Unlängst entschied sich die jemenitische Jüdin Badra Yousef angesichts ihres schlechten Gesundheitszustands und des Todes ihres Mannes, nach Israel auszuwandern.
Eine der letzten Jüdinnen im Jemen ist nach dem Tod ihres Mannes vor etwas mehr als einem Jahr nach Israel ausgewandert, berichteten israelische Medien am Mittwoch. Badra Yousef lebte jahrelang mit ihrem Partner Yahya im Bezirk Arhab nördlich der Hauptstadt Sanaa.
»Badra und ihr Mann waren jemenitische Juden, die ihre Heimat liebten und dort sowohl gute als auch bittere Zeiten durchlebten«, schrieb der unabhängige jemenitische Journalist Ali Ibrahim Al Moshki laut dem israelischen öffentlich-rechtlichen Sender Kan News auf seiner Facebook-Seite. Im Juni erklärte Al Moshki, dass der Tod ihres Mannes und ihre zahlreichen Krankheiten sowie die Ermutigung durch Yousefs Familie, die außerhalb des Jemens lebt, sie zu der Entscheidung bewogen hätten, das Land zu verlassen.
Laut einer anonymen Quelle im Jemen sei Yousef mit einer lokalen Person nach Äthiopien, wo sie Verwandte von ihr getroffen haben, und gemeinsam mit diesen weiter in den jüdischen Staat gereist. Das Paar hatte laut Ynet keine Kinder.
Nach Yahyas Tod veröffentlichte eine Facebook-Gruppe jemenitischer Juden Videos von seiner Beerdigung. In einem Beitrag hieß es, dass es im Jemen nicht genügend Juden gebe, um eine Beerdigung nach jüdischer Tradition mit Kaddisch-Rezitation durchzuführen. Yahyas muslimische Nachbarn hätten sich daher bereit erklärt, ihn als Zeichen des respektvollen Abschieds zu begraben. »Dieser bewegende Moment unterstreicht die Kraft der Menschlichkeit und des Mitgefühls, die noch an wenigen Orten der Welt existiert und religiöse Grenzen überschreitet, insbesondere in diesen schwierigen Zeiten«, hieß es in dem Beitrag.
Vertreibung der Juden
Heute leben nur noch vier Juden im weitgehend von den Huthi kontrollierten Jemen, berichtete das israelische Nachrichtenportal Ynet. Einer davon sei seit 2015 wegen Beteiligung am Schmuggel einer Thora-Rolle nach Israel inhaftiert.
Im Jahr 2024 erhielt die Nationalbibliothek Israels in Jerusalem die weltweit umfangreichste Sammlung jemenitisch-jüdischer Manuskripte. Die 60.000 Objekte der Sammlung umfassen bemerkenswerte Stücke wie jüdisch-jemenitische Übersetzungen von Werken von Maimonides (1138–1204) und Rabbi Yihya Saleh (1713–1805), bekannt unter dem Akronym Maharitz, der einer der größten Vertreter des jüdischen Rechts im Jemen war, sowie jahrhundertealte Heiratsurkunden.
Die Objekte wurden dem Museum am vergangenen Donnerstag von der Familie von Yehuda Levi Nahum (1915–1998) gestiftet, einem jemenitischen Juden, der 1929 im Alter von vierzehn Jahren in das damalige Israel immigrierte. Über sechs Jahrzehnte hinweg trug Nahum die weltweit umfangreichste Sammlung jemenitisch-jüdischer Manuskripte zusammen, die aus rund 45.000 Manuskripten und lesbaren Fragmenten besteht.
Infolge der UN-Teilungsresolution vom 29. November 1947, welche die Schaffung eines jüdischen und eines arabischen Staates im Mandatsgebiet Palästina vorsah, kam es 1947 im Jemen zu einem Pogrom, bei dem in Aden unter tätiger Mithilfe von Polizisten 82 Juden ermordet und Dutzende weitere verletzt wurden. Synagogen, jüdische Geschäfte und Hunderte jüdische Wohnhäuser wurden zerstört. Bis zur Gründung Israels im Mai 1948 verließen bereits rund 100.000 Juden – und damit ein beträchtlicher Teil der jüdischen Gemeinde – den Jemen Richtung Israel. Zwischen 1949 und 1950 wurden die ca. 50.000 übriggebliebenen Juden durch Israel freigekauft und über eine Luftbrücke von Aden nach Israel gebracht.






