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Pakistan zwischen Vermittlung und Machtpolitik

Plakat in Pakistans Hauptstadt Islamabad kündigt die (gescheiterten) Verhandlungen zwischen Iran und USA an
Plakat in Pakistans Hauptstadt Islamabad kündigt die (gescheiterten) Verhandlungen zwischen Iran und USA an (© Imago Images / Xinhua)

Durch sein Auftreten als Vermittler in den Waffenstillstandsgesprächen zwischen den USA und Iran hat Pakistan etwas erreicht, wonach es lange strebte: Relevanz auf der globalen Bühne. Doch das Scheitern dieser Gespräche offenbart eine andere Realität. Pakistan agiert nicht als stabilisierende Kraft, sondern als strategisch opportunistischer Akteur, dessen Einfluss derzeit seine diplomatische Glaubwürdigkeit übersteigt.

Paushali Lass

Zunächst muss eine zentrale Tatsache anerkannt werden: Pakistan erkennt Israel nicht an. Das ist kein Randaspekt, sondern grundlegend für die Bewertung seiner diplomatischen Rolle in der Sicherheit des Nahen Ostens. Das Land unterhält keine formellen Beziehungen zu Israel, und seine Führung nutzt wiederholt feindselige Rhetorik. Verteidigungsminister Khawaja Asif bezeichnete Israel kürzlich als »Fluch für die Menschheit« und als »krebsartigen Staat». Vor diesem Hintergrund verdient Pakistans Aufwertung zum Vermittler in einem Konflikt mit Auswirkungen auf Israels Sicherheit besondere Prüfung.

Warum Pakistan? Warum jetzt?

Pakistans Beziehungen zu den USA, Iran, China, Saudi-Arabien und der Türkei vermitteln den Eindruck eines einzigartig vernetzten Staates. Doch Vermittlung erfordert Vertrauen und Neutralität – und beides steht hier infrage.

Pakistan hat sich in Washington aktiv neu positioniert, besonders unter der zweiten Regierung von Donald Trump. Historisch fungierte es als Vermittler, etwa bei Henry Kissingers geheimer Reise nach Peking während der Annäherung zwischen den USA und China. Heute sehen die USA Pakistan jedoch zunehmend weniger als verlässlichen Partner, denn vielmehr als strategisches Instrument. Seine Beziehungen zu China und Verteidigungsverbindungen zu Russland erhöhen seinen Wert als Zugangskanal für Informationen.

Washingtons Prioritäten – Sicherung maritimer Routen, Schutz regionaler Interessen und Eindämmung des Iran – machen Pakistan für indirekten Einfluss nützlich. Seit dem Abzug aus Afghanistan und angesichts eines möglichen Machtvakuums durch China und Russland ist die Zusammenarbeit mit Pakistan eher kalkuliert als vertrauensbasiert.

Auch Pakistans geografische und religiöse Nähe zum Iran steigert seine Attraktivität. Die Grenze zur Islamischen Republik und eine bedeutende schiitische Bevölkerung eröffnen Einflusskanäle, die vielen westlichen oder Golfstaaten fehlen. Doch der Versuch, rivalisierende Mächte auszubalancieren und sich als unverzichtbarer Vermittler darzustellen, wird zunehmend fragil.

Pakistans Außenpolitik ist seit Jahren stärker von Zweckmäßigkeit als von konsistenter Prinzipientreue bestimmt. Es kooperierte mit den USA, während es gleichzeitig Beziehungen zu Gruppen und Staaten pflegte, die amerikanischen Interessen entgegenstehen, und suchte westliche Finanzhilfe trotz enger Bindung an China. Diese Inkonsistenz wird im Nahen Osten zunehmend erkannt. Die Vereinigten Arabischen Emirate zeigen sich frustriert über Pakistans Unberechenbarkeit und fordern jetzt etwa die Rückzahlung eines Schuldenpakets von 3,5 Milliarden Dollar bis April 2026. Dies stellt eine zusätzliche Belastung für Pakistans fragile Reserven dar. Diese finanziellen Zwänge verstärken den Anreiz, internationale Sichtbarkeit zu suchen – selbst in Konflikten, in denen die Neutralität des Landes angezweifelt wird.

Militärische und nukleare Dimension

Pakistans Verteidigungshaushalt für das Geschäftsjahr 2026 wird auf rund neun Milliarden Dollar geschätzt und zeigt die anhaltende Priorisierung militärischer Ausgaben trotz wirtschaftlicher Probleme. Stark von China unterstützt, entwickelt sich der Sektor schrittweise in Richtung begrenzter Eigenständigkeit, wobei Plattformen wie das JF-17-Kampfflugzeug an Exportbedeutung gewinnen.

Diese konventionelle Stärke wird durch ein Atomarsenal von etwa 170 Sprengköpfen ergänzt. Pakistans Doktrin der »vollspektralen Abschreckung« (im Englischen als Full Spectrum Deterrence bezeichnet), einschließlich taktischer Atomwaffen und unklarer Erstschlagsstrategie, senkt die Schwelle zur Eskalation und erhöht die regionale Instabilität. Seine nukleare Vergangenheit erschwert die Lage zusätzlich. Das von Abdul Qadeer Khan geführte Netzwerk lieferte Nukleartechnologie an den Iran, Libyen und Nordkorea und stellt einen der gravierendsten Verstöße gegen globale Nichtverbreitungsnormen dar. Obwohl Pakistan jede staatliche Beteiligung bestreitet, bleibt offen, wie solche Transfers über Jahre hinweg ohne Wissen staatlicher Stellen erfolgen konnten.

Pakistans Verteidigungspolitik wird stark von der Rivalität mit Indien geprägt. Diese Konfrontation fördert die Abhängigkeit von nuklearer Abschreckung, Stellvertreterkonflikten und externen Allianzen. Die immer wieder erhobenen Vorwürfe von staatlich unterstütztem Terrorismus gegen Indien sind zentral für ein kritisches Verständnis des strategischen Verhaltens von Islamabad. Indien hingegen stellt ein bedeutendes Gegengewicht dar. Mit einem Verteidigungshaushalt von rund 94 Milliarden Dollar baut es seine militärische und nachrichtendienstliche Zusammenarbeit mit Israel weiter aus – auf Grundlage gemeinsamer Bedrohungen wie grenzüberschreitendem Terrorismus und islamistischem Extremismus.

Zudem hat die wachsende Annäherung zwischen Pakistan und der Türkei erhebliche Auswirkungen auf Israels Sicherheit. Die expansiven Ambitionen der Türkei, kombiniert mit Pakistans Erfahrung in Stellvertreterkriegen, schaffen eine potenziell verhängnisvolle Partnerschaft. Beide präsentieren sich als Verteidiger der palästinensischen Sache und verstärken ihre ideologische Opposition gegenüber Israel, begleitet von scharfer Rhetorik wie der »Auslöschung« des jüdischen Staates.

Nach dem Scheitern der Gespräche zwischen den USA und dem Iran in Islamabad haben Berichte über die Verlegung pakistanischer Kampfjets nach Riad im Rahmen eines pakistanisch-saudischen Militärabkommens eine weitere Komplexitätsebene hinzugefügt. Dem Abkommen zufolge gilt ein Angriff auf Saudi-Arabien als Angriff auf den atomar bewaffneten Staat Pakistan, was die Risiken regionaler Konflikte deutlich erhöht.

Moment, der Fragen aufwirft

Angesichts der Schwäche des islamischen Regimes in Teheran nutzt Pakistan seine Position, um die muslimische Welt gegen Israel und Indien zu mobilisieren. Mit seiner vielfältigen sunnitisch-schiitischen Bevölkerung könnte Pakistan sogar noch stärker als Iran als verbindende Kraft wirken. Pakistans Eigeninteresse liegt weniger in der Stabilisierung der Region. Vielmehr liegt es in der Gestaltung einer neuen ideologischen Ordnung im Nahen Osten und darüber hinaus. Gleichzeitig signalisiert Pakistan durch die Nähe zu den USA seine Bedeutung für den Westen. Diese doppelte Ausrichtung könnte sich langfristig aber als riskantes Spiel erweisen.

Interessanterweise zeigen sich Risse in der Einheit der Golfstaaten. Staaten, die den Vereinigten Arabischen Emiraten nahestehen, widersetzen sich Berichten zufolge den schärferen anti-israelischen Positionen Pakistans. Parallel dazu haben die Emirate ihre Beziehungen zu Indien vertieft – ein Hinweis auf verschobene regionale Allianzen.

Angesichts all dessen bleibt nach dem Scheitern der Waffenstillstandsgespräche fraglich, warum Pakistan überhaupt als Vermittler positioniert wurde – und was das für seine künftige Rolle bedeutet. Für die USA bleibt Pakistan ein Instrument, um Einfluss in einer volatilen und strategisch wichtigen Region zu sichern. Für Israel hingegen sind die Risiken unmittelbarer.

In den kommenden Monaten wachsender Unsicherheit wird die Zusammenarbeit Israels mit maßgeblichen östlichen Partnern wie Indien und zunehmend auch den Vereinigten Arabischen Emiraten in Verteidigungs- und Nachrichtendienstfragen entscheidend sein, um neuen Bedrohungen, insbesondere durch eine enger werdende Türkei-Pakistan-Achse, zu begegnen. Welche Garantie gibt es, dass Pakistans Weitergabe nuklearer Technologie nicht wie einst an Iran und Nordkorea auch die Türkei erreicht? Keine – und genau diese Unsicherheit macht Pakistan nicht zum Vermittler von Stabilität, sondern zu einem Faktor wachsender strategischer Unruhe.

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