Mena-Exklusiv

Was der Verbleib in Syrien für die USA bedeutet

 

Gastbeitrag von Ibrahim Abu Ahmad

Die amerikanische Entscheidung in Syrien zu verbleiben, insbesondere am Al-Tanf-Grenzübergang zwischen Syrien und dem Irak, stellt Washington vor sowohl politisch wie auch humanitäre Herausforderungen. Die amerikanische Präsenz am Grenzübergang hindert den Iran daran, einen Landkorridor von Teheran nach Damaskus zu schaffen. Unterdessen nutzt die syrische Regierung diese Präsenz, um Druck auf die Flüchtlingsfamilien im Lager Rukban auszuüben, das 10 Meilen von der amerikanischen Basis entfernt liegt.

Bedrohung durch den Iran

Trotz der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump im vergangenen Dezember, nach der er die amerikanischen Truppen aus Syrien abziehen werde, sind diese bislang noch in Syrien stationiert. Im Juli erklärte der Botschafter James Jeffrey, US-Sonderbeauftragter für Syrien und Sonderbeauftragter für die globale Koalition zur Niederschlagung des IS, dass der US-Präsident schon immer beabsichtigt habe, eine kleine Truppe in Al-Tanf sowie eine weitere Resttruppe im syrischen Nordosten zu belassen. Unterdessen betont die syrische Regierung, Hand in Hand mit seinen Verbündeten Russland und Iran, weiterhin die Illegalität der amerikanischen Präsenz im Land, da diese nicht offiziell von der syrischen Regierung angefordert wurde.

Ob der US-Präsident seine Meinung geändert hat oder nicht, es bleibt eine wichtige strategische Entscheidung. Der Grenzübergang Al-Tanf könnte den iranischen Streitkräften in Syrien einen kurzen und sicheren Landkorridor für den Transfer von Waffen, Streitkräften und anderem Material aus Teheran über den Irak nach Syrien bieten. Die amerikanische Entscheidung, in Al-Tanf zu verbleiben, unterstreicht deutlich das amerikanische Bewusstsein für die Bedrohung, die der Grenzübergang mit sich bringt und die Bedeutung der Aufrechterhaltung der amerikanischen Basis und Präsenz, um zu verhindern, dass der Iran seinen Einfluss in Syrien ausdehnt. (Weitere Informationen finden Sie im [Alma-] Artikel zum iranischen Landkorridor.)

Humanitäre Lage der Flüchtlinge

Neben der Bedrohung durch den iranischen Landkorridor, herrscht derzeit eine humanitäre Krise im Flüchtlingslager Rukban, das 10 Meilen von der amerikanischen Basis in Al-Tanf entfernt liegt. Die syrischen Flüchtlinge sind derzeit eingesperrt, da sie sich zwischen den amerikanischen Streitkräften und der syrischen Regierung befinden. Assad hat das Flüchtlingslager in den letzten fünf Jahren unter Belagerung gestellt, um die Bedingungen für die Zivilbevölkerung unerträglich zu machen, solange, bis ihr keine andere Wahl mehr bleibt und sie in die Hände der Regierung zurückkehrt. Seine Truppen haben den Zugang der von den Vereinten Nationen geleisteten humanitären Hilfe zum Lager verhindert, während er mit einem anklagenden Finger auf die Amerikaner zeigt, die die Flüchtlinge angeblich daran hindern, sich mit der Regierung zu ‚versöhnen‘. Das Regime behauptet auch, dass die Lage, in der sich die Flüchtlinge befinden, die Schuld der USA sei. Als Antwort darauf erklärte Botschafter Jeffrey kürzlich, dass die USA die Menschen in dieser Region nicht alleine ernähren können, während die syrische Regierung die humanitäre Hilfe der Vereinten Nationen daran hindert einzuspringen, um die die Flüchtlingshilfe so zu den USA aufzubürden.

Unterdessen erklären Medien, die der Opposition in Syrien nahe stehen, dass die Flüchtlinge aus dem Lager Rukban zwei Möglichkeiten haben: Punkt Eins wäre in die Hände der Regierung zurückzukehren und sofort für die Armee zwangsrekrutiert zu werden oder vielleicht ein schlimmeres Schicksal zu erleiden. Die zweite Möglichkeit besteht darin, im zusammenbrechneden Lager zu verhungern.

Die amerikanische Entscheidung zur Aufrechterhaltung der Streitkräfte in Syrien bringt neue Herausforderungen mit sich, vor allem durch die iranische Bedrohung angesichts des Landkorridors und der derzeitigen Zustände im Flüchtlingslager Rukban. Momentan klären die Worte von Botschafter Jeffrey jedenfalls nicht, wie lange die USA im syrischen Süden bleiben wollen, und ob sie letztendlich dazu gezwungen sein werden, ihre Basis und die Bewohner des Rukban-Flüchtlingslagers zu verlassen und den Grenzübergang an den Iran abzutreten.“

Artikel zuerst auf Englisch erschienen bei Alma Research and Education Center.

 

[Anmerkung der Redaktion: Sie können sich diesen Artikel vorlesen lassen, indem Sie auf das „Play“-Symbol über dem Text klicken. Das ist ein Pilotprojekt, die Software befindet sich in der Testphase. Wir freuen uns über Ihr Feedback an info@mena-watch.com.]

Schreiben Sie einen Kommentar


Schreiben Sie einen Kommentar

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.


Login