„Monument des Sieges“: Istanbuls neuer Flughafen

Baustelle des neuen Istanbuler Flughafens. Quelle: Jekader/Wikimedia Commons.

„Da steht es nun, das ‚Monument des Sieges‘. Das Symbol, mit dem die Türkei in die Weltelite aufsteigen will. Ihr Präsident Recep Tayyip Erdogan hat sein liebstes Prestigeprojekt einst so genannt. Jetzt ist es fertig und dominiert die hügelige Landschaft 35 Kilometer nördlich von Istanbuls Zentrum, an der Küste des Schwarzen Meeres. Wo einst Kohle abgebaut wurde, was eine Kraterlandschaft hinterlassen hat, ist Europas größter Flughafen entstanden, größer als die Flughäfen London-Heathrow, Paris – und Frankfurt. In ein paar Jahren, nach zusätzlichen Erweiterungen, soll er sogar der größte der Welt sein.

Es ist ein gewaltiges Projekt. Mehr als sieben Milliarden Euro hat es bisher gekostet, so viel wie kein anderes einzelnes Vorhaben des Landes. Es wird dominiert von einem gigantischen Terminal, an dem 114 Flugzeuge gleichzeitig abgefertigt werden können, dreimal so viel wie am alten Istanbuler Flughafen Atatürk. Innen ist es hell und weiträumig, gesäumt von weißen Säulen und Kuppeldecken, die ein bisschen orientalische Atmosphäre versprühen. Davor entsteht gerade eine Moschee. Zwischen den beiden Landebahnen ragt der neue Kontrollturm heraus, in Form einer Tulpe, die an die guten Zeiten des Osmanischen Reichs erinnern soll. (…)

Allerdings läuft auch in Istanbul nicht alles reibungslos: Nach der Eröffnung am Montag werden zunächst nur fünf Flugzeuge am Tag abheben. Aber der eigentliche Start wird, anders als in Berlin, nur um zwei Monate auf Ende Dezember verschoben. Offiziell wird das mit dem Wunsch von Turkish Airlines begründet, die Abläufe in neuer Umgebung erst zu erproben. Es dürfte aber auch an Bauverzögerungen liegen. Vor kurzem streikten und rebellierten die Arbeiter wegen der schlechten Arbeits- und Unterkunftsbedingungen. Die Polizei beendete den Aufstand gewaltsam, es gab Festnahmen. Offiziell sind bisher 30 Arbeiter während der Bauzeit durch Unfälle gestorben, eine Gewerkschaft spricht von bis zu 400. Die Proteste werfen zusammen mit dem Vorwurf mangelhaften Umweltschutzes einen Schatten auf Erdogans Prestigeobjekt. Hinzu kommen Baurisiken durch den hohen Zeitdruck und den labilen Untergrund, auf dem das Terminal steht. (…)

Wie stark Frankfurt und die anderen großen Flughäfen am Ende wirklich leiden, hängt also von der Entwicklung von Turkish Airlines ab, dem Hauptkunden am Istanbuler Flughafen. Und von der Wirtschaftslage in der Türkei. Bisher haben die ökonomischen Schwierigkeiten in diesem Jahr mit Lira-Verfall und hoher Inflation das Projekt nicht gebremst. Denn der Hauptteil der Baumaßnahmen war schon erledigt, bevor sich die Lage verschärfte.“ (Dyrk Scherff: „Erdogans Prestige-Projekt“)

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