Mena-Exklusiv

Wo ein Foto mit einer Israelin als Delikt gilt

Von Stefan Frank

Der libanesischen Schönheitskönigin Miss Earth Libanon“, Salwar Akar, ist ihr Titel aberkannt worden, weil sie anlässlich der Vorbereitungen der Miss Earth-Wahl auf den Philippinen für ein Foto mit Dana Zreik, der Miss Earth Israel, posiert hatte. Der Miss-Earth-Wettbewerb ist ein Schönheitswettbewerb, der das Bewusstsein für den Umweltschutz fördern soll.

Auf dem inkriminierten Foto zeigen die beiden das „Victory“-Zeichen. Zreik, die eine arabische Israelin ist, habe sie auf Arabisch angesprochen, sagte Akar, darum habe sie sie „für eine Palästinenserin“ gehalten und keinesfalls gewusst, dass sie Israelin sei. Doch da Zreik eine große Schärpe mit der Aufschrift „Israel“ trug, ließ die libanesische Firma Al-Sawsan, die den Wettbewerb im Libanon organisiert, dieses Argument nicht gelten. „Der Libanon wird nicht mehr am Miss-Earth-Wettbewerb 2018 teilnehmen“, sagte Sawsan el-Sayed, die Direktorin von Al-Sawsan und frühere Miss Libanon. „Meine Gesellschaft organisiert seit 25 Jahren Schönheitswettbewerbe, und ich akzeptiere ein solches Benehmen nicht. … Das ist schockierend. … Es gibt zwischen dem Libanon und Israel eine historische Feindschaft, nicht nur auf militärischer Ebene, sondern auch auf kultureller und in den Schönheitswettbewerben.“

Der Libanon, der arabische Flüchtlinge des israelischen Unabhängigkeitskriegs und deren Nachkommen in weitgehend rechtlosen, apartheidsähnlichen Verhältnissen hält, weigert sich, den 1948 begonnenen Krieg gegen Israel für beendet anzusehen und erwartet von seinen Bürgern, sich wie im Krieg zu benehmen. Reisen nach Israel sind ihnen verboten, umgekehrt dürfen Israelis auch nicht in den Libanon reisen. Bürger aus Drittstaaten, die ein israelisches Visum in ihrem Reisepass hatten, konnten früher ebenfalls nicht in den Libanon einreisen (inzwischen stempeln die israelischen Behörden Reisepässe nicht mehr, sondern geben jedem Ausländer, der am Flughafen Ben-Gurion ankommt, eine Karte). Und Libanesen dürfen mit keinem Israeli irgendwo auf der Welt reden.

2017 wurde der schwedisch-libanesischen Schönheitskönigin Amanda Hanna der bei einer Wahl in Schweden zugesprochene Titel der „Miss Lebanon Emigrant 2017“ nachträglich aberkannt, als herauskam, dass sie mit ihrem schwedischen Reisepass eine Studienreise nach Israel unternommen hatte. „Nachdem wir unsere Entscheidung dem libanesischen Minister für Tourismus mitgeteilt hatten, hat er entschieden, dass Hanna ihr Titel aberkannt werden soll, da ihr Besuch in Israel die Gesetze unseres Landes verletzt“, teilte das „Festival of Lebanese Emigrants“ mit.

2015 tobte im Libanon ein Sturm der Empörung gegen die damalige Miss Libanon, Saly Greige, nachdem Doron Matalon, die damalige Miss Israel, ein Foto über die sozialen Medien verbreitet hatte, das sie selbst, Saly Greige und zwei andere Schönheitsköniginnen zeigte. Greige behauptete, sie habe die ganze Zeit über versucht, „Fotos und Gespräche“ mit Matalon zu „vermeiden“; diese aber habe sie „tagelang“ „gejagt“ und sich ungefragt in ein Bild gedrängt. Der Spiegel titelte daraufhin: „Miss Israel fotobombt Miss Libanon.“

Der libanesisch-französische Regisseur , dessen Film „The Insult“ in Venedig mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet wurde, wurde im September 2017 nach seiner Rückkehr in den Libanon am Flughafen festgehalten, seine beiden Pässe konfisziert. Er musste vor einem Militärgericht erscheinen und wurde drei Stunden lang verhört. Wie sein Anwalt berichtet, wurden die Vorwürfe gegen ihn jedoch fallengelassen, auch seine Pässe erzielt Doueiri zurück. Was ihm diese Behandlung eingehandelt hatte? Teile des Films hatte er in Israel gedreht.

Der Libanon ist nicht das einzige arabische Land, das einen Schönheitsköniginnenkrieg gegen Israel führt. Die irakische Miss Universum, Sarah Idan, musste im Dezember 2017 untertauchen und aus dem Irak fliehen – vielleicht für immer –, nachdem sie infolge eines gemeinsamen Fotos mit ihrer Freundin Adar Gandelsman, der Miss Israel, Morddrohungen erhalten hatte. Im Juni 2018 besuchte Sarah Idan Jerusalem und wurde dort begeistert empfangen. „Es fühlt sich so komisch an, die Leute sehen aus wie mein Volk. Und die Stadt sieht aus wie Damaskus, wie Syrien, und ich war dort, darum kommt mir alles so bekannt vor“, sagte sie einem israelischen Fernsehsender und fügte hinzu: „Ich denke nicht, dass der Irak und Israel Feinde sind. Vielleicht sind die Regierungen verfeindet. Doch es gibt viele Iraker, die kein Problem mit Israel oder dem jüdischen Volk haben. Es gibt viele Leute im Irak, die auf meiner Seite sind, und ich denke, sie sind glücklich, dass ich hier bin.“

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