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Mohammed bin Salman zu Besuch in der Türkei

Erdogan empfängt saudischen Kronprinz Mohammed bin Salman in der Türkei
Erdogan empfängt saudischen Kronprinz Mohammed bin Salman in der Türkei (© Imago Images / Depo Photos)

Die Visite des saudischen Kronprinzen beim türkischen Premierminister deutet auf eine Intensivierung der wirtschaftlichen und politischen Beziehungen hin.

Obwohl sich eine Verbesserung der – insbesondere aufgrund der Ermordung des saudischen Dissidenten Jamal Khashoggi – spannungsgeladenen Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und der Türkei angedeutet hatte, rechnete bis vor Kurzem niemand mit einem derart raschen Durchbruch und den darauf folgenden hochkarätigen Besuchen zwischen den beiden Ländern.

Am vergangenen Mittwoch besuchte schließlich der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman die Türkei und wurde vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan mit einer Umarmung in Ankara empfangen. Diese herzlich Begrüßungsgeste steht im Gegensatz zu den Auseiandersetzungen zwischen den beiden Männern in den letzten Jahren.

Nach den Gesprächen hieß es in einer gemeinsamen Erklärung, Erdogan und bin Salman hätten über die Verbesserung der gegenseitigen Beziehungen und Investitionen in verschiedenen Bereichen gesprochen, darunter die Ressorts Energie und Verteidigung.

Die Erklärung besagte, dass Saudi-Arabien und die Türkei beschlossen haben, die Konsultation und Zusammenarbeit in regionalen Fragen zu vertiefen, um Stabilität und Frieden in der Region zu fördern.

Die beiden Staatsmänner bekräftigten ihre Absicht, eine neue Ära der Zusammenarbeit in den bilateralen politischen, wirtschaftlichen, militärischen und sicherheitspolitischen Beziehungen einzuleiten und äußerten ihren Wunsch, an der Entwicklung von Projekten im Energiebereich zu arbeiten, heißt es in der Erklärung.

Weiters wurde verlautbart, dass beide Seiten vereinbart haben, die gemeinsam unterzeichneten Abkommen im Bereich der Verteidigungszusammenarbeit zu aktivieren, um den Interessen beider Länder zu dienen und zur Gewährleistung der Sicherheit und Stabilität in der Region beizutragen.

Der arabischsprachige Sender der BBC kam zu dem Schluss, dass sich Erdogans Annäherung an Saudi-Arabien durch den Wunsch der Türkei erklärt, Handel, Investitionen und Finanzhilfe ins Land zu ziehen, um die sich verschärfende Wirtschaftskrise bewältigen zu können; während Prinz Mohammed bin Salman seine starke regionale Rolle wiederherstellen möchte.

Warnung vor vorschnellem Optimismus

Der Vorsitzende der oppositionellen Republikanischen Volkspartei in der Türkei, Kemal Kılıçdaroğlu, griff den türkischen Präsidenten im Zusammenhang mit bin Salmans Besuch am vergangenen Mittwoch an und sagte, Erdogan »bettle um Geld«.

Beobachter glauben, dass der jüngste Wandel in der türkischen Außenpolitik und die Annäherung an die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien vor allem durch die Wirtschaftskrise in der Türkei motiviert sind. Die Wirtschaft gilt als eine der größten Herausforderungen für Erdogan, vor allem im Hinblick auf die für Juni 2023 angesetzten Präsidentschaftswahlen.

Nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu geht man davon aus, dass der Besuch bin Salmans in Ankara die Entwicklung der Region zum Nutzen der beiden Länder wie der gesamten Region beeinflussen könnte.

»Die Reise des saudischen Kronprinzen in die Türkei, nach Ägypten und Jordanien könnte im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Besuch von US-Präsident Joe Biden im Nahen Osten Mitte Juli den Weg für die Bildung eines regionalen Bündnisses mit politischer und sicherheitspolitischer Dimension ebnen.«

Der Türkei-Experte Saeed Al-Hajj hingegen warnte vor voreiligem Optimismus.

»Man kann zwar sagen, dass der Besuch von Prinz Mohammed bin Salman in Ankara das Eis zwischen der Türkei und Saudi-Arabien zum Schmelzen gebracht und den Wunsch der beiden Parteien gezeigt hat, eine neue Seite aufzuschlagen.

Es wäre jedoch verfrüht, allzu schnelle Schritte oder große Sprünge in den Beziehungen der beiden Länder zu erwarten, da die aktuellen Daten, die historischen Vorbilder und die Schatten der vergangenen Jahre darauf hindeuten, dass der Verlauf der Entwicklung ihrer Beziehungen langsam und vorsichtig sein wird – es sei denn, es kommt zu einem großen und plötzlichen Wandel, der die Gleichungen in der Region grundlegend verändert.«

Vor der momentanen (Wieder-)Annäherung hatten sich die Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und der Türkei in den letzten Jahren aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über die Beherbergung der Muslimbruderschaft in der Türkei, Libyen und die Ermordung des saudischen Journalisten Khashoggi verschlechtert. Erdoğan hatte »Parteien auf den höchsten Ebenen der saudischen Regierung« beschuldigt, hinter Kashoggis Ermordung zu stecken.

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