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Muqtada al-Sadr befürchtet Übergreifen der iranischen Turban-Kampagne auf Irak

Der Anführer der antiiranischen schiitischen Bewegung im Irak Muqtada al-Sadr
Der Anführer der antiiranischen schiitischen Bewegung im Irak Muqtada al-Sadr (© Imago Images / NurPhoto)

Im Iran protestieren Jugendliche gegen das Mullah-Regime, indem sie Klerikern die Turbane vom Kopf schlagen. Der Anführer der irakischen Sadristen-Bewegung befürchtet ein Überschwappen dieser neuen Bewegung auf das eigene Land.

Der Anführer der antiiranischen schiitischen Sadristen-Bewegung im Irak, Muqtada al-Sadr, hat sich in jüngster Zeit ruhig verhalten, um zu zeigen, dass er die neuen politischen Gegebenheiten im Irak akzeptiert, zu denen vor allem die Kontrolle der Regierung und des Parlaments durch seine proiranischen schiitischen Rivalen im Koordinationsrahmen gehört. Doch nun hat sich der Sadristen-Führer erneut zu Wort gemeldet und seine Befürchtung geäußert, die irakische Jugend könnte sich ein Beispiel an den antiklerikalen Protesten im Iran nehmen.

Was Sadr besonders beunruhigt, ist die Praxis junger iranischer Teenager, den Mullahs auf der Straße die Turbane vom Kopf zu schlagen, um so gegen die herrschende Theokratie aufzubegehren. Der neue »Volkssport« ist Teil der anhaltenden Proteste der Bevölkerung, die seit Mitte September nicht abebben. In den letzten Wochen haben junge Iraner Dutzende Videos gedreht, die zeigen, wie sie Klerikern auf der Straße die Turbane vom Kopf schlagen. Die Videos werden in den sozialen Medien verbreitet und dienen als Zeichen der Verachtung für die Kleiderordnung des klerikalen Regimes sowie als symbolische Veranschaulichung des Wunsches, das Regime selbst zu stürzen.

Sadr macht keinen Hehl aus seiner Besorgnis über die mögliche Ausbreitung der symbolbehafteten Bewegung auf den Irak, wo die Kleriker, die für viele Missstände seit 2003 verantwortlich gemacht werden, ebenfalls zur Zielscheibe des Zorns der Straße werden könnten. So äußerte sich der populistische Politiker kürzlich in einem Tweet besorgt darüber, die Iraker könnten den iranischen Demonstranten nacheifern, indem sie den Klerikern die Turbane vom Kopf reißen und sich für die Abschaffung des Hidschabs bei Frauen einsetzen. »Der Angriff auf den Klerus und den Schleier könnte sich auf andere Länder ausweiten«, schrieb Sadr.

Analysten meinen, Sadr habe mit der Turban-Kampagne ein neues Thema entdeckt, mit dem er bei seinen Anhängern punkten kann, von denen die meisten einfache Bürger sind, die den Klerus ungeachtet seiner Fehler und fragwürdigen Entscheidungen verehren. In Besorgnis über die iranische Kampagne findet der Sadr-Führer obendrein einen gemeinsamen Nenner mit dem irakischen schiitischen Klerus, der befürchtet, seine politische und gesellschaftliche Legitimität könnte bedroht sein.

Sadr hat sich durch seine jüngsten politischen Entscheidungen persönlich diskreditiert, insbesondere durch seine Unfähigkeit, eine Regierung zu bilden, obwohl er bei den Wahlen im letzten Jahr den ersten Platz belegte, dann durch den Rückzug der sadristischen Abgeordneten aus dem Parlament und schließlich durch die Aufstachelung seiner Anhänger, die zu unnötigem Blutvergießen führte.

Analysten sind der Ansicht, dass Sadr mit seiner Entscheidung, sich nach seinen politischen Misserfolgen selbst zu isolieren, seine Unfähigkeit im Umgang mit pro-iranischen Parteien und Milizen bewiesen hat. Seine politische Ohnmacht könnte der verärgerten irakischen Öffentlichkeit einen weiteren Hinweis darauf geben, dass die Kleriker nicht in der Lage sind, die öffentlichen Angelegenheiten zu regeln und ihre Fehlentscheidungen eine direkte Ursache für die Krisen im Land sind: die sich verschlechternden öffentlichen Dienstleistungen sowie die hohen Arbeitslosen- und Armutsraten, die trotz des Ölreichtums herrschen und zumeist auf die weit verbreitete Korruption zurückzuführen sind.   

Letztlich fürchten Sadr und die übrigen Kleriker eine Revolte wie jene der Iraner, welche ihre Angst überwunden zu scheinen haben und nun offen die theokratische Herrschaft und den Obersten Führer Ayatollah Ali Khamenei ins Visier nehmen. So könnte die irakische Jugend versucht sein, ihren Aufstand vom Oktober 2019 zu wiederholen, der sich gegen religiöse Parteien, konfessionelle und ethnische Quoten sowie die iranische Einmischung in irakische Angelegenheiten richtete. Beobachter sind der Ansicht, dass eine Wiederholung dieses Szenarios durchaus wahrscheinlich geworden ist, insbesondere, nachdem Sadr die Übergabe der Macht an pro-iranische Parteien und Milizen akzeptiert hat.

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