Die Kommission zu Verbrechen gegen Frauen und Kinder erklärte, der Bericht biete einen Rahmen für künftige Ermittlungen zu Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord.
Jessica Russak-Hoffman
In den rund zweieinhalb Jahren seit den von der Hamas angeführten Angriffen vom 7. Oktober hat Israel umfangreiche Beweise dafür vorgelegt, dass Frauen und Mädchen sowohl während des Massakers als auch anschließend in Gefangenschaft im Gazastreifen sexueller Gewalt ausgesetzt waren. Ein Bericht, den die Zivilkommission für Verbrechen gegen Frauen und Kinder vom 7. Oktober am Dienstag veröffentlichte, zielt nun darauf ab, die Aufmerksamkeit von Staatsanwälten und Parlamentariern weltweit zu erregen.
»Eine wichtige Wirkung, die mit dieser Arbeit erzielt wird, ist die Anerkennung dessen, was den Opfern widerfahren ist, in den historischen Aufzeichnungen«, sagte die Gründerin der unabhängigen gemeinnützigen Organisation, Cochav Elkayam-Levy, gegenüber Jewish News Syndicate (JNS). »Daneben streben wir auch eine institutionelle Anerkennung an und wollen den Bericht den Parlamenten weltweit vorlegen.«
Hoffnung auf Wendepunkt
Der Bericht mit dem Titel Silenced No More sei »auch eine rechtliche und historische Grundlage für die Rechenschaftspflicht, die einen strafverfolgungsorientierten Rahmen für künftige Ermittlungen zu Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermordhandlungen bietet«, sagte die Rechtsanwältin Elkayam-Levy, die zuvor als Beraterin für den israelischen Generalstaatsanwalt tätig war. »Er zeigt Muster auf, identifiziert Vorgehensweisen und skizziert Wege der Rechenschaftspflicht, die über die direkten Täter hinausgehen und diejenigen einbeziehen, die diese Verbrechen geplant, erleichtert, verstärkt oder ermöglicht haben.«
Elkayam-Levy glaubt, dass der Bericht das internationale rechtliche Verständnis von konfliktbezogener sexueller Gewalt voranbringt. Dies gilt insbesondere durch das Konzept der ›kinozidalen sexuellen Gewalt‹ – ein Begriff, den wir geprägt haben, um sexuelle Gewalt zu beschreiben, die darauf abzielt, Familien zu foltern und familiäre Bindungen auszunutzen, um das Leiden der Opfer zu verstärken. Auf einer breiteren Ebene hofft die Anwältin, dass der Bericht »zu einem Wendepunkt in der Art und Weise wird, wie die internationale Gemeinschaft auf sexuelle Gewalt in bewaffneten Konflikten reagiert«.
Der Bericht basiert auf einer Untersuchung, die 10.000 Fotos und Videos, 430 Zeugenaussagen und Interviews sowie mehr als 1.800 Stunden Filmmaterial umfasst, darunter auch von den Terroristen selbst gemachte Aufnahmen.
Sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt ereignete sich während des von der Hamas angeführten Angriffs an mehreren Orten, darunter beim Nova-Musikfestival, in den überfallenen Kibbuzim, auf Straßen und in Militärstützpunkten. Laut der Kommission setzte sich diese Gewalt während der Entführung der Geiseln und ihrer Gefangenschaft in Gaza fort. Der Bericht identifiziert wiederkehrende Muster von Missbrauch an den verschiedenen Angriffsorten. Die Ermittler kamen zu dem Schluss, dass der Gleichklang der Taten zeige, dass es sich »nicht um vereinzelte brutale Handlungen handelte, sondern um Teile einer umfassenderen Vorgehensweise, die während des Angriffs und in dessen Folge angewandt wurde«.
Aussagen von Überlebenden, freigelassenen Geiseln, Ersthelfern und medizinischem Personal beschrieben die Übergriffe, die während der Angriffe und in der Gefangenschaft begangen wurden. Mehrere ehemalige Geiseln berichteten von anhaltendem sexuellem Missbrauch während ihrer Gefangenschaft in Gaza.
Elkayam-Levy erklärte, die Beweise in dem Bericht »sprechen für sich. Sexuelle Gewalt in Konflikten wurde historisch immer geleugnet, insbesondere wenn es politisch unangenehm ist, sie anzuerkennen, aber Menschenrechte dürfen nicht von der Politik abhängig sein. Die Opfer des 7. Oktobers und diejenigen, die aus der Hölle der Gefangenschaft zurückgekehrt sind, verdienen dieselbe Anerkennung und denselben Schutz, die Opfern überall sonst auf der Welt zuteilwerden.«
Plötzlich verstummt
Laut einem Bericht von Boundless, einem in den USA ansässigen Thinktank mit Schwerpunkt auf Israel und Antisemitismus, vom April 2026 stimmten 49 Prozent der US-Bevölkerung zu, dass die Hamas am 7. Oktober sexuelle Gewalt verübt habe und es Video- und Fotobeweise dafür gebe.
»Als Frauen von Hamas-Terroristen angegriffen, verstümmelt und ermordet wurden, verstummten plötzlich zu viele Stimmen, die vorgeben, für Gerechtigkeit einzutreten«, sagte Jayne Zirkle, Kommunikationsdirektorin beim Lawfare Project, gegenüber JNS. »Andere gingen sogar noch weiter, verspotteten Überlebende, leugneten Beweise und verbreiteten Propaganda, die darauf abzielte, Terroristen vor der Rechenschaftspflicht zu schützen. Stellen Sie sich vor, man würde Opfern einer anderen Massengräueltat sagen, dass ihre Aussagen politisch ungelegen sind.«
Dabei wurden die Beweise für die sexuelle Gewalt der Hamas von Augenzeugen, Ersthelfern, forensischen Teams, freigelassenen Geiseln und internationalen Ermittlungen dokumentiert, erklärte Zirkle weiter. Diejenigen, die die Vergewaltigungen vom 7. Oktober leugnen, seien mitschuldig an der »Auslöschung des Leidens. Terrorgruppen gedeihen, wenn die Welt das Böse rationalisiert, anstatt es zu bekämpfen. Wir müssen sicherstellen, dass so etwas nie wieder geschieht, indem wir die Wahrheit klar aussprechen und keine Entschuldigungen für die Taten vorbringen.«
Sigal Kraunik aus dem Kibbuz Be’eri, deren Ehemann Arik am 7. Oktober von Terroristen getötet wurde, sagte gegenüber JNS: »Die Hamas und die anderen Terrororganisationen sind damit beschäftigt, die Propaganda zu verbreiten, dass sie selbst die Opfer seien, und die Welt glaubt ihnen das.« Menschenrechtsorganisationen hätten zu den Gräueltaten der Hamas auffallend geschwiegen, sagte sie. »Sie schützen die Schwachen nicht wirklich. Sie sind ein großer Teil der Maschinerie, die darauf abzielt, Hass auf Juden und Israel zu schüren.«
Jacqueline Carroll ist eine ehemalige Staatsanwältin für Sexualdelikte in Illinois und Gründerin einer Beratungsfirma, die sich auf die Bekämpfung von Hassverbrechen spezialisiert hat. Sie sagte gegenüber JNS, sie hoffe, dass einige der Täter »unter der Gerichtsbarkeit Israels« stünden, damit sie sich den rechtlichen Konsequenzen stellen müssten. Die Beweise in dem Bericht könnten auch für Sanktionen, Entschädigungen und Einzelklagen herangezogen werden, erklärte Carroll vor der Veröffentlichung des Berichts.
Realität vs. Leugnung
Gerard Filitti, Senior Counsel beim Lawfare Project, meinte, dass die Ergebnisse des Berichts die Grundlage für künftige Strafverfolgungen vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag bilden könnten, »sofern dessen antiisraelische Voreingenommenheit dem nicht im Wege steht«. Der Bericht »zwingt die Welt dazu, die sexuelle Gewalt vom 7. Oktober als dokumentierte Gräueltat anzuerkennen und nicht mehr als umstrittenen Diskussionspunkt abzutun. Die Welt muss sich nun mit den rechtlichen Fragen auseinandersetzen, die Antworten und Konsequenzen erfordern. Wie wurde es organisiert, wer wusste davon, wer hat daran teilgenommen, wer hat Befehle erteilt und wer hat es ermöglicht?«
Die Kommission forderte koordinierte internationale Ermittlungen und Strafverfolgungen sowie die Einrichtung spezialisierter Einheiten für Kriegsverbrechen, die sich auf sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt konzentrieren. Der neue Bericht sei eine »Anklage gegen die Hamas«, sagte Filitti. »Terrorapologeten werden die Quelle angreifen und sie als Propaganda bezeichnen, aber die Welt wird die Realität dieser Gräueltaten nicht leugnen können.«
Der Geschäftsführer der Israel Heritage Foundation, Rabbi David Katz, erklärte gegenüber JNS, dass die Leugner des 7. Oktobers sich auch von diesem Bericht wahrscheinlich nicht überzeugen lassen werden. »Ein Lügner bleibt ein Lügner. Wer die Realität nicht zur Kenntnis nehmen will, wird die Realität nicht zur Kenntnis nehmen.«
Der geschäftsführende Vizepräsident und Chief Operating Officer der Orthodox Union Rabbi Josh Joseph erklärte: »Ungeachtet der Fakten werden sich diejenigen von keinem Beweis und keinem Bericht beeinflussen lassen, die sich dafür entscheiden, zu leugnen, ›bloß Fragen zu stellen‹ und Juden zu dämonisieren.«
Joseph sagte, es gebe eine jüdische Tradition, sich nicht nur an »Momente des Wunders und der Erlösung, sondern auch an Momente der Unterdrückung und unaussprechlicher Gräueltaten« zu erinnern. »Unsere beständige Identität ist mit der Erinnerung und dem Gedenken an unsere Erfahrungen verbunden.« Er riet den Lesern, sich bewusst mit dem Bericht auseinanderzusetzen, der schreckliche Verbrechen in expliziten Details dokumentiert. Die Leser sollten »die Verantwortung, Zeugnis abzulegen und zu gedenken, mit der Wahrung der Würde der Opfer und der Sorge um die eigene Psyche« in Einklang bringen.
Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)






