Mena-Exklusiv

Was ihre Vorwürfe über die Feinde Israels selbst erzählen

Von Stefan Frank

Um Felder anzuzünden und die Flora und Fauna im Süden Israels in Brand zu stecken, setzt die Hamas nicht mehr nur Terrordrachen und mit Helium gefüllte Kondome ein, an denen Behälter mit brennenden Flüssigkeiten befestigt sind; Mitte Juli wurde in der Nähe des Gazasteifens sogar ein toter Falke entdeckt, den die Terroristen ebenfalls als Träger ihrer Brandstoffe missbraucht hatten. Die Nachrichtenagentur Bloomberg meldete:

„In der Nähe der Grenze zu Gaza wurde, in einem Baum hängend, ein mit einem Geschirr versehener Falke gefunden, der an einen Stahldraht gebunden war, an dessen anderes Ende entzündliches Material befestigt war, teilte die israelische Natur- und Parkbehörde in einer Presseerklärung mit. Aufseher, die gerade vor Ort waren, um ein Feuer zu löschen, fanden den toten Vogel am Montagnachmittag, so die Behörde. Dies ist laut der Behörde das erste Mal, dass ein Tier benutzt wurde, um während der wöchentlichen Grenzproteste, die Ende März begannen, Brände zu legen. Die Organisation sagt, sie erwäge, im Rahmen internationaler Abkommen eine Beschwerde wegen des Gebrauchs eines Tieres für Terrorismus einzulegen.“

Man sollte annehmen, der Einsatz eines Falken zum Zweck der terroristischen Kriegsführung müsste – unabhängig vom geografischen und politischen Zusammenhang – einen solchen Nachrichtenwert haben, dass auch die großen Zeitungen und Rundfunksender im deutschsprachigen Raum darüber berichten. Doch Fehlanzeige: Allein auf der Website von Israel heute wurde der Vorfall erwähnt.

Unterdessen hat die radikale Tierrechtsorganisation PETA den Einsatz des Falken verurteilt; allerdings erst, nachdem sie von der Website World Israel News um eine Stellungnahme gebeten wurde – und ohne die Hamas oder den Begriff „Terror“ zu erwähnen: „Als eine Tierschutzorganisation merkt PETA an, dass Tiere keine Loyalität zu einer Nation haben, keine Seite wählen und nur darauf bauen können, dass Menschen ihnen gegenüber gnädig sind“, lässt die Organisation verlauten.

Ingrid Newkirk, die Mitbegründerin und Präsidentin von PETA, hatte in der Vergangenheit für Empörung gesorgt, weil sie zwar heftige Kritik übte, wenn palästinensische Terrororganisationen wie die Fatah und die Hamas bei ihren Anschlägen Tiere eingesetzt hatten – nicht aber den Terror selbst verurteilte. Nachdem Terroristen am 26. Januar 2003 zwischen Jerusalem und Gush Etzion einen mit Sprengstoff beladenen Esel ferngesteuert in die Luft gesprengt hatten, um möglichst viele Menschen zu töten – und die Angehörigen der Opfer obendrein damit zu quälen, dass die in kleine Stücke zerfetzten Körper ihrer Verwandten sich mit denen des Esels vermischen – schrieb Newkirk einen Brief an „Ihre Exzellenz“ Jassir Arafat: „Wenn Sie die Gelegenheit haben, würden Sie dann bitte zu all Ihrer Bürde noch meinen Wunsch fügen, an all jene, die auf Sie hören, den Appell zu richten, Tiere aus dem Konflikt herauszulassen?“. Newkirk führte in dem auf den 3. Februar 2003 datierten Brief aus, dass PETA „viele Anrufe und Briefe“ bekommen habe, „von Leuten, die davon schockiert waren, dass bei dem Bombenanschlag in Jerusalem vom 26. Januar ein mit Sprengstoff beladener Esel absichtlich in die Luft gesprengt wurde.“

Insgesamt wurden seit 1995 sechs Fälle verzeichnet, in denen arabisch-palästinensische Terroristen versuchten, Anschläge mit Eseln oder Pferden zu verüben. Der letzte ereignete sich am 18. Juli 2014, als Hamas-Terroristen während des Gazakriegs in der Nähe von Rafah an der ägyptischen Grenze einen mit Sprengstoff beladenen Esel auf israelische Soldaten zusteuerten. Der Esel erweckte das Misstrauen der Soldaten, die aus der Entfernung das Feuer eröffneten, und die Sprengladung so zur Explosion brachten.

Bemerkenswert ist, dass Israels Feinde immer wieder den – unbelegten – Vorwurf erheben, Israel würde Tiere zu Spionagezwecken benutzen. Der Blog Spirit of Entebbe resümierte  2013 eine Reihe solcher Fälle:

„Die Türkei, so wird vermeldet, hat soeben einen Rackenvogel als israelischen Spion entlarvt; zuvor hatte Ägypten hinter einem Haiangriff im Roten Meer den Mossad vermutet, und in Saudi-Arabien war ein Gänsegeier unter Spionageverdacht geraten. Unser persönlicher Favorit: Der Iran verdächtigte Brieftauben, als diese in der Nähe einer Urananreicherungsanlage gesichtet wurden. Zuvor hatte der Geheimdienst bereits die Festnahme von 14 Eichhörnchen als Erfolg der iranischen Spionageabwehr vermeldet.“

Israels Feinde, so scheint es, werfen dem Staat vor allem das vor, was sie selbst im Schilde führen.

Ein Gedanke zu „Was ihre Vorwürfe über die Feinde Israels selbst erzählen

  1. nussknacker56

    Lieber Herr Frank,
    (über diese Etwas namens PETA brauchen wir kein überflüssiges Wort verlieren.)

    mich nervt dieser Bericht inzwischen, da er nun schon mehrfach kolportiert wurde. Die Mutmaßungen aus Israel bzgl. des Falken halte ich für völligen Humbug. Mir ist ein Rätsel, warum solche Geschichten veröffentlicht werden. Ich bin aus mehreren Gründen überzeugt, dass sich das Ganze völlig anders abgespielt hat:

    1. Niemand richtet ein wertvolles Tier wie einen Falken unter großen Mühen ab, um dann irgendwelche brennbaren Materialien von A nach B zu schaffen, zumal ein „Erfolg“ extrem unwahrscheinlich ist. Eine solche Annahme halte ich für schlichtweg unlogisch.
    2. Was für einen Sinn macht denn ein Stacheldraht, an „dessen anderes Ende entzündliches Material befestigt war“?
    3. Warum kommt niemand auf den wesentlich plausibleren Ablauf: Der Falke sieht in der Luft oder in der Nähe des Bodens (eines Zauns?) einen „Terrordrachen“ oder Ballon und hält ihn für einen Konkurrenten. Bei der folgenden Attacke verheddert sich das Tier in den Seilen und schafft es nicht, sich daraus zu befreien. In der Folge verhungert oder verdurstet der Vogel.

    Das dürfte wohl ein deutlich realistischerer Ablauf gewesen sein. Es nutzt absolut niemand, sich dazu völlig unwahrscheinliche Stories auszudenken. Diese peinliche Presseerklärung der israelischen Natur- und Parkbehörde hätte in der Form erst gar nicht veröffentlicht werden dürfen.

    Freundliche Grüße
    nussknacker56

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