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Juden in New Yorker U-Bahn nicht mehr sicher

Antisemitische Demonstration in der New Yorker U-Bahn
Antisemitische Demonstration in der New Yorker U-Bahn (© Imago Images / Sipa USA)

Israelhasser in New Yorker forderten »Zionisten« zum Verlassen der U-Bahn auf. Nun steht der Rädelsführer vor Gericht.

Weil er am 10. Juni gemeinsam mit anderen Mitstreitern Fahrgäste in der New Yorker U-Bahn mit antisemitischen Parolen bedroht haben soll, ist gegen den bekannten Israelhasser Anas Saleh Anklage erhoben worden. Laut Canary Mission ist Anas Saleh Angestellter des Weill Cornell Medicine’s Rhee Lab, einem Forschungslabor der Eliteuniversität Cornell. In einem Video, das weit über New York hinaus Angst und Empörung auslöste, ist zu hören, wie ein Mann, bei dem es sich um Saleh handeln soll, und eine Gruppe von teilweise vermummten und sogenannte Palästinensertücher tragenden Personen brüllt: »Hebt eure Hände, wenn ihr Zionisten seid!«, gefolgt von: »Das ist eure Chance, auszusteigen!«

Der Vorfall veranlasste die demokratische New Yorker Gouverneurin Kathy Hochul, ein Maskenverbot in der U-Bahn vorzuschlagen. Die Rufe seien antisemitisch und darauf ausgerichtet, Juden Angst zu machen, so Hochul.

Wie der Fernsehsender ABC 7 Chicago berichtete, kam die Gruppe von einer Demonstration auf dem New Yorker Union Square. Dort aufgenommene Fernsehbilder zeigten ein Transparent von Samidoun, der in Deutschland seit vergangenem Jahr verbotenen PFLP-Vorfeldorganisation, mit dem Slogan »Lang lebe der 7. Oktober« sowie Flaggen der Hamas und der Hisbollah. Auf einem Handyvideo ist der Satz »Ich wünschte, Hitler wäre hier, um euch alle auszulöschen« zu hören.

Laut der Website Canary Mission, einer Datenbank antisemitischer Organisationen und Wortführer, ist Anas Saleh als Teil der Anti-Israel-Boykott-Bewegung BDS bekannt und Mitglied von Within our Lifetime (WOL), einer militant antisemitischen Gruppe, die seit dem 7. Oktober 2023 in New York mit Pro-Hamas-Aktionen Schlagzeilen macht, bei denen Straßen, Brücken und Gebäude blockiert werden. Anhänger von WOL verübten im Juni mutmaßlich auch den Farbanschlag auf die Wohnung der jüdischen Direktorin des Brooklyn Museums Anne Pasternak. Vor der Tat hatte WOL die Museumsleitung aufgefordert, sich öffentlich von Israel zu distanzieren. 

Die New York Post berichtete von dem Gerichtstermin am Montag: »Anas Saleh, 24, duckte sich hinter Regenschirmen und Tüchern und legte sich sogar mit einem Fotografen der New York Post an, als er versuchte, das Strafgericht in Manhattan zu verlassen, ohne sein Gesicht zu zeigen, flankiert von mehr als einem Dutzend Unterstützern.«

Die stellvertretende Bezirksstaatsanwältin Madeline Holbrook sagte vor Gericht, mindestens eine Frau hätte aus Angst die U-Bahn verlassen, nachdem Saleh »Zionisten« zum Aussteigen aufgefordert hatte: »Die Frau, die beabsichtigt hatte, im Zug in Richtung Süden zu bleiben, erklärte der Polizei, ausgestiegen zu sein, nachdem sie die Warnung gehört hatte, weil sie Angst hatte, bei Nichtbefolgung körperlich verletzt zu werden.« Eine andere Frau sagte gegenüber den Ermittlern ebenfalls aus, einen körperlichen Angriff befürchtet zu haben.

Antisemitismus keine Randposition

Wie die New York Post weiter berichtete, versuchte Salehs Anwältin Moira Meltzer-Cohen die Einstellung des Verfahrens zu erwirken, indem sie argumentierte, das Büro des Bezirksstaatsanwalts von Manhattan, Alvin Bragg, stehe unter »immensem Druck«, gegen israelfeindliche Demonstranten vorzugehen, da die antisemitische Gewalt zugenommen habe. »›Mein Gericht, meine Regeln‹, sagte Richterin Michele Weber zu Moira Meltzer-Cohen, als sie den Antrag ablehnte, und unterbrach die Verteidigerin ein zweites Mal, als diese zu argumentieren versuchte, dass sie selbst ›eine Jüdin‹ sei.«

Saleh, der wegen Nötigung angeklagt ist, wofür ihm eine Haftstrafe von maximal einem Jahr droht, äußerte sich während der Anhörung nicht. Der nächste Verhandlungstermin ist für den 10. August angesetzt. Er hatte sich der Polizei gestellt, nachdem Gruppen, die sich gegen Antisemitismus einsetzen, im Internet Fotos von ihm veröffentlichthatten.

Ein Video, das von dem X-Account Documenting Jew-hatred on campus verbreitet wurde, zeigt, wie Saleh auf einer von WOL organisierten Demonstration gegen die New Yorker Ausstellung »October 7th 06:29 AM – The Moment Music Stood Still«, die dem Gedenken an die Opfer des Massakers während des Nova-Musikfestivals vom 7. Oktober 2023 gewidmet ist, sich mit der Führerin von WOL, Nerdeen Kiswani, unterhält.

Kiswani setzte sich nach der Anklageerhebung unverzüglich öffentlich für die Einstellung des Verfahrens gegen Saleh ein. Auf X schrieb sie, Slogans wie »Sag es laut, sag es deutlich, wir wollen keine Zionisten hier« würden bei »jedem Protest« skandiert. »Zionisten sind keine geschützte Klasse und sie sollten geächtet werden«, fügte sie hinzu. »Dies ist keine Randposition. Es ist ein Grundgedanke der Palästina-Bewegung.«

Laut Polizei hat die Zahl der im ersten Quartal 2024 gemeldeten antisemitischen Vorfälle in New York gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 45 Prozent zugenommen. Darunter auch der Fall eines Mannes, der einem Fremden auf der Straße »Dreckiger Jude!« zubrüllte und ihm mit einem Baseballschläger auf den Kopf schlug. 

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