Während New Yorks neuer Bürgermeister Zohran Mamdani einen historischen Rückgang der Gesamtkriminalität feiert, offenbart die NYPD-Statistik eine düstere Realität: Juden machen 10 Prozent der Bevölkerung aus, stellen aber 55 Prozent der Opfer von Hassverbrechen.
»Als Ihre Polizeipräsidentin verspreche ich, dass das NYPD [New York Police Department] den Antisemitismus weiterhin bekämpfen wird, egal, woher die Drohungen stammen«, beteuerte Jessica Tisch bereits vor einem Jahr. Die Top-Cop der New Yorker Stadtpolizei wählte ihre eindringlichen Worte 2025 auf dem Never is Now-Kongress der Anti-Defamation League. Dort verurteilte sie den »offen zur Schau gestellten Judenhass«, der die Acht-Millionen-Stadt seit dem Terrorüberfall der Hamas am 7. Oktober 2023 und dem daraus resultierenden Gaza-Krieg heimsucht.
Die damals 43-Jährige war erst wenige Monate zuvor vom amtierenden Bürgermeister Eric Adams ernannt worden. Obwohl die Milliardärin und studierte Juristin nie im aktiven Polizeidienst tätig war, übernahm sie die Führung der Behörde in einer Phase extremer Spannungen. Für Jessica Tisch sprach dabei, dass sie als Jüdin selbst zu den Betroffenen zählt und dabei kein Blatt vor den Mund nahm. Mit seltener Deutlichkeit brandmarkte sie viele der Anti-Israel-Proteste an den örtlichen Hochschulen als »besonders abscheulich«. Diese Identifikation mit den Opfern weckte die Hoffnung, dass unter ihrer Führung eine neue Ära der Entschlossenheit anbrechen würde.
Zudem schien der politische Rückhalt stabil. Es war überaus hilfreich, dass ihr damaliger Chef, der afroamerikanische Bürgermeister Eric Adams, noch im Oktober 2025 angekündigt hatte, sage und schreibe fünftausend neue Polizisten in Dienst zu stellen. Mit dieser massiven personellen Aufrüstung im Rücken wirkte das Versprechen, den Antisemitismus im Keim zu ersticken, für viele New Yorker endlich glaubhaft.
Entsolidarisierung in Etappen
Doch seit dem Sieg Zohran Mamdanis weht ein herber Wind. Kaum im Amt, fegte der neue Bürgermeister das Vorhaben seines Vorgängers, die Polizei massiv zu verstärken, gewissermaßen vom Tisch und kanzelte es als ein »Theater der Politik« ab. Auch anderweitig setzte Mamdani die Axt an das sicherheitspolitische Fundament der Stadt. Nur wenige Stunden nach seiner Vereidigung kassierte er per Federstrich jene Schutzmaßnahmen ein, die sein Vorgänger mühsam zur Bekämpfung des Antisemitismus etabliert hatte. Besonders fatal wirkt sein Entschluss, die international anerkannte Arbeitsdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) für New York schlichtweg zu annullieren.
Während das US-Außenministerium, die Europäische Union und sogar die Vereinten Nationen diesen Rahmen nutzen, um modernen Judenhass präzise zu identifizieren und juristisch greifbar zu machen, entzieht Mamdani der New Yorker Polizei damit die wichtigste Grundlage. Ohne den bewährten Kompass wird die Einordnung antisemitischer Vorfälle zur reinen Willkür.
Als sich New York auf Ostern einstimmte und die jüdischen Familien die Vorbereitungen für das Pessach-Fest trafen – jene Zeit, die an die Befreiung aus der Knechtschaft in Ägypten erinnert –, konfrontierte die Realität sie mit einer angsteinflößenden Statistik. Auf einer Pressekonferenz kurz vor den Feiertagen 2026 musste Jessica Tisch eine Bilanz ziehen, die jedes vorangegangene Hoffnungszeichen konterkarierte. Bei ihrem Medienauftritt verlieh die neben Mamdani stehende Tisch den Eindruck, ihr Dasein als Figur in einem Geiselvideo zu fristen. Von dem Kampfgeist, den sie in ihren ersten Wochen und Monaten im Job an den Tag gelegt hatte, war kaum noch etwas zu spüren.
Ideologische Rechenspiele
Die New Yorker Kriminalitätsstatistik für das erste Quartal 2026 ist alarmierend: Trotz eines vom Rathaus proklamierten Rückgangs der allgemeinen Kriminalität, besonders in Brennpunktvierteln wie der Bronx, stiegen Hassdelikte stadtweit um 11,7 Prozent an. Der Löwenanteil entfiel dabei mit 55 Prozent auf Übergriffe gegen Juden – insgesamt 78 von 143 verifizierten Verbrechen. Es ist eine massive statistische Schieflage: Eine Minderheit, die lediglich zehn Prozent der New Yorker stellt, ist Zielobjekt von über der Hälfte der gezielten Hassgewalt.
Unter Mamdani hat das NYPD die Zählweise grundlegend umgestellt. In seinem ersten Amtsmonat im Januar schossen die Meldungen über antisemitische Taten noch um 182 Prozent in die Höhe. Unmittelbar darauf etablierte die Behörde eine strikte Trennung zwischen bloßen »Meldungen« und durch die Task Force »bestätigten« Hassverbrechen. Was auf den ersten Blick wie ein Schritt in Richtung Sachlichkeit scheint, ist jedoch zutiefst problematisch.
In der neuen, auch von Jessica Tisch als »Goldstandard« gepriesenen Methode der Datenerhebung sehen Kritiker nämlich vor allem eines: Augenwischerei Durch die Erhöhung der statistischen Hürde schrumpfen die Zahlen zwar auf dem Papier. Doch für die Betroffenen bleibt die Bedrohung unvermindert real, während die Handhabe gegen den ideologisch motivierten Hass faktisch eingeschränkt wird. Dabei ist die jüdische Community in New York weiterhin dazu verdammt, die Hauptlast der Hetze und Gewalt zu tragen.
»Wir alle werden Zeugen, wie hier in Echtzeit Propaganda produziert wird«, erklärt Chaim Steinmetz gegenüber der New York Post. Der Rabbiner von der Kongregation Kehilath Jeshurun auf Manhattans Upper East Side warnt: »Sie ändern die Methode zur Erfassung antisemitischer Straftaten, und buchstäblich sechs Monate später wird das Büro des Bürgermeisters behaupten, der Antisemitismus sei zurückgegangen. Das wird zwar das Ansehen des Bürgermeisters aufpolieren, aber leider die Juden nur noch weiter an den Rand drängen.«
Während die jüdische Gemeinschaft in New York versucht, den neuen statistischen Nebel zu durchdringen, behauptet Jessica Tisch, sie glaube an »Transparenz« und meint, dass die Zahlen, die das NYPD zuvor gemeldet hat, »widersprüchlich, falsch und verwirrend waren. Meiner Meinung nach sollten wir nur über bestätigte Fälle von Hassverbrechen berichten.« Elisha Wiesel, Sohn des verstorbenen Holocaust-Überlebenden und Aktivisten Elie Wiesel, dagegen kritisiert den Umgang Mandanis mit der jüdischen Community stark. Und Jessica Tischs Bruder Benjamin hatte Mamdani bereits im Dezember 2024 als »Feind der Juden« bezeichnet.
Die Stimmung in New York, wo die größte jüdische Bevölkerung außerhalb Israels beheimatet ist, ist aufgeheizt. Attacken gegen Synagogen, Hakenkreuz-Schmierereien im Namen Palästinas und antisemitisches Cyber-Mobbing nehmen zu.
In dieser Atmosphäre einer wachsenden Verachtung hilft es nicht, dass nun eine Person aus der Bürgermeisterresidenz ins Blickfeld rückt: Rama Duwaji. Vor ihrer Millionen-Followerschaft likte Mamdanis Ehefrau Instagram-Posts, die das Hamas-Massaker vom 7. Oktober als »Widerstand« glorifizierten. Diese Sympathie für den Terror war kein Ausrutscher, sondern die Fortsetzung einer jahrelangen Radikalisierung. In älteren Beiträgen nutzte Duwaji rassistische sowie homophobe Beleidigungen und feierte PFLP-Terroristinnen wie Leila Khaled als Vorbilder, für deren »Sache« sie 2017 sogar die eigene Todesbereitschaft bekundete.






