Neuordnung: Schwer zu entscheiden, wo Syrien endet und Iran anfängt

„Was im Süden Syriens wieder einkehrt, ist jedoch mitnichten der Status quo antebellum. Der Iran und seine Verbündeten spielen bei der Schaffung der neuen Machstrukturen dort eine entscheidende Rolle. In dieser neuen Wirklichkeit lässt sich schwer bestimmen, wo der syrische Staat endet und der Iran und seine Verbündeten beginnen. Der Südwesten Syriens, der die Wiege des Aufstands gegen Assad war, wird nun in die Geburtsstätte eines neuen Syriens verwandelt, in dem der Iran und seine Verbündeten eine entscheidende und integrale Rolle spielen. (…) Während die Sicherheitsorgane des Regimes ehemaligen Führungspersönlichkeiten der fragilen Ordnung, die zwischen 2011 und 2018 entstand, nachstellen, zeichnet sich die neue Ordnung im Südwesten Syriens immer deutlicher ab.

Das iranische Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) und seine Stellvertretermilizen, darunter die libanesische Hisbollah und irakische Gruppen wie Asaib Ahl al-Haq, spielen dabei ein zentrale Rolle. Ein Bericht, der auf der Webseite des Syrian Observer veröffentlicht wurde, macht Angaben über einen großen im Bau befindlichen iranischen Stützpunkt in der Region von Lajat in der Provinz Deraa. Dem Syrian Observer zufolge haben Asaib Ahl al-Haq und die Hisbollah dort im Auftrag der Iraner ‚rund 650 Häuser zerstört und mehrere Dörfer in Lajat geräumt und dem Erdboden gleichgemacht, um ein 30 Quadratkilometer großes Gelände zu schaffen. In diesen Dörfern haben vom Iran unterstützte Milizen Trainingsbarracken und Lagerhallen für Waffen und Munition geschaffen, um das Gebiet in einen Militärstützpunkt für dem Iran unterstehende ausländische Milizen zu verwandeln. Anfang Oktober erreichten die ersten Waffen- und Munitionslieferungen auf diesem Wege die Milizen in der Region.‘ (…)

Es gibt auch Belege dafür, dass Angehörige der Hisbollah und anderer proiranischer schiitischer Milizen in Uniformen der Syrischen Arabischen Armee zusammen mit den Streitkräften des Regimes in die Grenzregion in den Golanhöhen zurückkehren. Dies widerspricht der nominellen russischen Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass derartige Elemente einen Abstand von mindestens 85 Kilometern zur Grenze wahren müssen. Zu diesen iranischen Aktivitäten nahe der Grenze gesellt sich Teherans Vorgehen weiter im Landesinnern, so beispielsweise der Transfer von Schiiten aus dem Süden des Irak in Gebiete, aus denen die sunnitischen Bewohner geflohen sind.

So zeichnet sich die neue Nachkriegsordnung in dem vom Regime kontrollierten Teil Syriens ab. Diejenigen, die einst auf eine bestimmte Form eines neuen Syriens gehofft hatten, werden eingesammelt und inhaftiert oder verschwinden einfach. Der Iran ist unterdessen dabei, eine ganz andere Form von neuer Ordnung zu schaffen. In ihr ist eine eigenständige iranische Präsenz untertrennbar und kaum zu unterscheiden vom syrischen Staat. Es ist kein Zufall, dass das Modell der Situation im Libanon und im Irak ähnelt (allerdings ohne auch nur den Schein von Institutionen, die einer repräsentativen Regierungsform entsprechen würden).“ (Jonathan Spyer: „A new order emerges in southern Syria as Assad regains control“)

Mehr zum Thema auf Mena Watch: Assad-Regime sprengt Häuser von Flüchtlingen, um Iraner anzusiedeln

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