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Wenn ein Pop-Konzert politisch wird: Jennifer Lopez in Tel Aviv

Von Lisa Vavra

Jennifer Lopez (Quelle: Firdaus Latif/CC BY-SA 2.0)

Selten ist ein Pop-Konzert ein politischer Akt – außer es geht um Israel. Letzten Donnerstag feierte die amerikanische Sängerin Jennifer Lopez ihr Debüt-Konzert in Tel Aviv, wo sie vor mehr als 50.000 Fans im Hayarkon-Park auftrat. Die Wochen vor ihrem Auftritt übte die Israel-Boykottbewegung BDS starken Druck auf die Sängerin aus und wollte so erreichen, dass sie ihr Konzert in Israel absagt. „Es gab nichts, was uns von dem Israel-Besuch hätte abhalten können“, so Jennifer Lopez‘ Manager Benny Medina im israelischen Fernsehen. „Es ist wirklich einfach: Tel Aviv und Israel verdienen Jennifer Lopez und Jennifer Lopez verdient Israel.“

 

Bewegung gegen Israel

Die 2015 gegründete BDS-Bewegung (das Kürzel steht für die Forderung nach Boykott, Desinvestition und Sanktionen) spricht sich gegen einen jüdischen Staat aus. Sie steht nicht für eine Zweistaatenlösung, sondern spricht Israel die Existenz ab: Sie dämonisiert und delegitimiert Israel und agiert somit offen antisemitisch. Die Bewegung ist international aktiv. Durch zum Teil prominente Fürsprecher gelangt sie an die Öffentlichkeit und kann so überzeugen. Einer davon ist Pink Floyd-Mitbegründer Roger Walters. Er setzt sich vor allem für künstlerischen Boykott ein und war auch an einer Initiative gegen den Eurovision Song Contest, der 2019 in Tel Aviv stattfand, beteiligt. „Es ist unmöglich, Israel als jüdischen Staat auf unserem Land zu akzeptieren“, so BDS-Mitbegründer Omar Barghuti.

Während die Bewegung in den USA oder auch vielen europäischen Städten großes Ausmaß annimmt, ist sie in Deutschland und Österreich eher gering vertreten. Dennoch wird auch hier „Kauft nicht beim Juden“ gerufen. Wenn es um Demonstrationen gegen israelische Waren geht, wird also auf die NS-Vergangenheit vergessen. Legitimiert wird dies mit der infamen, weil faktisch falschen und höchst diffamierenden Gleichsetzung Israels mit Südafrika während der Apartheidzeit. „Ich habe Mandela getroffen. Ich habe all die Anführer getroffen, die für die Befreiung Südafrikas gekämpft haben. Waters weiß nicht, wovon er spricht. Südafrikaner fühlen sich von seinen Aussagen beleidigt“, so der Filmemacher Ian Halperin zur britischen Zeitung Observer.

 

JLo ließ sich nicht einschüchtern

Auch wenn die Israel-Boykottbewegung bislang in wirtschaftlicher Hinsicht ein glatter Reinfall ist, kann sie vor allem im Kunst- und Kulturbereich immer wieder kleinere Erfolge verbuchen. Der im Vorfeld geplanter Israel-Auftritte ausgeübte Druck von BDS konnte tatsächlich einige Künstler und Künstlerinnen davon abhalten, in Israel aufzutreten. Kürzlich war dies bei Lana del Rey und Lorde der Fall. Doch so wie Radiohead, Alicia Keys und die Pet Shop Boys, ließ sich auch Jennifer Lopez nicht einschüchtern und reiste gemeinsam mit ihrem Verlobten Alex Rodriguez und ihren Kindern nach Israel, wo sie auch Jerusalem und die Klagemauer besuchten. Wie üblich teilte sie ihre Fotos und Kommentare öffentlich auf Social-Media-Kanälen. „Das Mutterland“, hatte sie in ihrem Instagram-Profil gepostet, „ich bin verliebt!!“. Von ägyptischen Nutzern kamen daraufhin verärgerte Kommentare, wie beispielsweise: „Wenn es Dir dort so gut gefällt, dann bleib zum Teufel nochmal da.“ Auch diese Aussage beachtet die Sängerin nicht und führt ihre Tour unter dem Motto „It’s my Party“ in Ägypten fort.


[Anmerkung der Redaktion: Sie können sich diesen Artikel vorlesen lassen, indem Sie auf das „Play“-Symbol über dem Text klicken. Das ist ein Pilotprojekt, die Software befindet sich in der Testphase. Wir freuen uns über Ihr Feedback an info@mena-watch.com.]

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