Latest News

Wie der Mossad einen Angriff auf den Iran von innen heraus plante

Rauch über dem Sharan Öldepot im Nordwesten von Teheran nach einem israelischen Angriff
Rauch über dem Sharan Öldepot im Nordwesten von Teheran nach einem israelischen Angriff (Quelle: JNS)

Die Teams des Geheimdienstes Mossad neutralisierten Dutzende iranische Raketen vor ihrem Start, sodass die F-35-Flugzeuge der israelischen Luftwaffe ungehindert operieren konnten.

Jewish News Syndicate

Eine Enthüllungsgeschichte der US-Zeitung The Wall Street Journal machte Details einer ausgeklügelten Geheimoperation des israelischen Geheimdienstes Mossad vor einem Angriff auf den Iran öffentlich.

Die Operation umfasste mehrjährige Bemühungen, um Hunderte mit Sprengstoff ausgestattete Drohnen über kommerzielle Kanäle auf iranisches Territorium zu schmuggeln und gleichzeitig ausgebildete Agenten in der Nähe von Luftabwehr- und Raketenabschussanlagen zu positionieren. Diese Mossad-Teams neutralisierten Dutzende von Raketen vor ihrem Start und schufen so die Voraussetzungen dafür, dass die F-35-Flugzeuge der Israelischen Luftwaffe (IAF) weitgehend ungehindert operieren konnten, was die überraschend begrenzte Reaktion des Irans erklärt.

Lange bevor die hochmodernen F-35-Kampfflugzeuge eintrafen, um die iranischen Nuklearanlagen und die militärische Kommandostruktur anzugreifen, hatte bereits eine weniger ausgefeilte, aber ebenso wirksame technologische Bedrohung die Islamische Republik infiltriert und Stellungen eingenommen, um den Weg für die Operation freizumachen: Israel widmete Monate dem – unter Verwendung von Koffern, Lastwagen und Schiffscontainern durchgeführten – Schmuggel von Bauteilen für Hunderte von mit Sprengstoff bestückten Quadcopter-Drohnen sowie von Munition für den Einsatz auf unbemannten Plattformen, wie aus den umfassenden Recherchen des Journal hervorgeht.

Kompakte Teams, ausgestattet mit hochentwickelter Technologie, bezogen Stellungen in der Nähe von iranischen Luftabwehrinstallationen und Raketenabschusskomplexen. Als die israelischen Operationen begannen, griffen einige dieser Teams die Luftabwehrsysteme an; andere nahmen während der Vorbereitungsphase die (zum Teil fahrbaren) Raketenabschussrampen ins Visier.

Luftüberlegenheit

Die Operation liefert wichtige Hintergründe für das Verständnis der begrenzten Reaktionsmöglichkeiten des Irans auf Angriffe. Sie zeigt auch, wie kommerziell verfügbare Technologie die moderne Kriegsführung verändert und umbaut und so geradezu beispiellose Sicherheitsherausforderungen für Nationalstaaten schafft.

Die Mossad-Operation zielte darauf ab, Bedrohungen für israelische Kampfflugzeuge zu neutralisieren und Raketenabschusssysteme außer Gefecht zu setzen, bevor sie israelische Bevölkerungszentren angreifen konnten. Agenten vor Ort zerstörten Dutzende Raketen noch vor deren Start in den ersten Stunden der Offensive. Die IAF konzentrierte sich in der Anfangsphase der Operation gleichzeitig stark auf Luftabwehr- und Raketensysteme.

Der Iran feuerte schließlich am Freitag und in der Nacht zum Samstag in vier separaten Salven etwa zweihundert Raketen auf Israel ab, was zu Todesopfern, Verletzten und erheblichen Sachschäden führte.

Israel hatte laut Sima Shine, einer ehemaligen hochrangigen Geheimdienstmitarbeiterin des Mossads, die das Iran-Programm am Institut für Nationale Sicherheitsstudien der Universität Tel Aviv leitet, mit einer wesentlich heftigeren Reaktion gerechnet: »Wir hatten viel mehr erwartet. Das bedeutet aber nicht, dass wir heute oder morgen nicht noch viel mehr abbekommen könnten.«

Die Angriffe auf die iranische Luftabwehr erwiesen sich als entscheidend und ermöglichten Israel, in kürzester Zeit die Lufthoheit zu erlangen.

Mehr als zwei Stunden

IDF-Sprecher Effie Defrin berichtete am Samstag, dass Israel in der Nacht mit siebzig Kampfflugzeugen, die mehr als zwei Stunden lang im iranischen Luftraum operiert hatten, Ziele in Teheran angegriffen habe. »Dies ist die größte operative Reichweite, die wir bisher im Iran erreicht haben. Wir haben die Freiheit, im Luftraum zu agieren.«

In einer Mitteilung der iranischen Geheimdienste, die am Samstag über staatliche Zeitungen, darunter die der Revolutionsgarde nahestehende Nachrichtenagentur Tasnim, verbreitet wurde, wurden die Bürger gewarnt, auf den möglichen Einsatz von Pick-ups und Lastwagen für Drohnenstarts durch Israel zu achten. Israel integriert systematisch ambitionierte Geheimdienstoperationen als grundlegende Bestandteile seiner Militärstrategie. Die Herbstkampagne gegen die Hisbollah begann mit einer Operation, bei der Tausende von Pagern und Kommunikationsgeräten, die von Terroristen mitgeführt wurden, gleichzeitig detonierten.

Israel hat bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass seine Agenten tief in den Iran eingedrungen sind. Im vergangenen Sommer tötete Israel den Hamas-Führer Ismail Haniyeh, indem es eine Bombe in seine Unterkunft in einer Einrichtung der Revolutionsgarde in Teheran schmuggelte und sie während seiner Teilnahme an der Amtseinführungszeremonie des neuen iranischen Präsidenten Masoud Peseschkian zündete.

Mehrjährige Vorbereitungen

Während der gesamten Kampagne umfassten die Operationen des Mossads im Iran die Jagd nach führenden Zielpersonen des Regimes. Dabei waren Drohnen ein fester Bestandteil der israelischen Operationen. Bereits im Jahr 2022 setzten Agenten mit Sprengstoff beladene Quadcopter ein, um eine iranische Drohnenfabrik in der westiranischen Stadt Kermanshah anzugreifen. Im folgenden Jahr griffen sie mit Drohnen eine Munitionsfabrik in Isfahan an.

Der Mossad begann bereits Jahre im Voraus mit den Vorbereitungen für die aktuelle Drohnenoperation. Er verfügte über Informationen über die Standorte der iranischen Raketenlager, musste jedoch angesichts der Größe des Landes und der Entfernung zu Israel zunächst die richtigen Positionen für einen Angriff finden. Der Mossad importierte die Quadcopter über kommerzielle Kanäle und nutzte dabei häufig ahnungslose Geschäftspartner. Agenten vor Ort sammelten die Munition und verteilten sie an die Einsatzteams. Israel bildete die Teamleiter in Drittländern aus, die anschließend ihre jeweiligen Teams trainierten.

Die Teams beobachteten, wie der Iran Raketen einsetzte und griffen sie vergangene Woche an, bevor sie für den Abschuss positioniert werden konnten. Dabei war sich der Mossad bewusst, dass Lastwagen, die Raketen vom Lager zu den Abschussstellen transportierten, einen kritischen Engpass für den Iran darstellten, der über viermal mehr Raketen als Transportfahrzeuge verfügte. Die Teams schalteten Dutzende von Lastwagen aus und setzten ihre Operationen bis weit in den Freitag hinein fort.

Die Operationen und ihre öffentliche Bekanntgabe haben laut Sina Shine eine weitere bedeutende Auswirkung: »Niemand in der iranischen Führung kann sicher sein, dass er dem israelischen Geheimdienst nicht bekannt ist und nicht zum Ziel wird. Es geht nicht nur um den verursachten Schaden, sondern auch um die psychologische Verunsicherung, die dadurch entsteht.«

Der Text erschien auf Englisch zuerst beim Jewish News Syndicate. (Übersetzung von Alexander Gruber.)

Bleiben Sie informiert!
Mit unserem wöchentlichen Newsletter erhalten Sie alle aktuellen Analysen und Kommentare unserer Experten und Autoren.

Zeigen Sie bitte Ihre Wertschätzung. Spenden Sie jetzt mit Bank oder Kreditkarte oder direkt über Ihren PayPal Account. 

Mehr zu den Themen

Das könnte Sie auch interessieren

Wir reden Tachles!

Abonnieren Sie unseren Newsletter und erhalten Sie alle aktuellen Analysen und Kommentare unserer Experten und Autoren!

Nur einmal wöchentlich. Versprochen!