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Nach Khameneis Tod: Irans »Mosaik-Verteidigung«

Nach der Ausschaltung seiner Führung nutzt der Iran eine »Mosaik-Strategie« für seine Angriffe
Nach der Ausschaltung seiner Führung nutzt der Iran eine »Mosaik-Strategie«für seine Angriffe (© Imago Images / ABACAPRESS)

Auch die Kämpfer der pro-iranischen »Achse des Widerstands« handeln laut einer Quelle ebenfalls eher nach einem gemeinsamen Verständnis als unter einem gemeinsamen Kommando.

Nach dem Tod seines Obersten Führers und der militärischen Führungsspitze stützt sich der Iran in seinen Kriegsbemühungen auf eine seit zwanzig Jahren weiterentwickelte, sogenannte Mosaik-Verteidigungsstrategie, bei der die Macht auf untergeordnete Kommandeure verteilt wird. Ausgehend von den Lehren aus früheren Kriegen in der Region zielt die Strategie darauf ab, Angriffe wie jenen, bei dem Ayatollah Ali Khamenei getötet wurde, abzuwehren und die Truppen auf der Grundlage »allgemeiner Anweisungen« zurückschlagen zu lassen.

Die emiratische Nachrichtenplattform The National schrieb, dass pro-iranische Gruppen im gesamten Nahen Osten, bekannt als Achse des Widerstands, mittlerweile ebenfalls nach einem »gemeinsamen Verständnis« handeln und nicht unter dem gemeinsamen Kommando, das noch die Angriffe während des Gaza-Kriegs geplant hat. »Es gibt keinen zentralen regionalen Kommandoraum für die Achse des Widerstands, sondern vielmehr ein gemeinsames Verständnis der Art der Risiken und Herausforderungen«, wird eine der Hisbollah nahestehende Quelle zitiert. »Die Kräfte der Achse haben aus dem Unterstützungskrieg für Gaza viel gelernt, was die Planung, Durchführung und öffentliche Wahrnehmung des Kriegsverlaufs angeht und sie profitieren jetzt von dieser Erfahrung.«

Der iranische Außenminister Abbas Araghchi machte den Plan am zweiten Tag des amerikanisch-israelischen Kriegs gegen den Iran publik: »Die dezentrale Mosaik-Verteidigung ermöglicht es uns, zu entscheiden, wann – und wie – der Krieg enden wird«, schrieb er auf seinem X-Account.

Lange Planung

Die Mosaik-Doktrin wurde Mitte der 2000er-Jahre nach der US-Invasion im Irak entwickelt. Wie von den staatlichen Medien beschrieben, ermöglicht sie es der Armee und dem Korps der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC), eine »große, verstreute Miliz« zu führen, die einen Zermürbungskrieg führt.  Mohammad Ali Jafari, von 2007 bis 2019 Kommandeur des IRGC, teilte das Militärkommando in 31 Zellen auf, die unabhängig voneinander funktionieren können, wenn andere zerstört werden. Die Revolutionsgarde verfügt über eine beeindruckende Feuerkraft, einschließlich einer eigenen Marine und Luftwaffe.

Die iranische Befehlskette erlitt einen schweren Schlag, als Khamenei zusammen mit dem Verteidigungsminister, dem Stabschef der Armee und dem IRGC-Kommandeur am ersten Tag der Angriffe getötet wurde. Das Ausmaß der iranischen Reaktion hat viele überrascht: Tagelange Drohnen- und Raketenangriffe im gesamten Nahen Osten waren die Folge.

»Wir hatten zwei Jahrzehnte Zeit, um die Niederlagen des US-Militärs unmittelbar östlich und westlich von uns zu studieren«, sagte Araghchi unter Bezug auf den Irak und auf Afghanistan. »Wir haben die Lehren daraus gezogen. Die Bombenangriffe auf unsere Hauptstadt haben keinen Einfluss auf unsere Fähigkeit, Krieg zu führen.«

Araghchi erklärte gegenüber dem katarischen TV-Sender Al Jazeera, dass die Militäreinheiten »unabhängig und isoliert« agierten und »auf der Grundlage allgemeiner Anweisungen, die ihnen im Voraus gegeben wurden«, operierten. Experten zufolge umfasst diese Strategie auch die Einbeziehung von Mitgliedern der paramilitärischen Basidsch-Miliz in die Kriegsanstrengungen.

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