Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Post Type Selectors

ORF: »Palästinenser erschossen«

Ort des Anschlags in Jerusalem, über den ORF.at auf die ihm eigene Art berichtet. (© imago images/Xinhua)
Ort des Anschlags in Jerusalem, über den ORF.at auf die ihm eigene Art berichtet. (© imago images/Xinhua)

Der ORF übt sich anlässlich palästinensischer Terrorattacken wieder einmal in der Kunst der irreführenden Kurzmeldung.

Eigentlich kann es nicht sonderlich schwierig sein, eine Kurzmeldung über einen Terrorangriff zu verfassen: Man muss nur knapp den Ablauf der Attacke und die Bilanz des Vorfalls schildern. Ereignet er sich in einer Zeit, in der solche gehäuft stattfinden, kann man in den folgenden Absätzen auf diesen Hintergrund eingehen. Entscheidend dabei ist, die Informationen nicht durcheinander zu bringen, wer wen wann und wo (und vielleicht auch warum) angegriffen hat.

Man könnte meinen, jeder auch nur halbwegs kompetente Journalist sollte in der Lage sein, solche Meldungen zu verfassen. Doch wenn es um palästinensischen Terror gegen Israel geht, stellt die Redaktion von ORF.at mit beeindruckender Regelmäßigkeit unter Beweis, dass dem nicht so ist.

»Erneut Palästinenser nach Messerangriff in Jerusalem erschossen«, lautet etwa die Überschrift einer Kurzmeldung von heute, in der auf ORF-übliche Manier Aktion und Reaktion, Ursache und Wirkung sowie Täter und Opfer vertauscht werden. Nichts hätte dagegengesprochen, den Artikel mit der Titelzeile »Erneut palästinensischer Terroranschlag in Jerusalem« zu versehen und im Bericht sodann zu erwähnen, dass der Angreifer von der Polizei erschossen wurde.

Aber auf beinahe krampfhafte Art und Weise ist ORF.at darum bemüht, nicht den palästinensischen Terrorangriff ins Scheinwerferlicht zu stellen, sondern die Reaktion der israelischen Sicherheitskräfte. Denn so geht die Meldung weiter: »Es war der zweite Vorfall dieser Art innerhalb von zwei Tagen. (…) Am Sonntag war bereits ein 19-jähriger Palästinenser nach einem Messerangriff auf einen israelischen Polizisten in der Jerusalemer Altstadt erschossen worden.« Der Vorfall, um den es geht, ist wohlgemerkt auch hier nicht der palästinensische Terrorangriff, sondern die Reaktion der israelischen Polizei.

Und weil aller guter Dinge bekanntlich drei sind, schließt der Artikel noch mit dem Satz: »Seit Anfang Februar sind zudem im Westjordanland insgesamt zehn Palästinenser von israelischen Sicherheitskräften erschossen worden – oft nach vorherigen Angriffen.«  Über diese Angriffe hat ORF.at selbstverständlich nicht berichtet. Tatsächlich verzeichneten die israelischen Sicherheitsbehörden im Februar einen starken Anstieg palästinensischer Terrorattacken: 171 waren es allein im Westjordanland, darunter 136 mit Brand- und 29 mit Rohrbomben. Für ORF.at ist das allerdings irrelevant; für ihn zählt nur, dass Israelis Palästinenser erschossen hätten.

Um das Bild gewissermaßen abzurunden, ließ ORF.at eine Information beiseite, die zur Einordnung des Anschlags in Jerusalem wichtig wäre: Der Attentäter war ein Mitglied der islamistischen Terrororganisation Hamas, die sich auch zu dem Anschlag bekannt und die Gewalttat bejubelt hat.

Wie absurd diese Art der Berichterstattung ist, wird deutlich, wenn man an andere Terroranschläge und Gewalttaten denkt. Denn niemals hätte ORF.at für einen Artikel über die Anschläge vom 11. September 2001 die Überschrift gewählt: »USA: 19 Araber nach Flugzeugentführungen getötet.« Genauso selbstverständlich hätte die Überschrift für eine Meldung über ein Massaker im Oktober 2017 nicht gelautet: »Las Vegas: Mann nach Schüssen im Hotelzimmer getötet.« Nur wenn es um Israel geht, stehen derartige Absurditäten bei ORF.at auf der Tagesordnung.

Bleiben Sie informiert!
Mit unserem wöchentlichen Newsletter erhalten Sie alle aktuellen Analysen und Kommentare unserer Experten und Autoren sowie ein Editorial des Herausgebers.

Zeigen Sie bitte Ihre Wertschätzung. Spenden Sie jetzt mit Bank oder Kreditkarte oder direkt über Ihren PayPal Account. 

Mehr zu den Themen

Das könnte Sie auch interessieren