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„Women’s March“ wirft drei Antisemitinnen aus dem Vorstand

 

Von Thomas Eppinger

„Women’s March“ hat sich von Linda Sarsour, Tamika Mallory und Bob Bland getrennt. Ihnen war wiederholt Antisemitismus vorgeworfen worden. Vorbehalte bleiben.

Einem Bericht der Washington Post zufolge sind sind die drei Aktivistinnen bereits im Juli dieses Jahres aus dem Vorstand der Bewegung ausgeschieden. Sie wurden durch 16 neue Vorstandsmitglieder ersetzt. Die Organisation gab die Veränderung in der Führungsriege erst jetzt bekannt. Bis Anfang dieser Woche wurden die drei noch mit Fotos und Titeln auf der Website der Organisation geführt.

Der dritte Marsch im Jänner 2019 war von Vorwürfen überschattet. Kontroversen um Antisemitismus, klandestine Finanzgeschäfte und interne Streitigkeiten hielten hochkarätige Unterstützer und Organisationen davon ab, am diesjährigen Protestzug teilzunehmen. Die Zahl der Sponsoren sank von 570 im Jahr 2017 auf 200. Das stürmische Wetter tat ein Übriges, die Teilnehmerzahlen waren enttäuschend.

Im ersten „Women’s March on Washington“ am 21. Jänner 2017, dem Tag nach der Amtseinführung Donald Trumps, hatten rund eine halbe Million Teilnehmerinnen in Washington für Menschen- und Frauenrechte demonstriert, für eine Reform des US-Einwanderungs- und Gesundheitswesens, für LGBTQ-Rechte, „Rassengleichheit“ bzw. Bürgerrechte, Religionsfreiheit und Arbeiterrechte. Adressat des Protests war Donald Trump. Zusammen mit den landesweiten solidarischen „Sister Marches“ gingen an diesem Tag laut CNN über eine Million Menschen in Amerika auf die Straße. Weltweit demonstrierten je nach Schätzung zwischen zwei und sieben Millionen Menschen in 673 Städten.

Rassismus und Antisemitismus im Vorstand

Schon kurz nach dem Marsch häuften sich die Vorwürfe gegen die Organisatorinnen, vor allem gegen Linda Sarsour. Die Tochter palästinensischer Einwanderer lobte die Sharia für zinsfreie Hypotheken und Kreditkarten, rechtfertigte das Verbot für Frauen Auto zu fahren in Saudi-Arabien mit dem dort angeblich besseren Mutterschutz, signalisierte auf Bildern ihre Unterstützung für den Jihad und twitterte über die islamkritische Ayaan Hirsi Ali, die selbst Opfer einer Genitalverstümmelung ist, sie wünschte, sie könne ihr „ihre Vagina wegnehmen, weil sie es nicht verdiene eine Frau zu sein“. Die entschiedene Gegnerin des Staates Israel unterstützt die antisemitische BDS-Kampagne, die den totalen wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Boykott Israels fordert. Die hasstriefende Rede eines anti-israelischen Aktivisten teilte sie auf Twitter mit den Worten: „Nichts ist gruseliger als der Zionismus“. Hannes Stein nannte Sarsour die „Verkörperung der Synthese der totalitären Linken mit dem radikalen Islam“.

Im November 2018 forderte eine Mitbegründerin des Women’s March, Teresa Shook, die Vorstandsmitglieder Bland, Mallory, Sarsour und Carmen Perez zum Rücktritt auf: „Bob Bland, Tamika Mallory, Linda Sarsour und Carmen Perez haben die Bewegung als Anführer des Frauenmarschs von ihrem ursprünglich intendierten Kurs abgebracht. Ich habe gewartet und gehofft, dass sie das in Ordnung bringen, doch haben sie das nicht getan. Indem sie sich geweigert haben, sich von Gruppen zu trennen, die hasserfüllte und rassistische Ansichten propagieren, haben sie zugelassen, dass antisemitische und LGBTQIA-feindliche Einstellungen und hasserfüllte und rassistische Rhetorik ein Teil ihrer Plattform geworden sind.“

Die vier wurden immer wieder für ihre Nähe zum Anführer der radikalen „Nation of Islam“ Louis Farrakhan kritisiert, der sich regelmäßig antisemitisch und homophob äußert. Das Tablet Magazin veröffentlichte im Dezember 2018 eine umfassende Reportage über den Judenhass hinter der Bewegung. Zum Beispiel hätten Mallory und Perez bei einem Treffen mit Bland im Jahr 2016 die jüdische Mitstreiterin Vaness Wruble mit der antisemitischen Lüge aus Farrakhans Buch „The Secret Relationship Between Blacks and Jews“ konfrontiert, die Juden hätten eine führende Rolle im amerikanischen Sklavenhandel gespielt und seien insbesondere für die spätere Ausbeutung der Schwarzen verantwortlich. „Euer Volk besitzt den ganzen Reichtum“, sei Wruble vorgeworfen worden. Mallory wies die Vorwürfe zurück, bestätigte aber, dass sie gesagt habe, sie würde „weißen Frauen nicht trauen“, Wruble eingeschlossen.

Im Jänner dieses Jahres beendeten die US-Demokraten und andere Organisationen die Zusammenarbeit mit der Protestbewegung wegen der Antisemitismusvorwürfe und der mangelnden Distanz zu Farrakhan.

Vom Regen in die Traufe

Ob die Veränderung im Vorstand von „Women’s March“ tatsächlich eine Abkehr vom antisemitischen Grundtenor bedeutet, bleibt abzuwarten. Einiges deutet darauf hin, dass sie nur eine kosmetische Reaktion auf die wachsende Kritik an der Organisation ist, um sich für das Wahljahr 2020 bei potenziellen Sponsoren und Unterstützern besser aufzustellen.

Carmen Perez ist nach wie vor im Vorstand der Bewegung. Und das neue Vorstandsmitglied Zahra Billoo, eine Bürgerrechtsanwältin aus der San Francisco Bay Area, forderte 2015 auf Twitter: „Die Homeland Security und das FBI sollten mit ‚Countering Violent Extremism‘ (Bekämpfung von gewalttätigem Extremismus) Programmen Unterstützer Israels ins Visier nehmen, denn der Zionismus ist eine sehr reale Bedrohung unserer nationalen Sicherheit.“

Antisemitismus ist wie Herpes. Einmal angesteckt, wird man ihn nicht mehr los.

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