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Neues Iran-Dossier: »… haben die Fähigkeit, die Bombe zu bauen …«

Was wissen wir aus dem iranischen Nukleararchiv über das iranische Atomwaffenprogramm? (© imago images/YAY Images)
Was wissen wir aus dem iranischen Nukleararchiv über das iranische Atomwaffenprogramm? (© imago images/YAY Images)

Im neuen Dossier erörtern unsere Autoren neue Erkenntnisse über das iranische Atomwaffenprogramm und den aktuellen Stand im Atomstreit.

»Es gibt im Moment keine Diplomatie in Bezug auf das Iran-Abkommen«, sagt Robert Kirby, der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates im Weißen Haus. »Wir befinden uns in einer Sackgasse.« Auch Robert Malley, der Sondergesandte des US-Außenministeriums für die Iran-Verhandlungen, muss nach eineinhalb Jahren der Bemühungen um eine Wiederbelebung des Wiener Abkommens im Atomstreit mit dem iranischen Regime ein Scheitern konstatieren: »Der Iran hat sich von einem Atomabkommen abgewandt, das zum Greifen nahe war.«

Untätig geblieben ist das Regime in diesen eineinhalb Jahren allerdings nicht: Seit dem Austritt der USA aus dem Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA) unter Präsident Donald Trump im Mai 2018, vor allem aber seit der Wahl Joe Bidens zu Trumps Nachfolger, hat sich der Iran auf immer eklatantere Art und Weise über die wesentlichen Beschränkungen hinweggesetzt, die das Atomabkommen seinen nuklearen Aktivitäten auferlegt hatte.

Ob das Regime von Anfang an nicht an einer Erneuerung des Atomabkommens interessiert war und nur zum Schein darüber verhandelt hat, sei dahingestellt. Faktum ist, dass es ihm unter den in die Länge gezogenen Verhandlungen gelungen ist, sein Atomprogramm voranzutreiben und jetzt so nahe an Atomwaffen herangekommen ist wie nie zuvor. Die Verhandlungen dienten hier wie ein Schutzschirm, der das Regime vor den schweren Konsequenzen bewahrte, die ihm angesichts seines Verhaltens womöglich sonst gedroht hätten.

Das betrifft insbesondere die Produktion des spaltbaren Materials für den Bau der Bombe: Wie David Albright und Sarah Burkhard vom Institute for Science and International Security in unserem neuen Dossier »… haben die Fähigkeit, die Bombe zu bauen …« feststellen, hat der Iran jetzt schon genügend angereichertes Uran für den Bau von zwei Atombomben und könnte, sollte die Führung den Entschluss fassen, binnen zweier Monate bis zu fünf Bomben herstellen. De facto ist dem Regime im Schatten der Atomverhandlungen ein schleichender nuklearer Breakout gelungen.

Aus dem im Jahr 2018 in israelischen Besitz gelangten iranischen Atomarchiv wissen wir, wie der Iran im Rahmen des sogenannten Amad-Plans an dem Ziel arbeitete, »fünf funktionierende Sprengköpfe mit einer Sprengkraft von zehn Kilotonnen TNT, die in eine Rakete integriert werden können« (Übersetzung aus einem iranischen Dokument), zu bauen. Der angestrebte Sprint zur Bombe wurde 2003 unter dem Eindruck der amerikanischen Invasion im Irak eingestellt; das Atomwaffenprogramm dadurch aber nicht beendet, sondern in neuen organisatorischen Strukturen – und weitgehend demselben Personal – fortgesetzt.

Anhand der Informationen aus dem Atomarchiv wird klar:

  • dass das iranische Atomwaffenprogramm der frühen 2000er Jahre weitaus umfangreicher und fortgeschrittener war, als im Westen bis dato bekannt war;
  • dass der Iran zum Zeitpunkt der Einstellung von Projekt Amad im Jahr 2003 das Wissen und die Erfahrung hatte, um funktionsfähige Atomwaffen zu bauen;
  • dass der Iran bereits die Orte im Land, die für einen Atomtest infrage kommen, identifiziert, erkundet und erste Testexplosionen durchgeführt hatte;
  • dass rund die Hälfte der mit dem Atomwaffenprogramm in Verbindung stehenden Einrichtungen westlichen Geheimdiensten und Beobachtern gänzlich unbekannt geblieben sind;
  • dass und wie das iranische Regime das Programm auch nach 2003 weiterführte, indem es in einen offenen und einen verdeckten Teil aufgespalten wurde.

Im neuen Mena-Watch-Dossier »… haben die Fähigkeit, die Bombe zu bauen …«. Das iranische Atomwaffenprogramm im Lichte des geheimen Atomarchivs arbeiten wir auf, was bislang im deutschsprachigen Raum kaum zur Kenntnis genommen wurde. Florian Markl beschreibt darin überblicksartig die wichtigsten Einrichtungen, in denen an verschiedenen Aspekten des umfassenden iranischen Atomwaffenprogramms gearbeitet wurde. Er schildert, wie das Regime sich gezwungen sah, diese konzentrierten Anstrengungen zu modifizieren als auch alles unternahm, die Spuren seiner illegalen Tätigkeiten zu beseitigen, um die internationale Öffentlichkeit diesbezüglich im Unklaren zu lassen.

David Albright und Sarah Burkhard vom International Institute for Science and International Security in Washington beschreiben den aktuellen Stand des iranischen Atomprogramms und erläutern, welche Möglichkeiten es heute noch gibt, Nuklearwaffen in Händen der islamistischen Diktatur zu verhindern.

Ilan Berman vom American Foreign Policy Council dokumentiert im abschließenden Beitrag, wie in Israel über die wachsende iranische nukleare Gefahr diskutiert wird. Ihm zufolge könnte sich das Land bald dazu genötigt sehen, über Militärschläge gegen das iranische Atomwaffenprogramm zu entscheiden – wohl wissend, welch potenziell schwerwiegende Folgen ein militärisches Vorgehen nach sich ziehen könnte.

Das neue Mena-Watch-Dossier steht hier zum Download bereit:

Florian Markl/David Albright und Sarah Burkhard/Ilan Berman: »… haben die Fähigkeit, die Bombe zu bauen …«. Das iranische Atomwaffenprogramm im Lichte des geheimen Atomarchivs.

Gedruckte Versionen des Dossiers können per Mail an info@mena-watch.com bestellt werden.

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