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Mit Social Media gegen Antisemitismus in den Social Media

Online-Kampagne der Anti-Defamation League gegen Antisemitismus
Online-Kampagne der Anti-Defamation League gegen Antisemitismus (Quelle: adl.org)

Alle Augen sind auf Amerika gerichtet, wo Unruhen eskalieren, und COVID 19 besonders heftig wütet. Mit der internationalen Verbreitung des Virus nimmt allerdings auch der Hass gegen Juden und Israel in weiten Teilen der Welt bedenklich zu. Auf digitalen Plattformen finden antisemitische Verschwörungstheorien ein besonders empfängliches Publikum. Engagierte Aktivisten setzen nun auf eben diesen Plattformen zum Gegenangriff an.

Dieser Tage sind öffentliche Versammlungen tabu. Das hindert viele aber nicht daran, zum gemeinsamen Kampf gegen den Antisemitismus aufzurufen. „Wir dürfen uns jetzt nicht zurücklehnen und tatenlos zusehen, wie die Hasser ihr Gift versprühen“, mahnt beispielsweise Mark Jacobs in der Zeitschrift The Jewish News.

Es gelte, sich mit Gleichgesinnten zu vereinen, Rassisten zu entlarven, ihre Verleumdungen aufzudecken, Politiker zu aktivieren und sich vokal gegen den Antisemitismus einzusetzen. „Und all das“, so das AIPAC-Führungsmitglied weiter, „können wir bequem in Jogginghosen und Hausschuhen von daheim aus erledigen.“

Tatsächlich wurden in den letzten Monaten diverse digitale Initiativen gegen Rassismus und Antisemitismus ins Leben gerufen. Sie verfolgen unterschiedliche Ansätze.

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Ansatz 1: Information und Aufklärung

Die Anti-Defamation League (ADL) hat unter dem Motto „Fighting Hate From Home“ eine umfangreiche Webinar-Serie gestartet, um Menschen über neueste antisemitische Ausschreitung zu informieren und ihnen Tipps zu geben, wie sie, als Einzelne und von zu Hause aus, effektiv dagegen ankämpfen können.

Gemeinsam, so der ADL-Aufruf, würde man sicherstellen, dass der Hass sich in dieser Krisenzeit nicht gefährlich festsetzt.

Ein ähnliches Ziel verfolgt auch eine Studentengruppe in der prestigereichen Johns Hopkins Universität in Baltimore. Ihr Projekt „Connect to Protect“ richtet sich nicht nur gegen den Antisemitismus, sondern allgemein gegen Rassismus und Vorurteile am Campus.

Es besteht aus Social Media Challenges, Online Trivia Spielen und Blog Posts. Zudem hat das Studententeam auch die „Labels“-Initiative mit Videos und anderen Online-Elementen ins Leben gerufen. Dabei zeigen Studenten auf Plakaten, mit welchen „Labels“ sie assoziiert worden sind. Bei einigen Studenten steht die Bezeichnung „Jude“, bei einem ihrer asiatischen Kommilitonen nur „Corona“.

„Ich hoffe, dass wir durch gezielte Aufklärung und Streuung einer kameradschaftlichen Botschaft, die Verbreitung von Rassenvorurteilen verhindern können“, so einer der involvierten Studenten. Klar, die Amateurkampagne hat einen limitierten Wirkungskreis. Mit einem Mini-Budget von nur 1.000 US-Dollar generierte sie aber immerhin 120.000 Zugriffe und gilt somit als nachahmungswürdig.

Auch in Israel trachtet man verstärkt, dem steigenden Antisemitismus entgegenzuwirken. Das israelische Ministerium für strategische Angelegenheiten hat eine neue, weitgefächerte 4IL-online Informationskampagne gestartet. Auf Facebook, Twitter und Instagram arbeitet das Ministerium mit Jugendlichen aus Israel und aus dem Ausland zusammen, um antisemitische Tendenzen zu identifizieren, sie den zuständigen Behörden zu melden und sie baldmöglichst zu stoppen.

Gleichzeitig setzt die 4IL-Initiative auf positive News. So wird hier aktuell darüber berichtet, wie Israel mit internationalen Gremien kollaboriert, um das Corona Virus zu besiegen, und welche entscheidende Rolle dabei die israelische Technologie spielt.

Ansatz 2: Emotion

Einen anderen Ansatz wählt der European Jewish Congress (EJC). Unter der Ägide  von Moshe Kantor hat der Verein bereits knapp vor dem weltweiten Ausbruch des Corona Virus die online Kampagne „Stop this Story“ gestartet.

Kernstück ist ein Instagram-Video mit 3D-Effekt, bei dem diverse antisemitische Schandtaten von 1938 bis heute im Zeitraffer im Hintergrund vorbeiziehen während im Vordergrund ein Mädchen graduell zur Greisin altert. Verdeutlicht wird damit, wie Rassismus und Angst ein Leben lang fortbestehen. Am Ende dann die Aufforderung auf vorgehaltener Hand, die langwährende Story [endlich] zu stoppen.

Zuseher werden gebeten, sich der Kampagne über Augmented Reality-Funktionen anzuschließen, und selbst mit ihrer Hand als Stoppschild gegen den Antisemitismus aufzutreten. Diverse prominente Persönlichkeiten sind dem Aufruf gefolgt. Allen voran, Israels Staatspräsident Reuben Rivlin, Top Model Bar Refaeli, „The Crown“-Star Vanessa Kirby und die Sportler Omri Casspi und Eran Zahavi.

„Social Netzwerke sind der beste Weg, um unsere Botschaft zu streuen“, bekräftigt Kantor. Auch er beteuert, er glaube in erster Linie an Informationszufuhr und Aufklärung im Kampf gegen den Antisemitismus.

Allerdings setzt er dabei nicht nur auf eine sachliche, trockene Darstellung der Fakten. Bei der „Stop the Story“-Kampagne kommt auch noch eine emotionale Komponente hinzu. Die dramatische, musikalische Untermalung, das authentische Hitler-Gebrüll, die Bilder vom Nazi-Grauen, aber auch jene, zeitnähere, von dem Machete-Angriff in New York, der Schießerei in New Jersey und dem Anschlag in Halle sollen beim Zuseher zusätzlich Empathie schaffen.

Ansatz 3: Humor

Wiederum einen anderen Ansatz wählten Hallel Silverman und Tali Wiesenthal in ihrem Projekt „Mean Tweets Israel Edition“. Die beiden Studenten am IDC Center in Herzliya schnitten sich eine Scheibe vom berühmten US-Komiker Jimmy Kimmel ab, der mit seinen „Mean Tweets“, das amerikanische Publikum seit 2015 begeistert.

Die Idee: Anstatt sich über absurde Kritik aufzuregen, lesen bekannte Persönlichkeiten die übelsten Beschimpfungen, die ihnen der eine oder andere feindselige Twitter-User angedeihen lässt, laut vor. Ihre verdutzte Miene dabei zu beobachten, wie sie die Post lesen, wirkt entwaffnend und erheiternd. Der Urheber der Beleidigungen, aber, katapultiert sich auf diese Weise mit seinen grotesken Beleidigungen selbst ins Out.

Genau dieses Ziel wollten Silverman und Wiesenthal erreichen. Den beiden gelang es, diverse bekannte Persönlichkeiten, wie die Komikerinnen Sarah Silverman und Chelsea Handler, sowie die frühere Miss Irak Sarai Sarah Idan, aber auch Aktivisten, wie den LGBTQ-Vorkämpfer, Muhammad Zoabi, für ihr Projekt zu gewinnen.

„Sie schaffen auf satirische Weise Aufmerksamkeit für die Verbreitung des Antisemitismus“, erklärt Hallel Silverman und fügt hinzu: „Wie gehen Juden mit Problemen um? Mit Humor!“ Auch die Teilnahme der prominenten Persönlichkeiten hilft der Sache weiter. „Millenials und Generation Z-ler wollen keine Politiker mehr hören. Sie sind viel empfänglicher dafür, was ihre populären Vorbilder sagen und denken“, so Silverman weiter.

Das „Mean Tweets Israel Edition“-Projekt schafft auch Bewusstsein für den CORONA-Antisemitismus. „Jetzt, da die Welt mit dem Virus beschäftigt ist, sehen wir, dass sich der Antisemitismus in direkter Relation zu CORONA manifestiert“, erklärt Dr. Efraim Zuroff vom Simon Wiesenthal Center in Israel.

Es seien Verschwörungstheorien über die jüdische Schuld an der Seuche, ihre Geldgier, und die mangelnde Kooperationsbereitschaft Israels in Sachen Impfungen und Medizin in Umlauf. Gegen diese neue Variante eines alten Übels wollen die Projektgründer vorgehen.

Darüber, wie erfolgreich sie mit ihrem Video sein können, machen sie sich keine Illusion. „“Ich meine nicht, dass ich Menschen dazu bringen kann, komplett umzudenken“ räumt Silverman ein, „aber vielleicht bringt es den einen oder anderen dazu, ein wenig nachzudenken.“

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