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Israelhass auf der „Ruhrtriennale“: Die unbelehrbare Intendantin

Von Alex Feuerherdt

Die Intendantin des Kulturfestivals Ruhrtriennale, Stefanie Carp, kann es nicht lassen: Trotz der vehementen Kritik im Vorjahr hat sie erneut eine Künstlerin eingeladen, die den jüdischen Staat dämonisiert. Wird es diesmal einschneidende Konsequenzen geben?

Stefan Carp (3. v. l.) bei der Podiumsdiskussion „Freiheit der Künste“ (Quelle: Alex Feuerherdt)

Als Stefanie Carp, die Intendantin der Ruhrtriennale, am Dienstag das diesjährige Programm für das Kulturfestival im August und September vorstellte, dürfte viele nicht zuletzt eines interessiert haben: Würde sie diesmal darauf verzichten, Künstler einzuladen, die Israel dämonisieren und delegitimieren? Im vergangenen Jahr hatte es bekanntlich heftige Kritik daran gegeben, dass Carp mit den Young Fathers aus Schottland eine Band ins Programm genommen hatte, die die antisemitische BDS-Bewegung unterstützt.

Die Intendantin sagte den Auftritt der Gruppe daraufhin ab, um sie kurz darauf jedoch erneut einzuladen, woraufhin die Musiker schließlich von sich aus auf die Ruhrtriennale verzichteten. Ersatzweise wurde eine Podiumsdiskussion anberaumt, um über die „Freiheit der Künste“ zu sprechen, die offenbar gefährdet ist, wenn sich vernehmlicher Protest gegen Antisemiten regt, die bei nicht ganz unbedeutenden Festspielen eine Bühne bekommen sollen. Stefanie Carp fühlte sich jedenfalls als Opfer einer „Kampagne“.

Im Kulturausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags wurde im Juli des vergangenen Jahres, als Carp bereits in der Kritik stand, der Vorschlag unterbreitet, in Zukunft auch einmal israelische Künstler zur Ruhrtriennale einzuladen. Das hielt die Intendantin für eine gute Idee: „Ich bin im Gespräch mit Ofira Henig, einer israelischen Künstlerin, […] die offen sagt: Ich halte Israel für einen faschistischen Staat.“ Außerdem stamme sie „aus einer Familie von Holocaustopfern“. Für Carp sind das augenscheinlich zwei wesentliche Qualifikationsmerkmale.

 

Eine erneute Dämonisierung des jüdischen Staates

Quelle: Screenshot, Tel Aviv University

Tatsächlich lud sie Henig – die im angeblich faschistischen Israel übrigens einen Lehrstuhl an der Universität Tel Aviv innehat – schließlich ein, auf dem diesjährigen Festival zwei Bühnenstücke als Regisseurin zu inszenieren. Im Schauspiel „Kind of“ geht es dabei um „die Deformationen, die Bildungssysteme hinterlassen, welche auf Exklusion und Indoktrination beruhen“, wie es in der Ankündigung heißt. Die Handlung kreise „um eine Gruppe von Schüler*innen und Lehrer*innen in Israel nach dem Sechstagekrieg von 1967“, die mit einem Bildungssystem konfrontiert seien, „das jegliche Toleranz gegenüber dem Fremden und Anderen auszulöschen versucht“.

Das klingt erneut stark nach einer Dämonisierung des jüdischen Staates, die Carp ganz offensichtlich am Herzen liegt. Als Konsequenz aus dem letztjährigen Desaster hatte die 63-Jährige für die verbleibende Zeit ihrer bis 2020 dauernden Intendanz einen Stellvertreter zur Seite gestellt bekommen, der „die Abläufe im künstlerischen Betrieb verbessern und eine bessere Vorbereitung auf die beiden kommenden Spielzeiten gewährleisten“ sollte, wie es hieß. Doch auch er verhinderte nicht, dass der jüdische Staat nun erneut verteufelt wird.

 

Eine Kronzeugin der Anklage wird vorgeschoben

Stefanie Carp hat lediglich ihre Taktik geändert: Sie greift nun auf den so durchsichtigen wie bei „Israelkritikern“ äußerst beliebten Trick zurück, eine israelische Kronzeugin der Anklage vorzuschieben. Denn dieser wird man, so die simple Rechnung, ja keinen Antisemitismus unterstellen können – und damit Carp selbst auch nicht. Mehr noch: Wenn es Israelis gibt, die Israel für „faschistisch“ halten, muss dann an diesem Urteil nicht etwas dran sein, erst recht, wenn sie Vorfahren haben, die von den Nationalsozialisten verfolgt und vernichtet wurden?

Nein, muss es ganz und gar nicht – und das nicht nur deshalb, weil solche Positionen und jene, die sie vertreten, in Israel aus gutem Grund randständig sind. Der jüdische Staat ist kein faschistischer, sondern als einziger im Nahen Osten ein demokratischer, und das ist keine Frage des „Sprechorts“ oder der Perspektive, sondern es bleibt auch dann wahr, wenn Israelis selbst, aus welchen Gründen auch immer, das Gegenteil behaupten. Genauso ist es irrsinnig, die Ansicht zu vertreten, das israelische Bildungssystem versuche, „jegliche Toleranz gegenüber dem Fremden und Anderen auszulöschen“. Es ist unerträglich, dass dieser Dämonisierung und Delegitimierung Israels auf der Ruhrtriennale erneut Raum gegeben werden soll.

Stefanie Carp ist offenkundig gänzlich unbeeindruckt geblieben von der letztjährigen Diskussion, den Protesten, dem Boykott des Festivals durch den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet und der Kritik, die sie beinahe den Job gekostet hätte. Auch der Beschluss des Landtages von Nordrhein-Westfalen, die BDS-Bewegung als antisemitisch zu verurteilen und ihr den öffentlichen Raum zu bestreiten, hat sie anscheinend kalt gelassen. „Carp hält eine Opposition zum Israelboykott für eine deutsche Eigentümlichkeit und arbeitet daran, dies zu ändern“, konstatierte Stefan Laurin in der Jüdischen Allgemeinen sehr zu Recht.

 

Carp ist offenkundig unbelehrbar

Symbol der Ruhrtriennale (Von NatiSythen, CC BY-SA 3.0)

In Göttingen hat kürzlich die Verleihung des Göttinger Friedenspreises an die antizionistische Vereinigung Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost dafür gesorgt, dass die Hauptförderer, darunter der Oberbürgermeister und die Universitätspräsidentin, ihre Unterstützung zurückgezogen haben. Die Auszeichnung musste daraufhin in einem deutlich bescheideneren Rahmen stattfinden. Auch die Förderer und Finanziers der Ruhrtriennale sollten sich geeignete Konsequenzen überlegen, zumal vor dem Hintergrund, dass die Intendantin offensichtlich unbelehrbar ist. Dass Israel bei den Festspielen dämonisiert und delegitimiert wird, kann und darf nicht sein.

„Carp hat nicht nur ihren Aufpasser ausgetrickst, sie führt auch den Ministerpräsidenten vor“, schreibt Malca Goldstein-Wolf in einem Kommentar für das Portal Ruhrbarone. „Offenkundig besessen in ihrer Aversion gegen den jüdischen Staat, wendet sie diesmal einen Trick an, von dem sie wohl hofft, dass er sie unangreifbar macht.“ Die Aktivistin, die im vergangenen Jahr die Proteste vor der Podiumsdiskussion im Rahmen der Ruhrtriennale maßgeblich organisiert hatte, hofft, dass sich auch diesmal Menschen finden, „die sich nicht scheuen, die Taktik der Ruhrtriennale-Intendantin zu demaskieren“. Die Demonstrationsplakate vom Vorjahr habe man jedenfalls aufbewahrt.

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