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Moscheeverbände sind Teil des Problems

Eren Güvercin: Moscheeverbände sind Teil des Problems

Im Mena-Watch-Podcast warnt der Publizist Eren Güvercin vor der wachsenden Anfälligkeit muslimischer Milieus für islamistische und antisemitische Narrative.

Der Journalist, Autor und Mitgründer der in Köln ansässigen säkular-muslimischen Alhambra-Gesellschaft Eren Güvercin gehört seit Jahren zu den schärfsten Kritikern des politischen Islams. Im Mena-Watch-Podcast beschreibt er, wie die Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023 zu einer ideologischen Zäsur innerhalb der muslimischen Community geführt haben. Seit diesem Tag, so Güvercin, sei eine deutliche Enthemmung in der Rhetorik festzustellen. Selbst Gruppen, die sich zuvor feindlich gegenüberstanden, hätten ihre Differenzen zurückgestellt und sich in ihrer Feindschaft gegenüber Israel und den Juden vereint.

Besonders kritisch äußert sich Güvercin zu den großen Moscheeverbänden wie DITIB, IGMG oder dem Zentralrat der Muslime in Deutschland. Statt die Hamas eindeutig als Terrororganisation zu benennen, hätten ihre Repräsentanten relativierende Stellungnahmen abgegeben. »Diese Verbände sind nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems«, konstatiert er.

Ein weiteres Problem sieht er in der Dynamik islamistischer Netzwerke in den sozialen Medien. Trotz des Verbots zum Beispiel von Hizb ut-Tahrir, die als Terrororganisation eingestuft wird, sei die Gruppierung heute auf Plattformen wie TikTok oder Instagram so sichtbar wie nie zuvor. Unter wechselnden Namen erreiche sie Hunderttausende junger Muslime mit radikalen, antisemitischen Botschaften – und finde damit ihre Bühne gerade bei denjenigen, die am empfänglichsten für einfache Antworten sind.

Kein Weiter so

Für Eren Güvercin ist klar: Eine Fortsetzung der bisherigen Religionspolitik kann es nicht geben. Der Islam in Deutschland müsse sich von ausländischen Einflussnahmen befreien – vor allem aus Ankara und Teheran – und in einem hier verwurzelten, selbsttragenden Rahmen eine eigene Identität entwickeln. Nur, wenn ein muslimisches Leben entsteht, das als ein selbstverständlicher Teil zu Deutschland gehört, könne eine Radikalisierung dauerhaft zurückgedrängt werden.

Als Resümee formuliert Güvercin einen doppelten Anspruch: Einerseits müsse der Rechtsstaat konsequenter gegen Islamisten vorgehen, zugleich aber ein positives Gegenmodell ermöglichen, also einen Islam, der im demokratischen Rahmen beheimatet ist und als integraler Teil einer pluralistischen Gesellschaft wirkt. Nur so, betont er im Podcast, lasse sich islamistischer und antisemitischer Propaganda langfristig der Boden entziehen.

Das gesamte Gespräch hören Sie in unserer Mena-Talk-Podcast-Reihe.

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