, dass ein Angriff auf einen der beiden Staaten als Angriff auf beide gewertet wird, und soll die gemeinsame Verteidigung und Sicherheitskooperation stärken.
Sunnitischer Block?
Der saudische Journalist Ayman al-Ghubaiwi erklärte damals gegenüber der katarischen Zeitung Al-Araby Al-Jadeed, Riad habe sich zwar oft auf seine Allianzen mit den Vereinigten Staaten verlassen, doch die angestrebte intensivere Zusammenarbeit mit Pakistan zeige das Bestreben, seine Sicherheitspartner zu diversifizieren. »Obwohl das Abkommen keine Atomwaffen erwähnt, vermittelt allein die Tatsache, dass Saudi-Arabien Beziehungen zu Pakistan, der einzigen islamischen Atommacht, unterhält, implizit den Eindruck, dass das Land indirekt einen nuklearen Abschreckungsschirm erhalten könnte.«
Aktuell scheint Saudi-Arabien vor allem von dem Interesse getrieben, nicht in den Konflikt mit dem Iran hineingezogen zu werden. Obwohl es anders als die Golfstaaten Katar oder die Vereinigten Arabischen Emirate keine US-Militärstützpunkte auf seinem Territorium unterhält, wurde es aber dennoch vom Iran angegriffen. Damals stellte sich Pakistan an die Seite Riads und erinnerte die Islamische Republik offiziell an sein Verteidigungsabkommen mit dem Golfkönigreich.
Pakistans Regierung ist selbst nicht auf Eskalation aus, sondern wünscht sich Ruhe an ihrer Westgrenze zum Iran, nachdem sie im östlich gelegenen Afghanistan schon mit den Taliban in militärische Auseinandersetzungen verwickelt ist. Dass dort besonders die schiitische Gruppe der Hazara bedroht ist, sorgt für zusätzliche Unruhe. So leben bereits seit den Morden und Vertreibungen im späten 19. Jahrhundert große Hazara-Gemeinschaften in Pakistan und im Iran. Verstärkt wurde dies nach der Machtübernahme der Taliban im Jahr 2021, als erneut zahlreiche Hazara ins iranische oder pakistanische Exil gingen.
Die Vermittlungsbemühungen erlauben es Pakistan, zwischen Saudi-Arabien, dem Iran und den USA eine Balance zu suchen. Nach dem Waffenstillstand zwischen Washington und Teheran am 8. April 2026 wurde eine Luftabwehreinheit von Pakistan in das Golfkönigreich verlegt. Dies sollte eine Warnung der Atommacht Pakistan an den Iran darstellen, Saudi-Arabien nicht weiter zu bedrohen.
Während auch die anderen Golfstaaten angesichts der sprunghaften Politik des amerikanischen Präsidenten versuchen, ihre Abhängigkeit von den USA insbesondere zu reduzieren, sind diese Entwicklungen aus israelischer Sicht problematisch. Ein möglicher sunnitischer Block aus Pakistan, Saudi-Arabien samt Ägypten und der Türkei könnte nach dem Gazakrieg die Annäherung zwischen Saudi-Arabien und dem jüdischen Staat weiter behindern.






