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Südafrika: Hauptsache, die Juden sind schuld

Von Thomas von der Osten-Sacken

Kein anderes Wahnsystem sonst schafft es, politische Feinde zusammenzubringen, tiefe Gräben zu überbrücken, Widersprüche scheinbar aufzuheben – der Antisemitismus macht es möglich. Da finden sich plötzlich Menschen Seite an Seite im Kampf gegen vermeintliche jüdische Strippenzieher und Verschwörer, die sonst kaum eine Gemeinsamkeit aufweisen. Geht es gegen die imaginierte jüdische Weltherrschaft oder den realexistierenden jüdischen Staat, passt zwischen tiefreligiöse Gläubige und säkulare Kommunisten, zwischen weiße Rassisten und schwarze Aktivisten plötzlich kein Blatt mehr.

Schon in der Nazipropaganda zogen die Juden die Fäden in kommunistischer Partei und Gewerkschaftsbewegung, wo sie zum Klassenkampf mobilisierten, während sie gleichzeitig als hässliche Kapitalisten die Banken kontrollierten.

Heute nun gibt sich, glaubt man Anhängern des African National Congress (ANC) in Südafrika, Israel selbst als Apartheidstaat und, wie jüngst ein südafrikanischer Autor schrieb, man solle nicht vergessen: „Gaza in 2018 ist Soweto in 1976 ist Selma in 1965“. Obwohl Israel zu den frühen Kritikern der Apartheid gehörte, unterhielten die beiden Länder vor allem nach dem Jom-Kippur-Krieg 1973 und der scharfen anti-israelischen Wende zahlreicher schwarzafrikanischer Staaten gute militärische und wirtschaftliche Beziehungen, die auch für entsprechende Kritik sorgten. Aber die Apartheid ist längst Geschichte – trotzdem stehen heute südafrikanische Politiker und sogar die Regierung an vorderster Front, wenn es gegen Israel geht.

Offiziell unterstützt der ANC seit 2014 die BDS-Kampagne und betont immer wieder, dass es ihm dabei darum gehe, das Apartheidregime, das angeblich in Israel herrsche, zu beenden:

„Wir werden unsere praktische Solidarität fortsetzen und damit fortfahren, Israel unter Druck zu setzen, um dessen Menschenrechtsverletzungen, Apartheid-Politik und Verstöße gegen internationales Recht zu beenden. Bis dies geschieht, ist der Kampf des palästinensischen Volkes unser Kampf, so wie unser Kampf einst seiner war!“

Es ist genau dieser ANC, der nun kürzlich ein Gesetz auf den Weg brachte, dass die Enteignung weißer Farmer vorsieht. Noch immer gehören in Südafrika 72% allen Farmlandes Weißen, die gerade einmal 9% der Bevölkerung ausmachen. Dieser Plan sorgte weltweit für Empörung, vor allem in rechtspopulistischen Kreisen und in den USA in Gruppen so genannter „White Supremacists“. Sogar der amerikanische Präsident Donald Trump fühlte sich bemüßigt, das Gesetz in einem Tweet zu kritisieren. In den USA war es nun ausgerechnet die Anti Defamation League, eine jüdische und proisraelische Organisation, die Trump für seine Äußerung verurteilte:

„In einer Stellungnahme sagte die ADL, es sei ‚sehr verstörend, dass der Präsident der Vereinigten Staaten eine alte und falsche Behauptung weißer Rassisten aufgreift, wonach weiße Farmer das Ziel zahlreicher rassistisch motivierter Morde durch Südafrikas schwarze Mehrheit seien.‘“

Und wie reagieren die White Supremacists, denen Sympathien für die Anliegen des ANC ganz sicher nicht unterstellt werden können? Jüngst diskutierten darüber zwei von ihnen, der amerikanische Neonazi und ehemalige Ku-Klux-Klan-Chef David Duke und Mark Fellon von der Jugendorganisation der British National Party, und kamen zu dem Schluss, dass der „Genozid“ an den Weißen in Südafrika vom zionistischen Establishment unterstützt werde.

Hauptsache die Juden bzw. Zionisten sind schuld: ob als Kommunisten oder Kapitalisten, oder eben als Unterstützer der Apartheid wie Helfershelfer beim fantasierten Völkermord an weißen Südafrikanern.

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