Nach Massenmorden in den USA: ein Blick auf Waffenbesitz in Israel

(Creative Commons Images)

„Während Israel seinen Bürgern im Rahmen der Grundgesetze kein ‚Recht auf das Tragen von Waffen‘ einräumt, sind Waffen gang und gäbe und Teil der israelischen Alltagskultur. Infolge der obligatorischen Wehrpflicht haben die meisten Israelis während ihres Dienstes im Militär automatische Waffen benutzt. Soldaten, auch solche, die nicht im Dienst sind, sind im ganzen Land mit Maschinenpistolen zu sehen, während Tausende von Israelis Handfeuerwaffen tragen. Ein hoher Prozentsatz, wenn nicht sogar die Mehrheit der Terroristen, die Morde begehen, wird von Privatpersonen mit Waffen neutralisiert. (…)

Und obwohl viele Israelis Waffen haben, sind sie nicht für jeden zugänglich. Um einen Waffenschein zu erhalten, muss man mehrere Kriterien erfüllen. Erstens muss eine Person in einem geografischen Gebiet leben oder arbeiten, in dem ein höheres Terrorrisiko besteht, wie z.B. israelische Bürger, die im Westjordanland (Judäa und Samaria) oder in der Nähe von arabischen Dörfern leben, aus denen in der Vergangenheit Terroristen kamen.

Als nächstes muss ein Hausarzt, der die Person seit vielen Jahren behandelt, eine detaillierte Gesundheitsbewertung durchführen, die bescheinigt, dass der Bewerber sowohl körperlich als auch geistig stabil genug ist, um eine Waffe zu tragen. Ein Bewerber muss außerdem einen Schießkurs mit einem zertifizierten Instrukteur absolvieren und eine ausreichende Beherrschung des Umgangs mit einer Waffe nachweisen (was allerdings nicht allzu schwierig ist). Vor der Erteilung einer Lizenz wird von israelischen Behörden eine detaillierte Sicherheitsüberprüfung der Antragsteller durchgeführt.

Einmal erteilt, erlaubt eine Lizenz dann einer Person, eine einzelne Pistole zu besitzen und zu tragen, und die vom Schützen erworbene spezifische Waffe ist in die Lizenz eingetragen. Nur der Lizenzbesitzer darf diese spezielle Pistole verwenden. (….) Die Lizenz muss alle zwei Jahre erneuert werden und erfordert eine regelmäßige Schießschulung sowie den Nachweis der Fertigkeit im Umgang mit der Waffe. Wer eine Waffe trägt, muss die zugehörige Lizenz dabeihaben und jederzeit vorweisen können.

Angriffswaffen dürfen nicht im Besitz von Privatpersonen sein und werden nur von aktiven Soldaten mit von der Armee ausgegebenen Waffen und Munition getragen.

Die Einsatzregeln für Waffen sind extrem streng und auf lebensbedrohliche Situationen beschränkt. Wenn ein Terrorist mit einer Waffe auf eine Person zukommt, kann ein lizenzierter Privatmann schießen. Wenn der Terrorist aber nicht mehr im Besitz der Angriffswaffe ist, könnte ein lizenzierter Privatmann oder Soldat wegen der Abgabe von Schüssen zu einer Gefängnisstrafe verurteilt werden, selbst wenn der Angreifer nur wenige Sekunden zuvor versucht hatte, Menschen zu tötet.“ (Alex Traiman: „The Israeli gun culture and approach to preventing mass shootings“)


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