Nach US-Abzügen: Wie sieht der Krieg der Zukunft aus?

F-35. Quelle: USAF/Wikimedia Commons.

„Die Vereinigten Staaten versuchen in diesem Jahr, zwei große Konflikte zu lösen: den Krieg in Afghanistan und den Krieg gegen den Islamischen Staat in Syrien. Gleichzeitig gehen die amerikanischen Streitkräfte nach wie vor auf der ganzen Welt gegen Bedrohungen vor und unterstützen ihre Verbündeten bei der Bekämpfung terroristischer Gruppierungen. In der zweiten Januarhälfte töteten zwei amerikanische Luftangriffe in Somalia 76 mutmaßliche Al-Shabaab-Kämpfer. All das scheint auf eine Wegscheide bezüglich der Rolle der USA hinzuweisen: Während Truppen aus großen Kriegsgebieten abgezogen und nach Hause geschickt werden, verschiebt sich das US-Engagement in Konflikten offenbar auf Präzisionsangriffe aus der Luft und das Sammeln geheimdienstlicher Informationen.

Am 29. Januar erklärte Verteidigungsminister Patrick Shanahan, der IS habe ‚mehr als 99,5 Prozent‘ seines Territoriums in Syrien und im Irak verloren. Präsident Trump fügte am 1. Februar hinzu, dass der IS bald ‚zu 100 Prozent zerstört‘ sein werde, warnte aber auch: ‚Wir werden sie genau beobachten.‘ Das steht im Einklang mit Kommentaren, die er nach Weihnachten gegenüber den Truppen am Al-Asad-Stützpunkt im Irak äußerte: Die Vereinigten Staaten würden in Syrien kein Nation-Building betreiben, aber ihre Truppen würden ‚immer ein genaues Auge auf ein mögliches Wiedererstarken des ISIS werfen‘. Um die Niederlage des IS zu gewährleisten, führte die von den USA geführte Koalition in den letzten zwei Januarwochen 645 Angriffe gegen IS-Ziele in Syrien aus – eine der größten Angriffswellen seit dem August 2014. (…)

Wie funktioniert nun eigentlich der Rückzug der Vereinigten Staaten, wenn deren Truppen gleichzeitig den Kampf weiterführen sollen? Die Antwort liegt im Konzept ‚kleiner Fußabdruck, langer Arm‘. Im Kampf einen ‚langen Arm‘ zu haben‘ bedeutet, Waffen und Taktiken so zu wählen (…), dass sie aus großer Distanz eingesetzt werden können, und den Einsatz von Spezialeinheiten, die weit weg von zu Hause operieren. Der ‚kleine Fußabdruck‘ bezieht sich auf die geringe Zahl an involvierten Soldaten vor Ort. (…)

Die moderne Kriegsführung hat sich weiterentwickelt. Früher wurden konventionelle militärische Operationen mit Brigaden und Divisionen durchgeführt, heute bedient man sich kleinerer Einheiten, verwendet Drohnen und benutzt Technologie, um die Bewegung von Feinden zu verfolgen und zu überwachen. (…)

Augenblicklich will die Trump-Regierung, dass die die Vereinigten Staaten nicht mehr voranmarschieren, sondern eine Rolle einnehmen, die ihrer auf Präzisionsraketen basierenden Luftüberlegenheit entgegenkommt. Lokale Kräfte vor Ort werden einen größeren Teil des Kämpfens selbst übernehmen müssen.“ (Seth J. Frantzmann: „‚Small footprint, long arm‘ appears to be new US way of war“)

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